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Rainer Wendt fand bei seinem Vortrag bei der Frankfurter CDU deutliche Worte.

Nach Kritik an Vortrag

CDU Polizeigewerkschafter Wendt: „Müssen Kontrolle wiedergewinnen“

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Nun durfte er doch noch in Frankfurt sprechen: Rainer Wendt zog gestern Abend vom Leder. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft kritisierte kopflose Willkommenspolitik und weltfremde Wissenschaftler. Eingeladen hatte ihn die CDU, nachdem sein Vortrag an der Goethe-Universität aus Angst vor Protest abgesagt wurde.

Rainer Wendt ist kein Mann, der die Auseinandersetzung scheut. Was er auf Einladung der Frankfurter CDU gestern Abend im Haus des Handwerks zu sagen hatte, war so deutlich und klar formuliert, dass klar wurde, was linke Kritiker an ihm auszusetzen haben. Doch genauso klar wurde: Er hätte sich der Debatte mit ihnen gerne gestellt. Dass im Oktober sein Vortrag an der Goethe-Universität abgesagt wurde, angeblich aus Sorge um die Sicherheit, wirkt im Nachhinein daher umso seltsamer.

Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, ist ein deutlicher Kritiker der deutschen Flüchtlingspolitik. Er hält Merkels Entscheidung, jeden ins Land zu lassen, der um Asyl bittet, für einen historischen Fehler, dessen Folgen noch gar nicht abzusehen seien. Der einzige Ausweg sei ein starker Staat. „Wir müssen die Kontrolle wiedergewinnen“, sagte Wendt und forderte Investitionen in Polizei, Infrastruktur und öffentliche Verwaltung.

Die rund 100 Zuhörer im Saal klatschten begeistert. Wendt, selbst CDU-Mitglied, schaffte es, den an der Parteibasis verbreiteten Unmut gegenüber der Kanzlerin und Parteichefin in Berlin auszusprechen. „Ich bin stolz darauf, in einer Partei zu sein, in der man andere Auffassungen als die Vorsitzende vertreten darf“, sagte er. „Und ich würde mich freuen, wenn das noch mehr tun würden.“ Wieder erntete er kräftigen Applaus. Der Abend war ein Heimspiel für ihn.

Für manch Linken sind Wendts Positionen hingegen eine Provokation. In einem offenen Brief hatten rund 60 Wissenschaftler aus Frankfurt und anderen Städten gegen seine Einladung an die Goethe-Universität protestiert. Sie warfen ihm darin unter anderem vor, für die „rassistische Polizeipraxis“ des „racial profiling“ einzutreten. „Eine Lüge“, sagte Wendt gestern dazu. „Wenn das Wissenschaft sein soll, bin ich froh, kein Wissenschaftler geworden zu sein.“ Er habe sich nur gegen den Vorwurf gewehrt, Polizisten würden Menschen allein aufgrund ihrer Hautfarbe kontrollieren. „Aber wenn ich sage, racial profiling findet nicht statt, setze ich mich doch nicht dafür ein.“ Seinen akademischen Kritikern warf er Weltfremdheit vor.

Unter den Zuhörern saß auch Susanne Schröter. Die Ethnologie-Professorin und Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam hatte Wendt zu jenem kurzfristig abgesagten Vortrag eingeladen, den er nun bei der Frankfurter CDU nachholte. Als Wendt auf Nachfrage des Moderators, „F.A.Z“-Ressortleiter Matthias Alexander, gerade erklären wollte, wie die Absage zustande kam, meldete sich Schröter selbst zu Wort. Sie habe sich dazu entschieden, weil es „aus verschiedenen Kreisen in- und außerhalb der Universität“ Ressentiments gegen Wendt gegeben habe. „Und ich war mir nicht sicher, wie die Hochschulleitung darauf reagieren würde“, so Schröter. Wendt nickte verständnisvoll.

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