Zu sehen ist die Fassade des Frankfurter Polizeipräsidiums.
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Beklagt massive Probleme mit der Sicherheit seiner Asservaten: Die Polizei Frankfurt.

Geheimnisverrat

Polizist soll mehr als 100 Waffen entwendet haben – Opposition übt scharfe Kritik

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Der Polizei Frankfurt fehlen mehr als hundert Waffen aus der Asservatenkammer. Der verdächtige Polizist steht in Verbindung mit einen dubiosen Sicherheitsdienst.

Frankfurt - Mehr als 100 Schusswaffen unterschiedlicher Art nebst reichlich Munition soll der Polizist Thomas S. (41) aus der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums unterschlagen und verkauft haben. Das bestätigten die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das hessische Landeskriminalamt (LKA) auf Anfrage. Die Frankfurter Polizei hatte gestern von Untersuchungen gegen einen Beamten wegen des Verdachts des Geheimnisverrats berichtet. Laut LKA wird gegen ihn zudem wegen Hehlerei ermittelt.

Der Verdacht richtet sich gegen den Kriminalkommissar Thomas S. (41). Er war im Polizeipräsidium zuständig für die Waffenasservate, saß also gleichsam an der Quelle. Bereits seit August vergangenen Jahres läuft ein Disziplinarverfahren gegen ihn. Auslöser seien Untersuchungen der Innenrevision gewesen, die Diskrepanzen zwischen der Menge asservierter Schusswaffen und der Dokumentation des Bestands festgestellt habe, so ein Polizeisprecher. Seitdem sei der Beamte von den Dienstgeschäften entbunden. Dass dessen Nähe zum privaten Sicherheitsunternehmen Asgaard im Polizeipräsidium bekannt sei, dementierte der Sprecher auf Nachfrage nicht.

Möglicherweise hunderte Waffen aus der Asservatenkammer der Polizei Frankfurt entwendet

Die private Sicherheitsfirma "Asgaard German Security" steht wegen umstrittener Sicherheits- und Militärdienstleistungen in der Kritik. Im September vergangenen Jahres berichteten verschiedene Medien, dass Asgaard von Rechtsradikalen beeinflusst sei und ein Netzwerk unterhalten soll, das in die Bundeswehr sowie in mehrere deutsche Sicherheitsbehörden auf Bundes- und Länderebene hineinreiche.

Der Frankfurter Kriminalkommissar Thomas S. soll für den schillernden Sicherheitsdienstleister im Irak, in der Ukraine sowie an der Grenze in Kroation unterwegs gewesen sein. Das gab gestern Martina Renner, Bundestagabgeordnete der Linken, im Kurznachrichtendienst Twitter bekannt. Renner beobachtet Asgaard schon eine Weile und wurde dafür mit dem Tod bedroht. Deshalb ermittelt der Generalbundesanwalt gegen die Sicherheitsfirma.

Thomas S. war für Asgaard nicht nur im Ausland, sondern auch an seinem Arbeitsplatz im Polizeipräsidium tätig. So soll er der Sicherheitsfirma aus Polizeidatenbanken gewonnene Informationen beschafft haben. Im August vergangenen Jahres waren deshalb sein Arbeitsplatz und seine Wohnung durchsucht worden, ebenso das Sicherheitsunternehmen. Laut Staatsanwaltschaft wurden dabei Datenträger und umfangreiche Unterlagen sichergestellt.

Polizei Frankfurt übt sich in Selbstkritik – und will Asservatenverwahrung sicherer machen

Die Innenrevision des Frankfurter Polizeipräsidiums sei nach dem festgestellten Waffenschwund sofort beauftragt worden, das Management der Asservatenkammer zu überprüfen. Dabei seien Mängel festgestellt worden, teilte gestern die Polizei in ihrer offiziellen Verlautbarung mit. Eigens eingerichtete Arbeitsgruppen hätten "einige offenkundige Missstände" während der noch andauernden Prüfung behoben.

Nun arbeite man daran, die Dokumentation "insbesondere in den sensiblen Bereichen der Waffen- und Betäubungsmittelasservate" zu verbessern. Nächster Schritt sei die digitale Erfassung sämtlicher Gegenstände, die die Polizei in Verwahrung nehme.

Polizeipräsident Gerhard Bereswill kommentiert die Vorgänge so: Er nehme die festgestellten Mängel "sehr ernst". Es werde jetzt intensiv daran gearbeitet, "alle Defizite in der Handhabung mit Asservaten aufzuzeigen und Gegenmaßnahmen umzusetzen".

Polizei Frankfurt vermisst mehr als hundert Waffen – Opposition übt scharfe Kritik

Mit scharfer Kritik am hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) meldete sich gestern Günter Rudolph, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Günter Rudolph, zu Wort. Wie in einem Polizeipräsidium mehr als 100 Waffen samt Munition unterschlagen werden könnten, ohne dass dies auffalle, gehöre zu den drängenden Fragen, die Beuth beantworten müsse. Rudolph: "Es ist mehr als zehn Jahre her, dass der Fall eines anderen Polizeibeamten aufgeflogen ist, der sich in der Asservatenkammer des Frankfurter Polizeipräsidiums ungehindert mit Drogen für den eigenen Bedarf versorgen konnte. Schon damals kündigten die Verantwortlichen an, die Verwahrung von sichergestelltem Material missbrauchssicher zu organisieren. Geschehen ist zehn Jahre lang offenkundig nichts. Der Minister schuldet der Öffentlichkeit eine Erklärung." (Sylvia A. Menzdorf)

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