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Petra Hoffmann kann trotz vieler überstandener Operationen wieder strahlen und ihr Leben genießen ? dank der ärztlichen Kunst und des Mutes von Prof. Matthias Schwarzbach.

Serie Arzt-Patienten-Geschichte

Wie Prof. Matthias Schwarzbach der krebskranken Petra Hoffmann half

Es gibt Ärzte, die machen den Unterschied, verändern ein Leben – weil sie mutig sind, weil sie ihr Fachgebiet beherrschen wie kaum ein anderer oder weil sie die richtigen Worte finden. In unserer kleinen Serie erzählen wir vier besondere Arzt-Patienten-Geschichten. Heute, im letzten Teil, jene von Petra Hoffmann – eine Patientin mit weit fortgeschrittenem Darmkrebs, die die meisten Ärzte vor elf Jahren aufgegeben hätten. Nicht so Prof. Matthias Schwarzbach.

Eigentlich hätte sie es besser wissen müssen: Der Vater hatte Darmkrebs, sie selbst die chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Colitis Ulcerosa. Die Wahrscheinlichkeit war groß, dass Petra Hoffmann früher oder später an Darmkrebs erkranken würde. Hätte sie regelmäßig Darmspiegelungen gemacht, wäre es vermutlich nicht so weit gekommen. Doch die Angst vor einer Krebsdiagnose und die Angst vor einem künstlichen Darmausgang (Stoma) hielten die zweifache Mutter immer wieder davon ab, sich entsprechend untersuchen zu lassen. „Ich habe Ärzte gemieden, wie der Teufel das Weihwasser. Rückblickend betrachtet war das unverantwortlich“, sagt Hoffmann heute.

Ende 2005, Anfang 2006: Sie kann nicht mehr, magert ab, ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Im April weist der Hausarzt sie in die Klinik ein, doch die Ärzte im Bensheimer Krankenhaus merken schnell, dass der Fall eine Nummer zu groß für sie ist. Der Darm der damals 45-Jährigen ist dererart verkrebst, dass die Bensheimer die Spiegelung abbrechen müssen. Man empfiehlt der damals 45-Jährigen Prof. Matthias Schwarzbach aufzusuchen, einen Spezialisten für große Tumoroperationen, damals noch geschäftsführender Oberarzt an der Chirurgischen Klinik der Mannheimer Uniklinik. Heute ist der 50-Jährige Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Klinikum Höchst.

An die erste Begegnung mit dem Mediziner erinnert sich Hoffmann noch genau: Die schiere Größe der Uniklinik erschlägt damals das Ehepaar aus Walderlenbach, einem Stadtteil Heppenheims. „Den ersten Weißkittel, der uns begegnet, den fragen wir nach dem Weg“, beschließt Petra Hoffmann. „Und der erste Weißkittel war Prof. Hoffmann. Das war ein magischer Augenblick“, erinnert sie sich. „Ich hatte vom ersten Moment an das Gefühl: Das ist jemand, dem kannst Du Dein Leben anvertrauen.“ Und nichts Geringeres ist es, was die zweifache Mutter tut.

Schwarzbach spielt mit offenen Karten: „Das wird kein Spaziergang. Sie werden nach der Operation einen Defekt haben. Aber dafür kann ich Sie vielleicht heilen. Ich kann ihnen aber nicht garantieren, dass der Tumor nicht zurückkommt.“

Die Heppenheimerin hat Darmkrebs im Stadium T 4 – der Tumor hat sich längst durch die Darmwand gefressen, ist in die Gebärmutter eingedrungen, auch die Lymphknoten sind befallen. Eine Diagnose, bei der die meisten Ärzte sagen: „Da kann man leider nichts mehr machen.“ Nicht so jedochSchwarzbach. Er weiß, dass es eine Chance gibt, die junge Frau zu retten. „Und wenn wir eine Chance haben, sollten wir sie nicht verstreichen lassen“, hält der Arzt Schwarzbach wenig von rein statistischen Abwägungen. „Wenn man nicht anfängt zu kämpfen, wird man nicht erfahren, ob man zu dem kleinen Prozentsatz gehört, der es schafft.“ Petra Hoffmann sei der lebende Beweis dafür, dass es sich lohnt.

Das neue Leben der schwer krebskranken Frau beginnt am 22. Mai 2006. Sechs Stunden lang operiert Prof. Schwarzbach die Heppenheimerin, wider die Statistik. Er entfernt ihren Dickdarm, ihre Gebärmutter, ihren Harnleiter, zwölf Lymphknoten, er näht die Blase hoch, legt einen Blasenkatheder und einen künstlichen Ausgang (Stoma). Es folgen sechs Monate Chemotherapie. Dann ist der Krebs besiegt. Bis heute ist er nicht zurückgekehrt.

Mit dem Stoma und dem Blasenkatheter könne sie gut leben, sagt Hoffmann. Sie hat ihrem künstlichen Ausgang sogar einen Spitznamen gegeben: „Frodi“ heißt er, benannt nach Frodo Beutlin aus Tolkiens Film „Herr der Ringe“. Mittlerweile kommt die Heppenheimerin mit „Frodi“ sogar besser zurecht als damals, als sie noch mit der entzündlichen Darmerkrankung zu kämpfen hatte und kaum das Haus verlassen konnte. „Wir haben seitdem so viele schöne Sachen für uns entdeckt – die Oper zum Beispiel“, freut sich Hoffmann, dass sie leben, dass sie ihrem kleinen Enkel Theo (fast vier) beim Aufwachsen zusehen darf.

Dass sie nach wie vor gesundheitlich angeschlagen ist, erträgt die heute 56-Jährige mit Gelassenheit. Die Colitis Ulcerosa hat ihr Herz angegriffen, regelmäßig plagen sie außerdem Harnwegsinfekte. „Vieles macht mir zu schaffen, aber das lass’ ich einfach nicht an mich heran“, sagt sie, und gibt sich ganz ei eine tapfere Odenwälderin: „Alla gut, und weiter geht’s.“

Ihrem Arzt Matthias Schwarzbach ist Hoffmann „unendlich dankbar“. Ein Foto des Mediziners hängt bei den Hoffmanns zu Hause inmitten der Familiengalerie. Bei jeder Patientenveranstaltung ist sie mit von der Partie, erzählt von ihren Erfahrungen und macht außerdem mit ihrem Beispiel Mut. „Sie ist ein starker Motivator“, weiß Prof. Schwarzbach – nicht nur für andere Patienten, sondern auch für den Chirurgen selbst. „Patienten wie Frau Hoffmann zeigen mir: Ich mache etwas Sinnvolles.“

Alle Teile unserer Serie „Danke, Doktor“, finden Sie im Internet unter

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