Anneliese Gad (links) und Angela Freiberg stehen im Museum an der Kreuzkirche und hoffen, dass viele Preungesheimer mitmachen.
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Anneliese Gad (links) und Angela Freiberg stehen im Museum an der Kreuzkirche und hoffen, dass viele Preungesheimer mitmachen.

„Interkulturelle Geschichtenwerkstätten“

Die Preungesheimer Historie neu erkunden

  • vonThorben Pehlemann
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Ausgraben, erforschen, erzählen: Der Kultur- und Geschichtsverein und das Quartiersmanagement Preungesheim wollen mit Bewohnern die Geschichte des Stadtteils erkunden. Das Projekt bietet dafür Geschichtenwerkstätten, ein Erzählcafé und vieles mehr.

Warum steht im Museum an der Kreuzkirche, Weinstraße 37, eine Miniatur-Nachbildung der berühmten Schlachten von Saratoga im US-Bundesstaat New York? Welches Interesse hat das Stadtteilmuseum am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg? Die Antwort lautet: Unter den Kämpfenden befanden sich damals auch Männer aus Preungesheim, deren Nachfahren eines Tages die Herkunft ihrer Väter erforschten – und zwar im Stadtteil selbst.

Es sind Geschichten wie diese, die im Gesicht von Anneliese Gad ein Leuchten entfachen. Aus dem Stegreif kann die Vorsitzende des Preungesheimer Kultur- und Geschichtsvereins ein kurzes Referat über die Historie des Stadtteils und seiner Bewohner halten, ganz egal um welche Epoche es sich handelt: Mittelalter, Konfessionskrieg, Kaiserreich oder Eingemeindung. Gad kennt Namen, Daten, Querverbindungen – aber bei weitem nicht die ganze Geschichte Preungesheims, die bis ins Jahr 772 reicht und daher unzählige ehemalige und aktuelle Bewohner betrifft.

Letztere sind eingeladen, sich von Gads Begeisterung anstecken zu lassen und in einem auf drei Jahre angelegten Projekt historische Leerstellen zu füllen: In den „Interkulturellen Preungesheimer Geschichtenwerkstätten“ sollen Bewohner – egal ob jung, alt, zugezogen oder hier geboren – in der Stadtteilgeschichte graben, forschen und erzählen, was sie darüber wissen. „Schreib das doch mal auf“ laute das Motto des Projekts, sagt Gad, um Geschichten zu sammeln, sie vor dem Vergessen zu schützen und so „nach und nach ein Bild des Stadtteils“ zusammenzusetzen.

Zu erkunden gibt es nach Gads Auffassung nämlich noch viel, etwa in der „Nachbarschaftlichen Geschichtengruppe“: Die Herkunft der eigenen Familie, die Entstehung von Siedlungen und Straßennamen, Schicksale von Betrieben, Geschäften, Tanzsälen, Kinos – „lauter Entwicklungen, die man über den Lauf der Jahrzehnte nachverfolgen kann“, sagt die 68-Jährige. Als Grundlage für die Suche wird das Findbuch des Pfarrarchivs genutzt, das Informationen von 1576 bis heute enthält.

Angela Freiberg, Quartiersmanagerin des Frankfurter Programms Aktive Nachbarschaft, die das Projekt gemeinsam mit Gad ins Leben rief und organisiert, sieht in den Geschichtenwerkstätten „einen Aufruf an alle Preungesheimer, sich über persönliche Bezüge mit dem Stadtteil zu beschäftigen und sich so als

Teil der Gemeinschaft

zu fühlen“. Sie betont daher auch den interkulturellen Schwerpunkt, der sich mit Migrationsgeschichte auseinandersetzen soll: „Ein sehr aktuelles Thema, das es aber schon lange gibt“, sagt die 46-Jährige. Freiberg hofft deswegen, dass auch viele Menschen teilnehmen werden, die aus dem Ausland nach Preungesheim kamen oder deren Vorfahren im Quartier eine neue Heimat fanden.

Außer der Geschichtengruppe gehören auch ein Erzählcafé und halbjährlich wechselnde Aktionsangebote zum Projekt, das von der Diakonie Hessen und der Evangelischen Kirche Hessen/Nassau unter dem Titel „DRIN: Dabeisein, Räume entdecken, Initiativ werden, Nachbarschaft leben“ finanziert wird. Die Bewohnerbeiträge im Erzählcafé – persönliche und historische Geschichten – werden als Tondokumente aufgezeichnet und später im Stadtteilmuseum präsentiert. Die Aktionen umfassen eine Spielewerkstatt für Kinder, Museumsbesuche, Workshops im Siebdruck, Geschichtenerzählen, Schreiben und einiges mehr. Am Ende soll eine Ausstellung die Arbeitsergebnisse öffentlich sichtbar machen.

Die „Nachbarschaftliche Geschichtengruppe“ trifft sich ab heute wöchentlich donnerstags um 15 Uhr im alten Pfarrhaus, Weinstraße 27. Das Erzählcafé beginnt ab dem 9. März immer mittwochs um 10.30 Uhr im Gemeindehaus, Jaspertstraße 61. Weitere Infos gibt es unter preungesheim.de im Internet.

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