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Polizisten haben sich eine Waldbesetzerin auf dem Areal in der Nähe des Flughafens geschnappt und bringen sie weg.

Widerstand im Wald

Protestcamp am Frankfurter Flughafen geräumt

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Hunderte Polizisten waren am Dienstag bei der Räumung eines Protestcamps am Frankfurter Flughafen im Einsatz. Die Aktivisten wollen die Fällung von Bäumen verhindern. Auf dem Gelände soll ein Zubringer zum neuen Terminal gebaut werden.

Die Polizei hat gestern ein Protestcamp am Frankfurter Flughafen geräumt. In den frühen Morgenstunden rückten mehrere hundert Beamte mit Hebebühnen und Räumungsfahrzeugen an. 16 Umweltaktivisten wurde ein Platzverweis erteilt. Der Einsatz lief laut Polizei ohne größere Störungen. Der Protest der Aktivisten richtete sich gegen den Bau eines Autobahnzubringers zum geplanten neuen Terminal des Flughafens. Für den Zubringer benötigt der Flughafenbetreiber Fraport gemäß dem höchstrichterlich bestätigten Planfeststellungsbeschluss eine unmittelbar an der Autobahn A 5 gelegene Fläche von rund 4,5 Hektar. Dort muss größtenteils der Wald gerodet werden, um mit dem Bau zu beginnen.

Protestcamp existiert seit Anfang des Jahres

Das Camp im sogenannten Treburer Oberwald zwischen Mörfelden-Walldorf und Zeppelinheim existiert seit Anfang des Jahres. Monatelang harrten dort Aktivisten in einem kleinen, provisorisch errichteten Dorf aus. Beamte eines Spezialeinsatzkommandos holten Protestierende mit Hebebühnen aus ihren Baumhäusern. Zwei Frauen waren zuvor auf das Dach einer Hütte geklettert. Auch sie wurden abgeführt und von ihnen die Personalien festgestellt. Derweil kletterten zwei der Aktivisten weiter in eine Baumkrone hinauf, bis sie wieder von der Polizei heruntergeholt wurden.

Weitere zwei Aktivisten hatten sich in einem Erdloch verschanzt, darunter eine Frau, die ihren Arm in einem Fass einbetoniert hatte. Sie wurden mit Decken warm gehalten, auch ein Arzt war zugegen, ehe sie losgelöst wurden. Ein Aktivist sagte, den von der Polizei erhobenen Vorwurf der Sachbeschädigung weise die Gruppe zurück.

Um mit der Rodung beginnen zu können, hatte Fraport am Dienstagmorgen begonnen, um das Grundstück einen Zaun zu ziehen. Das Areal ist laut Fraport die letzte Fläche, die für den Flughafenausbau benötigt wird. Für den Ausbau seien insgesamt 282 Hektar Wald nötig. „Als Ausgleich dafür hat Fraport bereits 288 Hektar wiederaufgeforstet“, sagte ein Sprecher. Zu den Protesten im Treburer Wald, der erst im August dieses Jahres von der Gemeinde Trebur an die Fraport AG verkauft wurde, äußerte sich das Unternehmen gestern nicht.

Der Treburer Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) verteidigte indes die Entscheidung, das Waldstück zu verkaufen. Anderenfalls wäre die Gemeinde enteignet worden, sagt er. Dann hätte Trebur deutlich weniger Geld dafür bekommen. „Somit haben wir mit dem Verkauf finanziellen Schaden von der Gemeinde abwenden können.“

Alles, was Sie zu der Räumung des Protestcamps wissen müssen, erfahren Sie auch in unserem Newsticker.

Aus dem von Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) geführten Wirtschaftsministerium hieß es gestern: „Die Landesregierung ist an die Entscheidung gebunden, die in der Vergangenheit getroffen wurde – an das Planfeststellungsverfahren von 2007, das richterlich bestätigt wurde. Wir haben jetzt darauf keinen Einfluss mehr. Immerhin hat Hessen Mobil noch erreicht, dass die zu rodende Fläche etwa um ein Zehntel verkleinert wurde.“

Die Linke im Hessischen Landtag kritisierte vor allem die Grünen in Wiesbaden. „Der CDU-Innenminister lässt – in Eintracht mit Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) – ein Protest-Camp räumen – kurz nach einer Landtagswahl, wie schon Anfang 2009 in Kelsterbach. Und die Grünen sondieren unterdessen in ,freundschaftlicher Atmosphäre’ mit dem Noch-Koalitionspartner, der dies aller Wahrscheinlichkeit nach auch in den nächsten fünf Jahren bleiben soll“, sagte Hermann Schaus, Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken. Der Bund für Umwelt und Naturschutz lehnt die bevorstehende Rodung ab, da sie für die Anbindung des Terminals an das Straßennetz und nicht an die Bahn erfolgen solle. „Die Fraport provoziert den Verkehrskollaps rund um den Flughafen und das Frankfurter Kreuz“ kritisierte BUND Vorstandssprecher Stephan Baumann gestern.

Info: Was der Bau des neuen Terminals bedeutet

Der Flughafenbetreiber Fraport spricht vom modernsten Terminal Europas, Gegner der Ausbaupläne befürchten mehr Lärm und Verkehr. Auf Flächen der ehemaligen US-Militärbasis im Süden des Frankfurter Flughafens entsteht das Terminal 3, das von 2023 an jährlich Kapazität für bis zu 14 Millionen Passagiere bieten soll. Der erste Bauabschnitt ist seit Oktober 2015 im Bau. Den zweiten Bauabschnitt stellt ein Billigflieger-Flugsteig dar, der bereits im Sommer 2021 in Betrieb gehen soll. Für diesen Flugsteig G plant der Flughafenbetreiber zunächst mit jährlich vier bis fünf Millionen Passagieren im Jahr. Im Vollausbau soll die neue Billigflieger-Heimat in Frankfurt einmal bis zu sieben Millionen Passagiere im Jahr durchschleusen können. Die Stadt Frankfurt hat der Fraport AG die Baugenehmigung für diesen Flugsteig G im August erteilt. Das Terminal 3 soll vor allem die Terminals 1 und 2 entlasten, die teils schon jenseits ihrer Kapazitätsgrenze arbeitet. Über die Autobahn A5 wird das Terminal an das bestehende Verkehrsnetz angebunden. Dafür wird die Anschlussstelle Zeppelinheim erweitert. Die Abfahrt wird für den Verkehr aus Norden kommend um eine weitere Fahrspur ergänzt und für den abfahrenden Verkehr Richtung Norden um eine neue Auffahrt erweitert.

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