Edle Uhren sind auch eine gute Geldanlage

Der Porsche am Handgelenk

  • Andreas Haupt
    vonAndreas Haupt
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Hochwertige mechanische Uhren begeistern mit ihrem Design und ausgefeilter Technik. Weil Plagiate inzwischen auch ins dieser Branche ein Problem sind, legt die Uhren- und Schmuckmesse großen Wert auf das Vertrauen zwischen Händler und Käufer.

Im Vergleich zu manchen großen, mit kleinen Diamantsplittern besetzten oder aufwendig ausgestatteten Uhren, die an diesem Tag in der Klassikstadt zu sehen sind, ist jene am Handgelenk vom Ines Balija fast unscheinbar. Und doch ist sie eines der erlesensten Stücke bei der zehnten Uhren- und Schmuckmesse, die sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten und Partner, Samuel Kahn, seit fünf Jahren veranstaltet – und mit einem Preis von mehr als 37 000 Euro auch eine der teuersten.

Aussteller handverlesen

Mit rund 60 Ausstellern ist die Messe eine der kleineren ihrer Art, aber auch eine der feineren. Denn Balija und Kahn achten sehr auf Qualität: Der Kreis der Aussteller aus ganz Deutschland ist quasi handverlesen. „Anfangs hatten wir noch ein paar mehr Stände. Aber inzwischen wissen wir sehr genau, wen wir uns als Aussteller wünschen“, sagt Samuel Kahn. Er kennt sie alle persönlich, handelt er doch selbst seit Jahren mit exklusiven Armbanduhren und Schmuck.

Joram Scherer etwa stellt Kahn als „Crème de la Crème“ der Uhrenkenner vor. Zusammen mit Thomas Bachmann ist er seit 1991 über München hinaus als „Bachmann und Scher“ bekannt. Das faszinierende an Uhren sei, so der 48-Jährige, dass man mit ihnen tolles Design und ausgefeilte Technik am Handgelenk trage. „Sein Auto kann man nicht am Handgelenk tragen.“ Eine Rolex etwa, eine Uhr der wohl dominanten Marke unter Sammlern, sei wie ein Porsche 911. „Das ist vielleicht aus Sicht einiger Leute ein Angeber-Auto. Aber er hat eine hohe Wertstabilität, ist eine gute Geldanlage. Er funktioniert einwandfrei und sieht gut aus.“

Eine edle Uhr zeige auch den guten Geschmack ihres Trägers, sagt Scher. „Die Faszination liegt in der feinen Mechanik.“ Ein amerikanischer Sammler habe das einst schön erklärt. „Er sagte, Briefmarken oder Münzen seien tot. Sie hätten zwar ein Gesicht, aber Uhren seien in Bewegung, hätten eine Seele. Quarzgesteuerte Uhren, ergänzt André Schmitz von der noch jungen Uhren-Internetplattform Chronext, dem Sponsor der Messe, seien in der Szene verpönt – außer bei Damenuhren, weil diese oft kleiner seien.

Doch nicht alle Uhren finden ihre Käufer. So versucht der Uhrmacher, Händler und Sammler Michael Irlbach aus Seeligenstadt vergeblich, seinem Uhrmacherkollegen Jan Augustiniak eine Uhr aus den früher 70er Jahren zu verkaufen. „Das Gehäuse ist golden, ebenso das Ziffernblatt und die Zeiger. Damals war das beliebt, heute hingegen werde ich so etwas nicht mehr los“, gesteht Irlbach offen. Augustiniak, der an seinem Stand auch Uhren untersucht und an diesem Tag in der Klassikstadt quasi als Qualitätsprüfer und Gutachter fungiert, nickt. „Ich habe sicher selbst noch einige dieser Uhren daheim“, erklärt er sein fehlendes Interesse an einem Kauf.

Für eine exklusive Veranstaltung wie die Uhren- und Schmuckbörse sei ein Uhrmacher, der im Zweifel auch mal in das Innere eines feilgebotenen Chronografen schauen kann, sehr wichtig, sagt Irlbach. „Inzwischen gibt es Plagiate, die recht gut gemacht sind.“ Man müsse genau hinschauen, um sie zu erkennen.

Uhren als eigener Kosmos

Auch der abgeschaffte Meisterzwang für Uhrmacher mache der Branche zu schaffen, sagt Irlbach. Dabei sei es fast unmöglich, sich das nötige Basis- und Fachwissen selbst beizubringen – das gehe nur in einer fundierten Ausbildung. „Mechanische Uhren sind ein eigener Kosmos. Ganz anders etwa als andere Gebiete der Feinmechanik.“

Für die Sammler sei wichtig, Vertrauen zu ihrem Händler zu haben, sagt Kahn. Ein Vertrauen, das er mit seiner Messe in der Klassikstadt bedienen möchte. „Für den Käufer ist wichtig zu wissen, dass er nicht über den Tisch gezogen wird.“

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