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Angeführt von einem Mann im Rollstuhl, starteten die Demonstranten an der Paulskirche.

Corona-Skeptiker

„Querdenker“-Demo in Frankfurt: Kein Applaus, keine Buhrufe – Provokation ohne Wirkung

  • vonSabine Schramek
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Der Protestmarsch der verschwörungstheoretischen „Querdenker“ am Wochenende in Frankfurt erregt kaum Aufmerksamkeit.

Frankfurt – Die sonst so beliebten kleinen Kinder, die „Querdenker“ und ihnen nahe Gruppierungen normalerweise zu Kundgebungen und Demos mitbringen, hatten am Samstag und Sonntag offenbar frei. Zum „Luftschnappen“ an der Alten Oper in Frankfurt treffen sich am Samstag beim Bahnstreik etwa 30 Teilnehmer, die ihre monoton-eindringlichen, höhnischen Sprüche gegen die Corona-Maßnahmen von sich geben. Sie werden von Passanten nicht einmal mehr registriert. Für Sonntag ist eine große Demo angemeldet, ein Schweigemarsch ab der Weseler Werft. Gerüchte in sozialen Netzwerken machen die Runde, dass die Teilnehmer Masken verbrennen wollen.

Corona-Demo in Frankfurt: „Querdenken“ hält die Abstände ein

Das tun sie nicht. Eine Stunde lang laufen sie bei starker Polizeipräsenz durch Sachsenhausen und die Innenstadt. Weitgehend schweigend und die meisten mit Maske. Auch die vorgeschriebenen Abstände halten sie ein, da der Zug sonst sofort von der Polizei aufgelöst worden wäre. „Wir müssen reden“ steht auf wenigen Bannern, ein Plakat zeigt das Wort „Frankfurt“. Vorneweg fährt ein Mann im Rollstuhl rückwärts, nachdem er die strikten Anforderungen der Stadt verlesen hat.

300 beginnen den stillen Zug in Frankfurt, zwischendurch werden es mehr. Am Ende sind es wieder 350. Gegenprotest gibt es so gut wie keinen. Von einer Brücke hängt ein Banner mit der Aufschrift „Verschwörungstheorien gefährden Ihre Gesundheit“, vereinzelt betrachten vermummte Gestalten den Marsch aus einiger Distanz. Auch sie sind still. Als ihr „geistiges Rüstzeug“ benennen die Verschwörungstheoretiker Zitate von Bertolt Brecht über Hans Fallada bis Kurt Tucholsky. Bei der vorangegangenen Veranstaltung vor der Paulskirche hatten sie die Nationalhymne als „Corona-Hymne“ gespielt und bezeichnet.

„Querdenker“-Demonstration in Frankfurt: Kaum jemand nimmt Notiz

Kaum jemand nimmt Notiz und auch am Ende, wieder an der Weseler Werft in Frankfurt, sind sie unter sich. Sie stellen sich auf in Reihen, Marschschritte tönen acht Minuten lang vom Band. Sie marschieren im Stand mit - inklusive Wunderheilung, denn auch der Mann im Rollstuhl macht mit. „Erhöret uns“, tönt es hämisch vom Band. Genannt werden der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsminister Jens Spahn. „Erhören Sie uns“, erklingt es drohend unter Marschschritten.

Kein Applaus, keine Buhrufe. Die Manipulation gelingt nicht. Vor wenigen Wochen hatten sie „jede Menge Gastronomen“ angekündigt, die sich ihnen angeschlossen hätten. Zur Veranstaltung kam ein Koch. Die manipulativ-bösartigen Thesen schrecken offenbar mehr ab, als sie Zulauf finden.

Demo-Wochenende in Frankfurt: Rodungs-Gegner protestieren lautstark

Laut war es am Freitagabend, als knapp 200 Demonstranten zu Fuß und mit dem Fahrrad gegen die Rodung des Dannenröder Waldes, gegen die Inhaftierung von Demonstranten, die dort festgenommen wurden und gegen weiteren Ausbau von Autobahnen - auch am Riederwald - durch Frankfurt und zur JVA in Preungesheim zogen. Mit Weihnachtsbäumen vom letzten Jahr und Baumstämmen zogen sie von der Konstablerwache aus zur CDU-Kreisgeschäftsstelle und dem „Politiklabor“ der Grünen. Friedlich und laut stapeln sie die Weihnachtsbäume vor dem Grünen-Büro und sprühen „Danni bleibt“ mit Farbe auf die Berliner Straße.

„Früher haben die Grünen Umweltverbrecher bekämpft, jetzt sind sie selber welche“, eine Todesanzeige für Biodiversität in Gedenken an „Kammmolche, Fledermäuse und knorrige Eichen“ und eine Todesanzeige für „Herri“ und 49 Hektar gerodeten Wald hängen als Plakate an den vertrockneten Weihnachtsbäumen. Die Anti-Corona-Armee kommt an den Bäumen beim Schweigemarsch vorbei. Sie würdigen sie keines Blickes, sondern bereiten sich schweigend auf ihr Gestampfe an der Weseler Werft vor. (Sabine Schramek)

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