Die Post geht, die Post kommt

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Nach fast sieben Jahren schließt die Postagentur in der Triebstraße Ende März – doch die Post verschwindet nicht aus dem Enkheimer Ortskern. Günther Kraus eröffnet auf der anderen Straßenseite die neue Postagentur in seinem Schreibwarengeschäft.

Der Abschied von ihrer Postagentur in der Triebstraße 34 fällt Gabriele Sauer (51) schwer. „Schließlich ist das mein Baby. Es war die erste meiner zurzeit drei Postagenturen.“ Im April 2008 eröffnete die frühere Postangestellte ihr Lädchen, in dem sie auch Schreibwaren, Grußkarten und Geschenkartikel anbietet. Doch sie will beruflich kürzer treten, sich auf ihre Post-Agenturen in Fechenheim und Offenbach konzentrieren. „Und dann ist da noch mein Enkel, mit dem ich mehr Zeit verbringen will.“

Deshalb schließt Sauer ihre Post-Agentur zum 31. März. Verschwinden wird die Post aus dem Stadtteil damit aber nicht. Denn nur einen Tag später, am 1. April, eröffnet auf der anderen Straßenseite die neue Postagentur – beim Schreibwarenhändler Günther Kraus (64).

Schon vor sieben Jahren, als die Post ihre Filiale in der Triebstraße privatisierte, also zur Post-Agentur machte, habe das Unternehmen bei ihm angefragt, sagt Günther Kraus, der gestern seine Schulung zum künftigen Postagentur-Betreiber begann. Damals lehnte er aber ab, weil er die Agentur nur mit einem Partner führen wollte.

„Heute ist die Situation anderes. Wenn die Post aus der Triebstraße verschwände, wäre alles, wofür ich in den vergangenen Jahren gekämpft habe, zunichte gemacht“, sagt Kraus. Viele Jahre bemühte er sich darum, den einst blühenden Einzelhandel in der Triebstraße zu retten. Heute ist er neben dem Blumenladen in der Triebstraße 20 und dem Tegut-Markt in der Barbarossastraße der einzige klassische Einzelhändler. „Verschwindet die Post, wird es auch für mich schwerer.“

Eine Bedingung sei gewesen, dass er die Post-Agentur nicht in ihren bisherigen Räumen weiter führt, sondern in sein eigenes Geschäft integriert, sagt Kraus. „So spare ich die Miete. Nur auf diese Weise rentiert es sich für mich.“ Dazu werde er sein Sortiment verkleinern, werde nicht so oft nachgefragte Artikel aus dem Sortiment verbannen – etwa solche, „die die Leute heute im Internet kaufen und sich bei mir nur dazu beraten lassen“.

Die Postagentur von Günther Kraus wird dabei die selben Dienstleistungen anbieten wie die bisherige Postagentur von Gabriele Sauer. „Das betrifft auch alle DHL- und Postbank-Leistungen, die Frau Sauer angeboten hat.“ Auch eine der drei Mitarbeiterinnen von Sauer, Birgit Zeckey, wird Krause übernehmen. Eine zweite Mitarbeiterin wechselt in Sauers Fechenheimer Post-Agentur, die dritte hat bereits eine andere Stelle gefunden.

Zusätzliches Personal braucht Kraus, weil er sein bisheriges Geschäft und die Postagentur im Laden separat halten möchte. „Beide haben eigene Kassen.“ Damit sich nirgendwo Schlagen bilden, will er jeweils zwei Mitarbeiter einsetzen. „Jeder Mitarbeiter muss alles beherrschen. Wird der Andrang groß, kann jeder an der anderen Theke aushelfen.“ Neben Günther Kraus arbeiten im Schreibwarenladen noch seine Frau und sein Sohn sowie zwei weitere Mitarbeiter. „Wir werden alle nach und nach von der Post umfassend geschult.“ Gleichwohl sei es gut, mit Zeckey eine erfahrene Postagentur-Mitarbeiterin im Team zu haben.

Für Gabriele Sauer waren auch finanzielle Gründe maßgeblich, ihre Postagentur in der Triebstraße zu schließen. „Alles wird teurer: Versicherungen, Strom, Lohnnebenkosten, das Personal. Aber die Margen steigen nicht.“ Künftig können sie in Fechenheim, wo sie lebt, öfter selbst hinterm Schalter stehen – das spare Personalkosten.

Gleichzeitig betont Sauer, dass Kraus in der Triebstraße „keine schlechte Filiale“ übernehme. „Der Laden war nie leer. Im Gegenteil: Manchmal hätte ich meinen Mitarbeiterinnen mehr Pausen gewünscht.“ Mit der Postagentur hat Kraus sein Angebot ausgeweitet. Außer Zeitschriften und Schreibwaren gehören zum Geschäft heute eine Lotto-Annahmestelle, der Verkauf von Druckertinte, Fotoarbeiten bis hin zu Passbildern, Kaffee der Rösterei Wacker oder Bergen-Enkheim-Geschenkartikel. Trotz seines Alters denkt Kraus noch nicht ans Aufhören. „Der Kontakt zu den Kunden macht mir immer noch Spaß.“ Bis er 70 sei, mache er weiter – und wolle dann den Laden an seinen Sohn übergeben.

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