Musikschule Frankfurt

Popmusik auf dem Akkordeon

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Fernöstliche Balladen aus dem Reich der Mitte waren beim zweitägigen Akkordeonworkshop in der Musikschule Frankfurt ebenso dabei wie anspruchsvolle „Spanische Tänze“. Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland.

Dass die im Rahmen eines Akkordeons befestigten durchschlagenden Zungen auf die alte chinesische Mundorgel „Sheng“ zurückgehen, wissen vor allem die Fachexperten. Dabei geben gerade diese Metallstäbe dem Instrument mit Tastatur und Blasebalg seinen vielseitigen nahezu universell einsetzbaren Klang – so universell, dass die 45 Teilnehmer des 15. Akkordeonworkshops in der Musikschule Frankfurt die Legende des altchinesischen Herrschers Yao mit fernöstlicher Leichtigkeit dahinfließen ließen.

„Das ist aber nur ein Farbtupfer in unserem anspruchsvollen Programm, denn wir wollen vor allem auch anspruchsvolle Orchesterliteratur bieten“, mahnte Herbert Nolte, Dozent für Akkordeon an der Musikschule Düren. Denn wie immer präsentierten die Akkordeonspieler aus allen Teilen des Landes gestern Nachmittag ein buntes einstündiges Potpourri, das die Zuhörer auch durch schwierige und komplexe Stücke wie der „Charconne“ und den „Spanischen Tänzen II und III“ von Hans-Josef Wedig faszinierte. Dazu erklang das „Instant Concert“ von Harold Lawrence Walters mit 33 Zitaten beliebter Stücke wie „Oh when the Saints“, „Jingle Bells“ oder „Down by the Riverside“.

„Mit Herrn Nolte als neuem Dozenten und vielen mir noch unbekannten Teilnehmern hatten wir wieder ein sehr erlebnisreiches Wochenende, bei dem wir neue Melodien und Spieltechniken lernten“, freut sich Marion Röder (61) vom Akkordeonverein Weyer. Dass die unermüdliche Musikerin und Vereinsvorsitzende für ihr 50-jähriges Engagement mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet wurde, möchte sie nur am Rand erwähnt wissen. Zumal der Akkordeonworkshop seit einigen Jahren wieder viele junge Spieler anzieht, die sich weiterentwickeln wollen. Denn man braucht mindestens zehn Jahre, um dieses Instrument wirklich gut zu beherrschen – auch wenn man einfache Melodien schon nach wenigen Tagen spielen kann.

„Man spürt die langjährige Erfahrung des Dozenten Nolte, der sehr viele Details zu den einzelnen Stücken erklären und auch viel von früheren Konzertreisen erzählen kann“, berichtet die Organisatorin des Workshops, Beate Rettig-Horch. Dazu gehört die besondere Anekdote, die Nolte mit der „Legend of Yao“ verbindet: „Dieses Stück widmete man mir zum 60. Geburtstag bei einem Konzert in Rio de Janeiro, um mich zu einer Chinareise zu ermutigen.“ Die trat er dann auch an und hörte die Legende in ihrer volkstümlichen Weise, wie sie viele Straßenmusikanten in den Städten spielen. „Die einfache auf fünf Tönen beruhende ostasiatische Melodie geht ins Ohr, die Umstellung von chinesischen Seiteninstrumenten auf das Akkordeon ist dann nicht so schwer.

Ganz andere Erfahrungen machen die Spieler hingegen bei der „Charconne“, die von Carsten Peters extra für Akkordenorchester bearbeitet wurde. „Hier liegt der Reiz vor allem darin, den Blasebalg richtig zur Erzeugung spezieller Klangeffekte einzusetzen“, erläutert der zweite Dozent Tobias Dahlhof. Denn der Blasebalg, der für den Luftstrom auseinandergezogen wird und dem Akkordeon daher den älteren Namen „Ziehharmonika“ gab, sei weit mehr als nur eine „Luftpumpe“, wie Dahlhof augenzwinkernd betont: „Schließlich werden durch den Luftstrom die Töne erst richtig geformt.“

Dieses Jahr konzentrierte sich Dahlhof mehr auf die unterhaltsamen Stücke und überließ seinem Kollegen Nolte die anspruchsvolle Literatur. Doch zum Workshop gehört auch das Ausprobieren ganz neuer Stücke etwa aus der Popmusik, die nicht dem breiten Publikum dargeboten werden. Doch für die Spieler sind sie eine Bereicherung, da sie so ihr Repertoire erweitern können.

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