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Erasmus bezieht im Sommer einen neuen Campus im Ostend

Privatschule lehrt drei Sprachen auf einmal

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Mit bislang nur neun Schülern ist das private Erasmus-Gymnasium noch eine Mini-Schule. Aber sie stellt hohe Ansprüche und hat große Pläne.

In den nächsten Monaten laufen die Fäden zusammen: Die Baustelle für den neuen Sitz der School of Finance an der Miquelallee soll fertig werden. In der Sommerpause will die private Hochschule von ihrem bisherigen Standort im Ostend dorthin umziehen. Sie muss sogar, denn das alte Haus hat schon einen neuen Besitzer: Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat die Immobilie an der Sonnemannstraße für seine private „Erasmus Frankfurter Stadtschule“ erworben. Sie plant am neuen, 6500 Quadratmeter großen Standort einen Campus, auf dem in einigen Jahren vom Erstklässler bis zum Abiturienten alle unter einem Dach lernen. Zum Start werden es rund 650 Kinder sein.

„Es wird nicht alles zum ersten Schultag fertig sein. Aber wir sind sicher, dass es mit dem Umzug gut klappen wird“, sagt Holger Beckmann (58), Leiter und Geschäftsführer des Erasmus-Gymnasiums. Diese weiterführende Privatschule unter dem Erasmus-Dach dürfte momentan Frankfurts kleinste Schule sein: Erst vor einem Jahr wurde es eröffnet, gerade mal neun Kinder lernen in der fünften Klasse, unterrichtet von ebenso vielen Lehrern. Das sei genau der richtige Einstieg, sagt Schulleiter Beckmann, um aus der Mini-Schule Großes werden zu lassen. Der aus Norddeutschland stammende Pädagoge ist sichtlich begeistert von seinem Auftrag, ein Gymnasium mit trilingualem Konzept aufzubauen: Deutsch, Englisch und Spanisch stehen als Unterrichtssprachen nebeneinander, in Erdkunde etwa sprechen Lehrerin und Schüler Englisch, in Sport gibt der Pädagoge die Anweisungen auf Spanisch. In der neunten Klasse darf gern noch eine Sprache dazukommen. Und wenn alles nach Beckmanns Vorstellungen läuft, können sich die Jugendlichen in ein paar Jahren aussuchen, ob sie ihre Prüfung im Mathe-Abi auf Englisch oder Spanisch bestreiten.

Das ist ein anspruchsvolles Konzept, bundesweit hat das bislang noch niemand versucht. Eine Schule für jeden werde das Gymnasium damit nicht, räumt Beckmann ein. Doch das Angebot sei ein zeitgemäßes: „Englisch allein reicht heutzutage nicht mehr“, sagt er mit Verweis auf die inzwischen recht gängigen bilingualen Schulkonzepte. Meistens gelinge es diesen nicht mehr, auch die zweite Fremdsprache wirklich intensiv zu vermitteln. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir ein Modell auch für andere Städte werden“, meint Beckmann. Zumal mit dem ASB ein großer, bundesweit bekannter Träger hinter der noch kleinen Schule steht.

Manche Kinder aus dem ersten Erasmus-Jahrgang sind den teils stündlichen Wechsel zwischen den Sprachen schon gewöhnt, weil sie zuvor in die Erasmus-Grundschule gingen, die auch trilingual arbeitet. „Aber wir haben auch Quereinsteiger, die sind sogar unsere Besten“, sagt Beckmann, der im Sommer gern zwei weitere fünfte Klassen, maximal 48 Schüler, aufnehmen würde und sich auch noch ein paar Quereinsteiger für die dann sechste Klasse wünscht. Gute Noten, eine Gymnasialempfehlung und erste Kenntnisse in Englisch seien Voraussetzungen, die die Kinder mitbringen müssten. Superschüler müssten sie nicht sein. Die Eltern müssen mit einem Schulgeld von rund 580 Euro monatlich rechnen. Wenn ein Kind noch kein Spanisch spreche, sei das kein Problem. „Dafür bieten wir Förderunterricht an.“ An diesem Stundenplan aus klassischem Unterricht, Projektarbeit, Förderangeboten und AG – verteilt auf den gesamten Tag bis circa 17 Uhr – feilen Beckmann und seine Kollegen immer wieder.

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