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Ansgar Wucherpfennig eröffnete das Semester mit einem Gottesdienst. Derzeit muss der Leiter der Hochschule St. Georgen um sein Amt fürchten.

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Predigen darf Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig noch

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Bundesweit ist der Rektor der kleinen philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen Gesprächsthema geworden – weil Rom ihn nicht mehr in diesem Amt sehen will. Das neue Semester in Sankt Georgen hat gestern mit einem Gottesdienst begonnen.

Wird Pater Ansgar Wucherpfennig wieder Rektor in Sankt Georgen werden? Diese Frage ist auch zu Beginn des Wintersemesters offen. „Ich danke Ihnen allen für Ihre Solidarität“, sagte der Theologieprofessor und Jesuitenpater beim Eröffnungsgottesdienst des neuen Semesters. Am Rande des Gottesdienstes kündigte er der FNP gegenüber an: „Ich werde nichts zurückziehen von dem, was ich gesagt habe. Wenn das Rektorenamt der Preis ist, werde ich den Preis zahlen.“ Er stehe zu seinen Positionen.

Die kleine Kapelle auf dem Campus war mit schätzungsweise 300 Besuchern prall gefüllt. Darunter war auch Daniela Marschall-Kehrel, die Vorsitzende der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken. „Dass Pater Wucherpfennig hier wieder Rektor werden kann, ist nicht nur für Sankt Georgen wichtig, sondern für alle Pfarreien in Frankfurt und darüber hinaus“, sagte sie. „Die Kirche kämpft im Missbrauchsskandal um ihre Glaubwürdigkeit.“ Den Skandal um Wucherpfennig könne sie sich nicht leisten: „Wir verlieren zu viele Gläubige.“

Wie in der Vorwoche bekannt wurde, hat die Glaubenskongregation in Rom Wucherpfennig nicht die Unbedenklichkeitserklärung („nihil obstat“) zugestanden, die Voraussetzung für das Rektorenamt der Hochschule ist. Obgleich alle untergeordneten Gremien – der Jesuitenorden, der Bischof von Limburg – dies getan hatten. Grund ist ein Interview, das Wucherpfennig bereits vor zwei Jahren der FNP gegeben hat und in dem er die Verurteilung der Homosexualität durch die Kirche theologisch kritisiert. Wucherpfennig, der schon zuvor zweimal für je zwei Jahre Rektor war, also schon zweimal auch von Rom bestätigt wurde, wusste auch gestern noch nicht, was aus seiner dritten Amtszeit werden kann.

Die Predigt Wucherpfennigs im festlichen Gottesdienst drehte sich um die Missbrauchsstudie: „Unzählige Kinder wurden durch Priester verletzt. Die Wunden in der Seele schmerzen ein Leben lang. Viele suchen Gott jetzt anders. Denken wir an die harten Worte von Jesus: Eher sollte man sich ein Auge ausreißen, eine Hand abhacken, als damit Böses zu tun.“ Der Zorn richte sich auch gegen die Mächtigen in der Kirche, die das Unrecht geduldet, die Täter geschützt haben. Genau das hat die Missbrauchsstudie aufgezeigt. Über sich selbst sagte Wucherpfennig am Ende des Gottesdienstes ein paar Sätze: „Die vergangenen Wochen und Monate waren sehr deprimierend. Aber die Solidarität, die ich erfahren darf, gibt mir Kraft.“ Solidarität erfährt der Jesuitenpater viel. Der Limburger Bischof, der Jesuitenorden, die Professoren und Studenten in Sankt Georgen, die Stadt und ihre Politiker – alle stehen hinter ihm. Gestern hat sich auch der Caritasverband der Diözese Limburg für ihn ausgesprochen.

Für die Sorge mancher, dass die „Römer“, wenn sie nun schon mal seine Akte auf dem Tisch haben, ihm auch das Professorenamt entziehen könnten, sieht Wucherpfennig keinen Anlass. Da gebe es keine Signale.

Das Studentenleben auf dem kleinen Campus in Oberrad geht derweil seinen Gang. Vor der Mensa standen die Studenten gestern wieder in einer langen Schlange vor der Essensausgabe, ein paar Studenten saßen im Garten und genossen die herbstliche Sonne. „Hier ist alles hervorragend organisiert“, sagte der Philosophiestudent Manuel Will. „Ob Studienbüro, Studentenvertretung oder anderes, man kann immer kommen. Alles läuft rund.“ Dies sei sicher auf den langjährigen Rektor Ansgar Wucherpfennig zurückzuführen – und natürlich auch darauf, dass die Hochschule sehr klein ist. Doch Will ist sich mit den meisten seiner Kommilitonen einig: Wucherpfennig soll Rektor bleiben. Derzeit leitet Konrektor Thomas Meckel die Hochschule.

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