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Polizei sucht Jessicas Leiche auf Müllhalde

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Die Eltern suchten mit Steckbriefen nach ihrer Tochter.
Die Eltern suchten mit Steckbriefen nach ihrer Tochter. © Kammerer, Bernd

Die Strafverfolger gehen davon aus, dass Jessica B. getötet und in einen Hausmüllbehälter gelegt wurde. Deshalb sucht sie jetzt im Frankfurter Müllheizkraftwerk nach dem Leichnam. Ob dieser noch unter dem Abfall liegt oder schon verbrannt wurde, ist unklar.

Nach dem gewaltsamen Tod von Jessica B. (22) aus dem Nordend (wir berichteten) sucht das Kommissariat 11 der Frankfurter Polizei weiter nach dem Leichnam. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Ex-Freund Jozsef S. (23) die junge Mutter in ihrer Wohnung im Nordend getötet und dann in einen Hausmüllbehälter gelegt hat. Der mutmaßliche Täter soll eine Decke mit Wildkatzenmuster benutzt haben, um die Leiche zu verbergen. Jozsef S. sitzt nach seiner Festnahme in Untersuchungshaft. Dass er der Vater des elf Monate alten Sohnes der Getöteten ist, gilt als wahrscheinlich, ist aber noch nicht ermittelt.

Weil die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) den Hausmüllbehälter am Mittwoch, als die Polizei Jessica B. s Wohnung durchsuchte, bereits geleert hatte, konzentrierten sich die Ermittler auf der Suche nach dem Leichnam gestern auf das Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt. Dort ist der Abfall, der an der mutmaßlichen Tatwohnung abgeholt wurde, in einen riesigen Müllbunker gekippt worden. Ob die Leiche darin noch liegt oder schon in einen der Brennöfen gebaggert wurde, war zunächst unklar.

Stecknadel im Heuhaufen

FES-Sprecher Michael Werner verglich die Suche nach dem leblosen Körper in dem Müllbunker mit derjenigen nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Der Bunker enthalte 8000 Tonnen Abfall, 60 Tonnen davon würden stündlich verbrannt. Weil sich an den Stellen, wo die Fahrzeuge anliefern und abkippen, regelmäßig größere Haufen bilden, werde dort bevorzugt weggebaggert. Es sei also möglich, dass der Leichnam nicht mehr da sei. Die Strafverfolger wollten die Suche am heutigen Freitag trotzdem fortsetzen. Der Betrieb in einem Teil des Heizkraftwerks wurde eingestellt, damit die Polizisten und Leichenspürhunde arbeiten können.

Nach Angaben von Jesco Kümmel, Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, hat der mutmaßliche Täter bei der Festnahme spontan zugegeben, die Leiche seiner Ex-Freundin in einen Müllbehälter gelegt zu haben. Vor dem Haftrichter habe er keine weiteren Angaben gemacht. Staatsanwalt Kümmel sagte auf Nachfrage, dass der 23 Jahre alte Beschuldigte schon einmal rechtskräftig verurteilt wurde, weil er Jessica B. gedroht hatte. Nach Informationen aus Polizeikreisen war Jozsef S. außerdem wegen Drogen- und Gewaltdelikten bekannt.

„Ich könnte heulen“

Vor der versiegelten Tatwohnung in der Lenaustraße standen gestern noch Schuhe von Jessica B., als könnte sie jeden Moment aus der Tür treten und hineinschlüpfen. „Ich könnte heulen“, sagte eine ältere Frau aus dem Haus. Wie andere Nachbarn aus der Wohnanlage berichtete auch sie von lautem Streit, der mitunter bei geöffnetem Fenster oder vor dem Haus ausgetragen worden sei. Oft sei es dabei um Geld und die zu geringe Größe der Wohnung – zwei Zimmer, Küche, Bad – gegangen.

Ein Nachbar erzählt, dass Jessica B. immer „ziemlich ruhig gewesen“ sei, Jozsef S. habe seine Freundin dagegen „immer zur Sau gemacht und beschimpft“. Die Polizei sei mehrfach dagewesen, um nach dem Rechten zu sehen. Der knapp einjährige Junge sei vor ein paar Wochen vom Jugendamt in Obhut genommen worden, heißt es in der Nachbarschaft – eine Information, die das Frankfurter Sozialdezernat auf Nachfrage bestätigte.

Die Gründe für die Kindesentziehung wollte Behördensprecherin Manuela Skotnik nicht nennen. In der Nachbarschaft ist zu hören, dass Jessica B. und Jozsef S., die eine sehr wechselvolle Beziehung mit Zerwürfnissen und Versöhnungen führten, offenkundig Rauschgift nahmen. Beim Gehen seien sie manchmal getorkelt, mit einem „Tunnelblick“, der darauf schließen ließ, dass sie ihre Umgebung nicht richtig wahrnahmen. Sie hätten zurückgezogen gelebt, mit dem Kind und ihren beiden Katzen.

Aufnahmen im Internet zeigen das Paar tätowiert. Jozsef S. trägt totenkopfartige Fratzen auf einem Arm und einer Brust. Auf einem Foto, das Jessica B. eingestellt hat, schmiegt sie sich an ihn; auf einem anderen steht ein Spruch: „Hass ist krass. Liebe ist krasser.“

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