Larissa (links) und Zoe probieren im Preungesheimer Heimatmuseum eine alte Mangel aus.
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Larissa (links) und Zoe probieren im Preungesheimer Heimatmuseum eine alte Mangel aus.

Junge „Stadtteil-Piloten“sprechen mit Alteingesessenen

Preungesheim entdecken

  • Andreas Haupt
    vonAndreas Haupt
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Beim Stadtteil-Piloten-Projekt lernen Schüler Preungesheim kennen. Im ersten Workshop in diesem Jahr geht es um Geschichten der Bewohner und die Geschichte des Stadtteils.

Langsam dreht Zoe (12) an der kleinen Kurbel, während Larissa (11) das Handtuch festhält. Nach und nach bewegt sich dieses zwischen den beiden hölzernen Walzen der Mangel hindurch. „Das ist so etwas wie ein Bügeleisen“, sagt Larissa. Direkt daneben schauen sich Jackson und Niclas (beide 12) den alten, komplett aus rostigem Eisen bestehen Pflug an. „Den haben früher auch Hunde gezogen“, sagen die Jungs.

Für die Carlo-Mierendorff-Schule ist der Besuch im kleinen Museum ein Ausflug in die Geschichte ihres Stadtteils. „Es gab hier sogar mal ein Kino“, sagt Jackson – an der Homburger Landstraße. Anneliese Gad, die Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Preungesheim, zeigt den Besuchern ein altes Foto des Kinos.

Eine Woche lang beschäftigen sich die Kinder in einem Ferienworkshop mit ihrem Stadtteil und den Menschen, die hier leben. „Stadtteil-Piloten auf Spurensuche“ heißt das Projekt, der diesjährige Auftakt der Stadtteil-Piloten-Reihe. Bereits im Vorjahr veranstalteten die Carlo-Mierendorff-Schule (CMS), der Verein Kubi, der die Schulsozialarbeit an der CMS macht, und Quartiersmanagerin Angela Freiberg vom Frankfurter Programm „Aktive Nachbarschaft“ die Reihe.

Der Besuch des Museums ist nur eins von mehreren Treffen mit alteingesessenen Preungesheimern. Unter anderem ließen sich die Kinder von zwei Bewohnerinnen des Wohnprojekts „Preungesheimer Ameisen“ erklären, wieso sie mit vielen anderen Menschen in einer Gemeinschaft leben. Eine andere Gesprächspartnerin ist eine frühere Sekretärin der CMS.

„Beim Stadtteil-Piloten-Projekt sollen sich die Kinder mit der Umgebung ihrer Schule beschäftigen, ihren Stadtteil besser kennen und schätzen lernen“, sagt Christine Winkler von Kubi. Entstanden ist das Projekt aus einem Runden Tisch heraus, zu dem die damalige Schulleiterin der CMS, Mechthild Wagenhoff, eingeladen hatte. Immer wieder war es an der Schule zu Schäden gekommen, bis hin zu einem Brand in dem Sommerferien 2014. Wer den Stadtteil besser kennt, macht auch weniger kaputt, so Freibergs Idee, als sie die Stadtteil-Piloten kreierte.

Es gehe aber auch darum, Grenzen zu überwinden, die es etwa zwischen dem Neubaugebiet Frankfurter Bogen und der benachbarten Karl-Kirchner-Siedlung, gebe, sagt Winkler. Die CMS liegt genau zwischen beiden Quartieren.

Im Museum blättert Zoe in einem großen Heft. „Das ist unser Skizzenblock“, erklärt sie. Meron (12) zeigt ein Bild mit einer Rikscha. „Ein Mann, den wir besucht haben, interessiert sich für China. Er hat von den Rikschas erzählt, mit denen die Chinesen früher fuhren.“ Statt das in dieser Woche Erlebte aufzuschreiben, malen die Schüler zu jedem Gespräch ein Portrait des Interviewten, erklärt der Künstler Lukas Sünder (26). „Aber ohne die Person selbst zu zeigen“, fügt Marissa hinzu.

Stattdessen verarbeiteten sie die Vorlieben der Menschen, etwa ihre Lieblingsfarbe, Lieblingstiere und was sie sonst über sich und ihren Stadtteil erzählen, erklärt Sünder. „So entstehen Bildwelten, in denen sich die Portraitierten wiederfinden.“ Als nächstes malt jeder ein großes Bild auf Holz, zwei Meter mal 60 Zentimeter groß. „Die Bilder setzen wir dann zusammen.“

Die Beschäftigung der Schüler mit Kunst, dem Stadtteil und seiner Geschichte ziehe sich durch das ganze Stadtteil-Piloten-Projekt, sagt Winkler. „Es gab einen Architektur-Workshop, wir haben einen Girlie-Stadtplan für Mädchen entworfen, zwei Mal haben wir einen Halloween-Parcours gebaut, einen Film- und einen Radio-Workshop veranstaltet.“ Die Bilder aus dem jetzigen Workshop werden auch öffentlich zu sehen sein, wo und wann steht aber noch nicht fest.

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