+
Symbolbild

Ungeheuerlicher Verdacht

Kommentar zum Polizei-Skandal in Frankfurt: Keine Ausflüchte

  • schließen

Es ist ein ungeheuerlicher Verdacht: Frankfurter Polizeibeamte könnten sich über einen Dienstcomputer Zugriff auf persönliche Daten einer Rechtsanwältin verschafft haben, um ihr rechtsradikale Hass- und Drohbotschaften zu schicken.

Es ist ein ungeheuerlicher Verdacht: Frankfurter Polizeibeamte könnten sich über einen Dienstcomputer Zugriff auf persönliche Daten einer Rechtsanwältin verschafft haben, um ihr rechtsradikale Hass- und Drohbotschaften zu schicken. Doch noch ist viel zu wenig über den Fall bekannt.Wer war diese Fünfergruppe im ersten Revier, die sich in einer Chatgruppe Hitlerbilder und ausländerfeindliche Nachrichten schickten? Haben sie das mit „NSU 2.0“ unterzeichnete Drohschreiben selbst verfasst? Haben sie die Daten der Anwältin weitergegeben? Mit wem stecken sie womöglich noch unter einer Decke?

Im Raum stehende Vorwürfe schonungslos aufklären

Daniel Gräber

Es ist wichtig, dass die im Raum stehenden Vorwürfe nun schonungslos aufgeklärt werden. Entsprechender Druck aus Politik und Öffentlichkeit kann dabei nicht schaden. Doch wer den Skandal nutzt, um die Polizei als Brutstätte des Rechtsextremismus darzustellen, handelt vorschnell und fahrlässig. Den Beamten, die tagtäglich ihre Knochen dafür hinhalten, dass unser Staat funktioniert, pauschal eine verfassungsfeindliche Gesinnung zu unterstellen, ist vollkommen falsch.

Grenze, die kein Staatsdiener überschreiten darf

Genauso falsch wäre es aber, die Vorfälle herunterzuspielen und mit schlechten Erfahrungen im wohl härtesten Polizeirevier Hessens zu erklären. Wer täglich miterlebt, wie Kriminelle ohne Bleiberecht dem Rechtsstaat auf der Nase herumtanzen, neigt vielleicht eher dazu, Vorurteile gegen Ausländer zu entwickeln. Bis zu jenem menschenverachtenden Fremdenhass, der aus den wenigen Zeilen des Drohschreibens spricht, ist es dann allerdings noch ein weiter Weg. Und dazwischen liegt eine Grenze, die kein Staatsdiener überschreiten darf. Erst recht nicht, wenn er Waffen trägt, um alle Bürger zu schützen. Bestätigt sich der Verdacht, müssen die Polizisten ihren Dienst quittieren. Da darf es keine Ausflüchte geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare