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Frankfurter Polizeichef Bereswill geht in den Ruhestand: Nachfolge unklar

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Von: Oliver Teutsch

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Frankfurt: Ein sichtlich bewegter Polizeipräsident Bereswill (links) erhält seine Abschiedsurkunde von Innenminister Peter Beuth (CDU).
Frankfurt: Ein sichtlich bewegter Polizeipräsident Bereswill (links) erhält seine Abschiedsurkunde von Innenminister Peter Beuth (CDU). © Renate Hoyer

Polizeipräsident Gerhard Bereswill geht in den Ruhestand – und er nutzt die Chance, um noch eine letzte Spitze in Richtung Stadt Frankfurt auszuteilen.

Frankfurt – Einen solch großen Bahnhof hat kein Frankfurter Polizeipräsident in der jüngeren Vergangenheit erhalten: Mehr als 180 geladene Gäste aus Politik, Justiz, Polizeidienst und der Stadtgesellschaft haben Gerhard Bereswill am Dienstag (05.04.2022) im Polizeipräsidium in den Ruhestand verabschiedet. Der 65-Jährige wurde mit Lob überschüttet und bekam zu Beginn der Verabschiedung Standing Ovations. „Das ist natürlich alles maßlos übertrieben“, gab sich ein sichtlich bewegter Bereswill bescheiden.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits die offizielle Entlassungsurkunde von Peter Beuth (CDU) erhalten. Der Innenminister vertrat den kurzfristig verhinderten Ministerpräsidenten Volker Bouffier und lobte Bereswill als einen „Mann mit Idealen und unumstößlichen Prinzipien“. In seiner Amtszeit seit 2014 sei die Kriminalität in Frankfurt um fast 19 Prozent gesunken.*

Kein leichtes Amt: Staatsanwaltschaft und Moscheeverein in Frankfurt ehren Gerhard Bereswill

Ein leichtes Amt habe der „Vollblutpolizist“ nicht gehabt. Vielmehr sei die Leitung der größten hessischen Polizeibehörde mit rund 4000 Bediensteten „eine Herkulesaufgabe“. Der oberste Frankfurter Staatsanwalt Albrecht Schreiber bezeichnete Bereswill als „Glücksfall“. Die Zusammenarbeit mit ihm habe er als „persönliches Geschenk“ empfunden. In weiteren Grußworten schlossen sich auch Ex-FAZ-Herausgeber Werner D´Inka, der Generalkonsul der Ukraine, Vadym Kostiuk, und der Koordinator der Arbeitsgemeinschaft der türkischen Moscheevereine Frankfurt, Hüseyin Kurt, den Lobeshymnen an.

Zur Person

Gerhard Bereswill ist seit dem 1. April 65 Jahre alt und seit 1978 bei der hessischen Polizei und begann einst als Streifenbeamter in Darmstadt. Ab 2010 war er im Polizeipräsidium Frankfurt zunächst Vizepräsident, ab 2014 dann Polizeipräsident. Seine Dienstzeit endet Ende April.

Die Nachfolge ist noch nicht entschieden. Bis zu einer Neubesetzung des politischen Amtes übernimmt der derzeitige Vizepräsident Björn Gutzeit die Aufgabe kommissarisch. (ote)

Bereswill geht Ende April in Ruhestand. Bis eine Nachfolge feststeht, wird er kommissarisch von seinem Vize Björn Gutzeit vertreten. Der lobte seinen Chef als „Behördenleiter, wie man ihn sich nur wünschen kann“.

Als Bereswill nach mehr als zwei Stunden selbst das Wort ergriff, sparte er sich einen Abriss seiner 42 Dienstjahre bei der hessischen Polizei. Viel lieber lobte er die Unterstützung vieler anderer Behörden wie Feuerwehr, Rettungsdienste, Bundespolizei, Stadtpolizei und Landeskriminalamt. Eine Spitze indes konnte sich Bereswill „nicht verkneifen“, wie er selbst sagte: „In Frankfurt ist es schneller möglich ein Hochhaus zu bauen als einen Mast für eine Kamera aufzustellen.“

Stark für die Videoüberwachung: Polizeipräsident Bereswill steht für seine Überzeugungen ein

Für den Ausbau der Videoüberwachung in Frankfurt hatte sich Bereswill seit seines Amtsantritts stark gemacht* und war dafür auch immer wieder in den Rechtsausschuss des Stadtparlaments gegangen, wie er ohnehin überall dort Rede und Antwort stand, wo nach ihm verlangt wurde.

Jetzt werde er „von 100 auf null“ schalten. Dies werde ihm gut gelingen, auch wenn er fast im selben Atemzug einen weiteren Hilfskonvoi für die Ukraine ankündigte und Generalkonsul Kostiuk anbot, er könne ihn jederzeit anrufen, falls er Hilfe brauche. Unabhängig davon will der Pensionär sich aber nun mehr seiner Familie widmen. (Oliver Teusch) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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