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Ein Radfahrer fährt 24.05.2017 in Frankfurt am Main (Hessen) an Schauspiel (l) und Oper vorbei. Seit einem Jahr wird in Frankfurt über die Zukunft der maroden Städtischen Bühnenanlage diskutiert. Frankfurts Schauspiel und Oper sind in einer 1963 gebauten Theater-Doppelanlage untergebracht. Sie gilt als eine der größten in Europa, ist jedoch dringend sanierungsbedürftig. (zu dpa "Sanierung oder Abriss? Gutachten zu Theater kommt noch vor Sommerpause" vom 29.05.2017) Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Kultur

Projektgruppe Städtische Bühne: Hartwig eckt mit Personalie an

Heftigen Gegenwind hat Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) in der jüngsten Koalitionsrunde im Römer aushalten müssen. Der Grund: Sie ist mit einer Personalie vorgeprescht, die längst nicht alle gutheißen.

Er hat schon ein Mammut-Projekt für die Stadt realisiert, warum sollte es ihm nicht ein zweites Mal gelingen? Wenn die Frankfurter am letzten Septemberwochenende ihre neue Altstadt feiern, dann hat Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der Dom-Römer-Gesellschaft, maßgeblichen Anteil daran. Da überrascht es nicht, dass der Name Guntersdorf hier und da fällt, wenn es um städtische Großprojekte geht. Überrascht hat indes einige, dass Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) ihn offenbar schon für ihr Mammut-Projekt Städtische Bühnen zu verpflichten suchte, ohne zuvor Rücksprache mit ihren Magistratskollegen gehalten zu haben.

Dem Vernehmen nach soll Hartwig sogar darauf verzichtet haben, den Kulturausschuss nach Oslo zu begleiten, weil sie die Personalie Guntersdorf bereits am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentieren wollte. Erst in Kopenhagen stieß sie zur Gruppe dazu. In einer E-Mail an die Mitglieder des Kulturausschusses entschuldigte Hartwig sich etwas nebulös für die verspätete Anreise: „Aus aktuellen Gründen in Sachen Städtische Bühnen kann ich leider erst am Mittwochabend reisen.“

Was diese Gründe gewesen sein mögen, blieb unklar. Präsentiert jedenfalls wurde am Mittwoch niemand. Hartwig hatte sich in der Angelegenheit zuvor weder mit der Koalition noch mit dem Magistrat abgesprochen, was zu Diskussionen und Missstimmung in der jüngsten Sitzung der Koalition am Dienstag führte. Vor allem CDU und Grüne waren sauer. „Die Aufregung war groß“, heißt es aus gut informierten Kreisen. „Alle waren überrascht.“

Die Zukunft der Bühnen habe oft auf der Tagesordnung gestanden, sei aber immer wieder verschoben worden. „Bis heute ist nichts geklärt, es gibt kein Konzept, ein durchaus ungünstiger Zeitpunkt, um eine Personalie zu entscheiden“, heißt es aus den Römer. Zumal Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der diese Personalie verfügen müsste, wie auch der SPD-Parteivorsitzende, Planungsdezernent Mike Josef, der Sitzung gar nicht beiwohnten.

„Bevor wir entscheiden, wer an der Spitze einer Projektgruppe sitzt, müssen wir doch erst einmal die Rahmenbedingungen für die Aufgaben klären, eine Struktur vorgeben und die offenen Fragen zum Thema Sanierung oder Neubau der Bühnen klären“, ist aus dem Rathaus zu vernehmen.

Zumal offenbar auch nicht alle Politiker der Koalition mit Herrn Guntersdorf einverstanden wären. Dieser hat sich zwar mit der neuen Altstadt über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Dennoch gibt es Vorbehalte, ob er tatsächlich der Richtige für das Vorhaben Städtische Bühnen wäre, auch weil das Altstadt-Projekt noch gar nicht abgeschlossen ist. Zwar werde die Altstadt Ende des Monats eingeweiht, „fertig ist sie aber noch nicht“. Wenn sich Guntersdorf gleichzeitig um die neue Altstadt und um die Städtischen Bühnen kümmern würde, wäre dies kein gutes Signal, heißt es. „An der Spitze muss ein fachlich qualifizierter Baumann oder eine Baufrau stehen, der das Projekt vorantreibt“, wird bemängelt.

Hartwig soll völlig erstaunt gewesen sein, dass ihr Vorschlag keine Zustimmung fand. Am Montag soll es ein erneutes Gespräch geben. Hartwigs Sprecherin Jana Kremin gab sich am Freitagnachmittag auf Anfrage zugeknöpft. „Wir werden uns zu Personalentscheidungen zu gegebener Zeit äußern“, erklärte sie. Michael Guntersdorf war gestern für diese Zeitung nicht zu erreichen.

Übrigens: Von ihrem Besuch in Kopenhagen, dem zweiten Teil der Reise des hiesigen Kulturausschusses, zeigte sich Hartwig begeistert. Vom Kopenhagener Schauspielhaus „könnten wir uns in Frankfurt vieles abgucken.“

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