Goldige Kunst aus Porzellan: Mario Effenberger, künstlerischer Leiter der Manufaktur, zeigt Exponate. FOTO: maik reuss
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Goldige Kunst aus Porzellan: Mario Effenberger, künstlerischer Leiter der Manufaktur, zeigt Exponate.

Frankfurter Geschäftsleben

Porzellan entstaubt - aber Tradition gewahrt

  • VonAlexandra Flieth
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Ausstellung zeigt neue Wege der Manufaktur zwischen Höchst und Taiwan

Das Jahr 2021 steht in vielen asiatischen Ländern ganz im Zeichen des Ochsens, der dort ein Symbol für Wohlstand, Glück und eine gute Ernte ist. Es ist auch das Jahr, in dem die Höchster Porzellan-Manufaktur ihr 275-jähriges Bestehen feiert. Gegründet 1746, ist sie nach der Porzellanmanufaktur Meissen die zweitälteste in Deutschland. Seitdem der taiwanesischen Investor Evan Chung die Geschäfte des Hauses vor gut drei Jahren übernommen hat, ging für die traditionsreiche Höchster Manufaktur auch eine Tür hin zum asiatischen Markt auf. In zahlreichen Objekten des Hauses, die seitdem am Standort in der Palleskestraße 32 entstanden sind und entstehen, kommt diese Verbindung zum Ausdruck.

"Tradition trifft auf Moderne" lautet der Gedanke hinter dem neuen Konzept, durch das die Fertigung von Porzellan auf höchstem Niveau weiter fortgeführt und zudem in den Kontext von Kunst gestellt wird. Der Ochse aus Höchster Porzellan in der zum Jubiläum neu ausgerichteten Ausstellung im Verkaufsraum des Unternehmens ist ein Beispiel.

Der Ochse kommt in vielen Arten daher

Der "Golden Ox", wie die limitierte Jubiläumsserie benannt ist, visualisiert die Neuausrichtung - ganz schlicht aus weißem Porzellan kommt er daher, mal mit einer goldenen, mal mit einer purpurnen Bemalung oder in zarten Farben gestaltet, die an eine Landschaft erinnern. Je nach Farbgestaltung verweisen die unterschiedlichen Exemplare auf Frankfurts Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, auf dessen Figur Mephisto aus seinem Werk Faust, des Schriftstellers Reisen oder Theorien wie dem Farbkreis und eben auf die Symbolik des Ochsens im asiatischen Raum.

Objekte bleiben schlicht und elegant

Gerade auf dem asiatischen Markt sei es wichtig, ein Objekt auch mit einer Geschichte zu verbinden, sagt Mario Effenberger, der künstlerische Leiter der Höchster Porzellan-Manufaktur. Gleich in fünf Shops in Taiwan wird das in Höchst gefertigte Porzellan mittlerweile verkauft und dort sehr gut angenommen, fügt er hinzu.

Der Rundgang durch die Ausstellung am Manufakturstandort macht sichtbar, dass mit der Neuausrichtung altes sprichwörtlich "entstaubt" worden ist, ohne die Tradition des Hauses als solches zu verneinen. Dass, was Porzellan ausmacht, der weiße Farbton in seiner Schlichtheit und Eleganz, dominiert die Objekte der verschiedenen Serien. Farbe wie Purpur oder Kobalt-Blau, die eine Brücke zum althergebrachten schlagen, kommen nur noch dezent zum Einsatz. Etwa bei der Figurengruppe "Sultan und Sultanine", im 18. Jahrhundert vom früheren Modellmeisters der Höchster Porzellan Manufaktur, Johann Peter Melchior, entworfen. Das Mainzer Rad, das stilisiert seit jeher als Marke des Porzellans fungiert und früher, wie Effenberger erzählt, von Hand am Boden des Objekts aufgemalt wurde, wird etwa ganz in Blau gehalten auf manchem Geschirr zum Dekor erhoben. Die Porzellanmarke des Rades ziert auch ein ungewöhnliches Porzellanobjekt - eine goldene Schneeeule. Mit einer Höhe von 50 Zentimetern ist es eine bildhauerische Arbeit, die von Mario Effenberger entworfen wurde. Veredelt wurde die tierische Plastik durch eine 24-karätige Goldauflage und ist limitiert auf 20 Exemplare. Effenberger entwickelt viele Ideen für neue Objekte für die Kollektion der Höchster Manufaktur. Auch Klassiker wie Figurengruppen oder Geschirr mit traditionellen Dekoren bleiben im Angebot.

Wichtig ist die Zusammenarbeit mit Künstlern, zu denen Ottmar Hörl, Veit Streitenberger, Steffen Taubhorn, Felicithas Arndt oder die Unterliederbacherin Christiane Riemann gehören. Die Objekte und Geschirre der Höchster Porzellan-Manufaktur sind für Sammler und für Menschen, die großen Wert auf eine gehobene Tischkultur legen. Alles in Handarbeit und teils in Kleinstserien gefertigt. Und dies hat daher auch seinen Preis. Das Einsteiger-Modell des Ochsens in Gold aus der Jubiläumsedition kostet 2 000 Euro. Je nach Auflagengröße und nach Arbeitsaufwand sind bei den Kunstwerken aus Porzellan nach oben hin keine Grenzen gesetzt. Es sei eine bewusste Entscheidung für das hohe Preissegment, sagt Effenberger. Alexandra Flieth

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