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Straßenkunst

Praunheim: Grauer Beton wird zum Kunstobjekt

  • vonAlexandra Flieth
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Jugendliche sprayen unter Anleitung bunte Graffiti in Unterführung.

"Westside 488" ist in großen Buchstaben auf die Wand der Unterführung in der Kollwitzstraße geschrieben. Es ist der Name des gleichnamigen Jugendhauses in der Heinrich-Lübcke-Straße 7 - einem Kooperationsprojekt zwischen dem Jugendclub Praunheim des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit und dem Jugendhaus "Alte Bäckerei", deren Träger "Saz-Rock - Verein für interkulturelle Jugendarbeit" ist. Der großformatige Schriftzug, in Weiß und Schwarz gesprayt, schmückt seit kurzem die Wand der Unterführung. Gestaltet wurde das gesprayte Bild von Jugendlichen aus der Heinrich-Lübcke-Siedlung und der Siedlung Westhausen, die an einem zweitägigen Graffiti-Workshop teilnehmen.

Tipps vom Graffiti-Künstler

Organisiert wird das Herbstferien-Angebot vom Caritas-Quartiersmanagement im Programm "Aktive Nachbarschaft" in der Heinrich-Lübcke-Siedlung, in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus "Westside 488", dem Jugendclub Praunheim und dem Jugendhaus "Alte Bäckerei". Geleitet wird der Workshop von Graffiti-Künstler Philipp Wegener. Er gibt den Mädchen und Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren Tipps bei der Umsetzung ihrer grafischen Ideen als Graffito.

Es gibt genug Platz auf dem Bürgersteig, um in Corona-Zeiten ausreichend Abstand zueinander zu halten. Die Gesamtfläche der Wand ist mit einer Breite von rund 40 Metern groß genug, um auf die Einhaltung der Hygieneregeln zu achten. Und beim Sprayen trägt sowieso jeder eine Maske. Zur Straße hin ist der Bürgersteig, auf der noch eine Spur für Fahrradfahrer markiert ist, jedoch schmal. Wer einen Schritt zurückgehen möchte, um sich die Entwicklung des Werks anzuschauen, der muss sich zuvor umschauen, ob Fahrradfahrer kommen. Und es ist laut. Autos fahren in beiden Richtungen auf der Kollwitzstraße entlang, die die Heinrich-Lübcke-Siedlung mit der Siedlung Westhausen verbindet.

Für das Projekt hat das Quartiersmanagement zuvor eine Genehmigung des für die Unterführung zuständigen Amts für Straßenbau und Erschließung eingeholt. "Wir dürfen sogar beide Seiten der Unterführung mit Graffiti kreativ gestalten", sagt Caritas-Quartiersmanager Malte Stieber. Dies sei aufgrund der Größe der Fläche an zwei Tagen aber nicht zu schaffen. "Wir überlegen, ob wir demnächst noch einen zweiten Workshop anbieten sollen.".

Geschätzt rund 200 Quadratmeter Fläche sind dieses Mal zu füllen. Die Mädchen und Jungen hatten zuvor bereits Ideen als Skizzen erarbeitet. Dass der Schriftzug "Westside 488" auf dem mittleren Teil der Wand seinen Platz bekommen sollte, auch das haben die Jugendlichen zuvor festgelegt. Eingerahmt wird dieser durch kleinere gesprayte Bildmotive wie ein Auge, in dem sich ein Dollarzeichen spiegelt. Alles ist freihändig ohne Schablonen gesprayt. "Jeder Teilnehmer kann sich einbringen und kreativ umsetzen, was er wichtig findet", sagt Stieber.

Jungs und Mädchen finden Sprayen "cool"

Hinter dem Angebot steckt der Gedanke, die Jugendlichen in die Gestaltung ihres Viertels aktiv mit einzubinden und darüber Identifikation zu schaffen. Schließlich ist der Weg entlang der Kollwitzstraße und unter der Unterführung hindurch der tägliche Schulweg für viele Kinder und Jugendliche aus beiden Siedlungen. Wer mitmachen möchte, der kommt einfach vorbei. Es zeigt sich, dass das Interesse bei Mädchen und Jungen gleichermaßen groß ist.

Louis (14) findet das Angebot einfach nur cool und wünscht sich, dass es mehr solcher legalen Spray-Angebote gibt. Philipp Wegener zeigt ihm ein paar Kniffe, mit denen der Jugendliche seinen Namensschriftzug noch plastischer herausarbeiten kann. Dafür nimmt er die Spraydose mit schwarzer Farbe in die Hand und setzt damit um die Buchstaben herum Rahmen, die Louis noch mit Schwarz ausfüllen muss. "Mir ist es wichtig, dass die Jugendlichen ihre eigenen Ideen umsetzen, ohne dass ich ihnen etwas vorgebe", betont Wegener. "Ihr Viertel, ihre Ideen." alf

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