Am Montag geht in Hessen die Schule wieder los. Die Schulen in Frankfurt bereiten sich auf das nächste Schuljahr unter Corona-Bedingungen vor.
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Am Montag geht in Hessen die Schule wieder los. Die Schulen in Frankfurt bereiten sich auf das nächste Schuljahr unter Corona-Bedingungen vor.

Corona in Frankfurt

Schulen in Frankfurt starten im Präsenzunterricht – mit strengen Regeln

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Der Rahmen für den Schulstart am Montag ist gesetzt. Direktoren und Lehrkräfte in Frankfurt bereiten den Betrieb unter Corona-Bedingungen vor – mit einem Höchstmaß an Sicherheit.

Frankfurt ‒ Ein normaler, voller Stundenplan. Mittagessen in der Mensa. AG‘s und Förderkurse am Nachmittag. „Wir planen einen vollen Schulbetrieb mit allem, was dazu gehört, aber mit einem Höchstmaß an Sicherheit“, sagt Michael Haas. Gemeinsam mit seinem Kollegium bereitet der Leiter des Gymnasiums Nord in Frankfurt-Westhausen derzeit das neue Schuljahr vor - wie wohl die meisten Schulleiter der Stadt. Denn nach sechs Wochen Ferien geht am Montag (30.08.2021) in Hessen die Schule wieder los.

Jüngst hat Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) die ersten beiden Unterrichtswochen nach den Sommerferien als sogenannte Präventionswochen ausgerufen. In dieser Zeit werden alle Schüler und Lehrer dreimal und nicht nur zweimal pro Woche getestet. Zudem muss unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz auch am Sitzplatz eine medizinische Maske getragen werden. Lorz kündigte an, dass es zu keinen erneuten Schulschließungen kommen werde.

Corona in Frankfurt: Schulen bereiten sich auch auf Distanzunterricht vor

Das Gymnasium Nord in Westhausen bereitet sich dennoch auf „alle Eventualitäten“ vor, wie der Schulleiter sagt. Man könne jederzeit auf Plan B oder C zurückgreifen, sprich: die Schüler in den Wechsel- oder Distanzunterricht schicken. „Wir wissen ja nicht, was noch passiert“, sagt Haas. Er weist darauf hin, dass es immer in Einzelfällen passieren könne, dass Kinder oder Gruppen in Quarantäne müssen und nicht in der Schule unterrichtet werden können.

Deshalb bekommen die neuen Fünftklässler einen IT-Paten an die Seite gestellt. Die Aufgabe übernehmen Lehrer. Sie machen die neuen Gymnasiasten mit dem digitalen Schulportal vertraut, zeigen ihnen, wie man mit E-Mails arbeitet. Neu ist außerdem, dass die fünften Klassen eine Extra-Deutschstunde bekommen, um versäumten Lernstoff des vergangenen Schuljahres aufzuholen. Deshalb wurde auch die Zahl der Förderkurse fast verdoppelt.

„Jetzt wollen wir unseren Schülern aber erst einmal so viel Normalität wie möglich bieten“, sagt Michael Haas. „Dabei steht Schutz der Kinder und Jugendlichen immer an oberster Stelle.“ Konkret bedeutet das: Auf dem Schulgelände müssen Masken getragen werden. Lüften und Hände waschen bleiben an der Tagesordnung. Die Schüler müssen sich an vorgegeben Laufrichtungen in den Fluren halten. Gegessen wird im Klassenverband. Und wer zur Toilette muss, muss einen Magneten mitnehmen, diesen an die Tür heften, um zu signalisieren: Hier ist besetzt.

Schulstart in Frankfurt unter Corona-Bedingungen: Einschulungen im Schichtbetrieb

Auch für die Einschulung der Fünftklässler gelten Regeln: Die Feiern finden im Klassenverband im Schichtbetrieb am Montag und Dienstag (30. & 31.08.2021) statt. Wer dabei sein möchte, muss angemeldet und getestet sein. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Ähnlich gehen auch andere Frankfurter Schulen vor. An der Walter-Kolb-Schule, einer Grund-, Haupt- und Realschule in Unterliederbach, etwa wird es insgesamt sieben Einschulungsfeiern geben. Jeweils in kleinen Gruppen in der großen Turnhalle. „Auf Auftritte von anderen Jahrgängen müssen wir aber verzichten“, sagt Schulleiterin Sabine Fischer. Stattdessen würden Videos auf einer Leinwand gezeigt.

Corona in Frankfurt: Kinder brauchen normalen Schulalltag

Auf das neue Schuljahr blickt Fischer mit gemischten Gefühlen. „Natürlich freuen wir uns, dass die Schule jetzt mit Präsenzunterricht startet, wir sind aber gespannt, wie lange das so bleibt“, sagt Fischer. Für sie aber ist klar: „Die Kinder brauchen einen normalen Schulalltag.“

Da würde Tamara Neckermann, Leiterin der Textorschule nicht widersprechen. Derzeit laufen in der Sachsenhäuser Grundschule noch die letzten Vorbereitungen für den Schulstart. Die Klassenräume werden grundgereinigt und von den Lehrern hergerichtet. Und natürlich wird auch noch am Stundenplan getüftelt. Das neue Schuljahr soll ganz im Zeichen des Aufholens stehen - aber nicht nur von Lernstoff.

„Wir haben zusätzliche Unterstützung für teilweise Doppelbesetzungen und Förderungen im kulturellen, sozialen und musisch-kreativen Bereich vorgesehen, weil viele gewinnbringende und persönlichkeitsstärkende Projekte im zurückliegenden Schuljahr nicht durchgeführt werden konnten.“ Ermöglicht wird das durch das finanzielle Förderprogramm „Löwenstark“ der hessischen Landesregierung. „Neben der Schließung der Lücken im kognitiven Bereich möchten wir auch die sozial-emotionalen Aspekte, die eine Zuwendung in Kleingruppen ermöglichen, realisieren“, so Neckermann.

Corona-Pandemie: Schulen in Frankfurt fördern Sozialkompetenz

In der Integrierten Gesamtschule (IGS) Süd in Sachsenhausen setzt man ebenfalls auf die Stärkung der Sozialkompetenzen der Schüler. „Vor den Ferien haben wir festgestellt, dass es unseren Schülern nicht an Fachwissen, sondern an Sozialkompetenz fehlt“, sagt Schulleiter Uwe Gehrmann. Deshalb startet die IGS am Montag auch so wie vor der Corona-Pandemie: Die Schüler beginnen alle gleichzeitig den Tag und nicht mehr zeitversetzt. Auch die Pausen werden wieder gemeinsam verbracht. „Wir müssen wieder dahin kommen, dass die Kinder miteinander lernen und zusammen Zeit verbringen“, sagt Gehrmann.

Ansonsten bleibt die Schule bei ihrem Prinzip, nicht über das hinauszudenken, was die Politik vorgibt. „Jede weitere Planung kostet viel Energie und landet dann doch wieder im Papierkorb“, sagt Gehrmann. In der Schule vertraut man lieber darauf, dass die Vorgaben des Landes schnell umgesetzt werden können. Man sei ja jetzt geübt darin. „Wir müssen unsere Energie lieber darin investieren, dass die Kinder wieder zufrieden sind“, sagt Gehrmann. „Dafür müssen wir uns Zeit nehmen.“ (Julia Lorenz)

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