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Prozess

Prostituierte bedroht und zum Sex gezwungen

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Sechs Jahre und neun Monate Haft wegen schwerer Vergewaltigung – mit diesem Urteil endete gestern vor dem Landgericht der Prozess gegen einen Afghanen (25), der bereits Anfang 2015 eine Prostituierte drei Mal hintereinander vergewaltigte.

Schon einen Tag nach dem Vorfall wurde er bei der Polizei aktenkundig. Die Prostituierte lieferte insgesamt fünf übereinstimmende Aussagen, mit denen der damals 21-Jährige schwer belastet wurde. Demnach hatte man sich am Tag zuvor im Bahnhofsviertel kennengelernt und für den nächsten Abend ein Treffen in der Wohnung des Mannes in Niederrad ausgemacht. Als die Frau schließlich dort ankam, schwang ihr neuer Bekannter plötzlich eine Machete vor ihrem Gesicht und forderte sie unverblümt zum Geschlechtsverkehr auf. Mindestens drei Mal ließ sie dies über sich ergehen, ehe ihr die Flucht zu Nachbarn gelang. Von dort aus wurde die Polizei verständigt.

Nun wurde der Fall zunächst auf die lange Bank geschoben. Der mutmaßliche Täter blieb infolge festen Wohnsitzes auf freiem Fuß und sollte sich erst nach mehr als zwei Jahren einem Verfahren vor der Strafjustiz stellen. Jetzt kam die große Überraschung. In einem ersten Prozess blieb der Platz auf der Anklagebank leer und das Landgericht erhielt stattdessen die Mitteilung, wonach der Angeklagte psychisch krank sei.

Psychisch gesund

In einem längeren Psychiatrieaufenthalt aber stellte sich heraus, dass der Mann nur simuliert hatte und in Wirklichkeit zumindest psychisch kerngesund ist. Die Richter reagierten gleichwohl auf das Nichterscheinen und die neue Diagnose mit einem Haftbefehl, um das Verfahren damit sicherzustellen. Auch in dem nun seit Anfang Dezember laufenden Prozess kam es immer wieder zu Zwischenfällen. Der Angeklagte redete immer wieder dazwischen und missachtete auch die Ordnung im Gerichtssaal. Weder zum Schlussvortrag des Staatsanwaltes noch zur Urteilsverkündung wollte er seine Wollmütze abnehmen, was jeweils zu mehreren Tagen Ordnungshaft führte, die er am Ende seiner Haftzeit noch zusätzlich im Gefängnis zu verbringen hat.

Lügenbold

Man habe den Aussagen der geschädigten Frau schließlich Glauben geschenkt, auch wenn sie vor Gericht manchen Widerspruch geliefert habe. Dem Angeklagten aber stellte Vorsitzender Richter Urs Böcher ein vernichtendes Zeugnis aus: „Er lügt, wenn er den Mund aufmacht“.

Und deshalb lag die Strafkammer noch neun Monate über der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sechs Jahre Haft beantragt hatte.

Am Ende kam ein ganzer Strauß an Strafvorschriften zusammen: Neben schwerer Vergewaltigung waren dies noch Sachbeschädigung, Bedrohung, Beleidigung sowie Widerstand gegen Polizeibeamte. Nur der Verteidiger stellte sich auf die Seite seines Mandanten und forderte einen Freispruch. Ob er Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt, war zunächst noch nicht bekannt.

(ge)

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