Pünktlichkeit

Nur 92 Prozent der Züge sind pünktlich: RMV verfehlt Planziel

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Pendler stöhnen fast jeden Morgen und Abend über volle und verspätete S-Bahnen. Besserung ist kaum in Sicht. Statt Fortschritten gab es zuletzt Rückschritte.

RMV-Sprecher Maximilian Meyer ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden, Wilfried Staub vom Fahrgastverband Pro Bahn nennt es sogar „fürchterlich“. Im bisherigen Jahresverlauf hat die S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet nur eine Pünktlichkeitsquote von 92 Prozent erreicht. Das von RMV-Chef Klaus Ringat ausgegebene (und mit der Bahn vereinbarte) Dauer-Ziel von 96 Prozent wurde demnach weit verfehlt. Die Fehlleistung ist um so frappierender, da jede Verspätung bis 5:59 Minuten noch als tolerabel gilt, also in der Statistik gar nicht auftaucht. Staub weist darauf hin, dass die Pünktlichkeitsquote noch viel geringer wäre, wenn man die Hauptverkehrszeit zugrundelegen würde. In Randzeiten sei die Quote bei weniger Zügen und Fahrgästen natürlich überdurchschnittlich gut. Nur profitierten davon auch weniger Fahrgäste.

RMV-Sprecher Meyer ist kein Utopist. Er weiß deshalb, dass die 96 Prozent Pünktlichkeit in diesem Jahr schon mathematisch nicht mehr erreichbar sind. Aber er hofft im Jahresverlauf noch auf Verbesserung. Für nächstes Jahr gilt dann wieder das 96-Prozent-Ziel, das man laut Meyer auch von 2010 bis 2014 schon erreicht hatte. Doch von da an ging’s bergab.

Die neue Technik

Große Hoffnung setzt der RMV in die neue Technik im Frankfurter S-Bahn-Tunnel, für deren Umbau das City-Nadelöhr in den Sommerferien schon mehrmals gesperrt war. Laut Meyer können die S-Bahnen hier jetzt einige Sekunden gutmachen, was der Pro-Bahn-Sprecher so nicht bestätigen will. In der ersten Woche habe man sich offenbar besonders angestrengt, so Staubs Einschätzung. Doch schon in der zweiten Woche sei keine Verbesserung mehr zu beobachten gewesen. „Die Bahnen fahren jetzt mit derselben Verspätung aus dem Tunnel, mit der sie hineinfuhren.“

Weitere Hoffnung setzt der RMV-Sprecher auf die neue S-Bahn-Flotte, die jetzt sukzessive zum Einsatz kommt. Aber auch hier gießt Pro Bahn Wasser in den Wein. Die schnelleren S-Bahn-Wagen nutzen wenig, weil ihre Türen jetzt länger zum Schließen brauchten. Was also tun? Staub empfiehlt zu überlegen, ob man den sehr eng getakteten Fahrplan nicht entzerren könne, damit er realistischer würde. Die Bahn müsste ja ohnehin die künftige Station am Flughafen, Gateway Gardens, einberechnen. Bei aller Kritik sieht Staub bei der S-Bahn auch durchaus positive Entwicklungen. So wurde der Vorschlag umgesetzt, Fahrgast-Lotsen einzusetzen, die man früher lieblos „U-Bahn-Schubser“ (nach Tokioer Vorbild) genannt hatte. Sie sorgen an Stress-Stationen dafür, dass die Fahrgäste einigermaßen geordnet einsteigen und nicht ständig für Nachkommende die Tür aufhalten.

Zug in Reserve

Ferner weisen Staub und RMV-Sprecher Meyer darauf hin, dass man bei den Zielhaltestellen durch kluge Maßnahmen verhindern kann, dass verspätet einfahrende Züge ihre Verspätung gleich wieder mit auf Strecke nehmen. So soll bei der krisenanfälligen S 3 am Zielhalt Darmstadt jeweils ein Zug bereitstehen und pünktlich abfahren. Das erspart weitere Verspätungen und dem Lokführer Hetze, da er nicht ans andere Zugende hasten muss, um gleich wieder loszufahren.

Aber dann ist auch der so kundige Staub fertig mit seinem Latein. Den Hauptgrund für die Unpünktlichkeit sieht er – wie auch der RMV-Sprecher – in der mangelnden und veralteten Infrastruktur der Bahn, die die Menge der Fahrgäste nur bedingt tragen kann. Meyer hat für die Fahrgäste aber noch die gute Nachricht, dass aus den Strafzahlungen, die die Bahn für Verspätungen ab sechs Minuten an den RMV überweisen muss, auch die „Zehn-Minuten-Garantie“ finanziert wird. Sie gilt seit 1. Juni 2017. Im ersten Jahr bearbeitete der RMV 600 000 Fälle und zahlte 1,4 Millionen Euro an Kunden zurück.

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