Gericht

Prozess um Obdachlosen-Mord im Ostpark beginnt

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Mord in einer Unterkunft für Obdachlose am Ostpark: Seit gestern geht es vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts um einen 53-Jährigen, der im Juni vergangenen Jahres von seinem Zimmergenossen erstochen worden war.

Von dem gebürtigen Haitianer, der seit gestern auf der Anklagebank sitzt, weiß man nicht all zu viel. Strittig ist besonders sein Alter, das mit Hilfe spezieller Sachverständiger aber derart eingegrenzt werden konnte, dass er nun als Erwachsener vor die Schwurgerichtskammer des Landgerichts gestellt werden konnte. Sein Aufenthalt in der Einrichtung am Ostpark war gewissermaßen die Endstation einer jahrelangen Odyssee durch Psychiatrien und Wohnheime.

Zum ersten Mal war der Mann bereits 2015 aufgefallen, als plötzlich seine Dortmunder Wohnung in Flammen gestanden hatte. Schon damals hatte er diverse Stimmen gehört, die ihm dazu geraten hatten, ein Trikot anzustecken, so dass kurz darauf der Qualm aus dem Fenster stieg.

Die Behörden hatte die damalige Brandstiftung aber offenbar als nicht gravierend genug betrachtet, um den Täter dauerhaft in einem Krankenhaus unterzubringen. Stattdessen tauchte er plötzlich wieder in Frankfurt auf, wo er auch schon als Junge gelebt hatte. Durch seinen ungezügelten Cannabis-Konsum war er bei Therapieeinrichtungen und Unterkünften gleichermaßen unbeliebt. Und auch die Angewohnheit, regelmäßig um sich herum alles vermüllen zu lassen, brachte ihm keine Sympathien. So landete er im Frühsommer vergangenen Jahres schließlich wieder am Ostpark, nachdem er aus einer Therapieeinrichtung in der Nähe zu Fuß entlaufen war und dort alles zurückgelassen hatte. Seine Betreuerin bemühte sich längere Zeit vergeblich, wenigstens eine regelmäßige Geldquelle für ihn zu erschließen. Jugendamt, Sozialamt und Job-Center – keine Stelle erklärte sich jedoch zuständig für den psychisch labilen Mann.

Am 27. Juni kam es schließlich zu der Gewalttat im Heim. Wieder hatten ihm die inneren Stimmen aufgefordert, den 53 Jahre alten Mitbewohner zu töten. Tatwerkzeug war ein kleines Brotmesser, dessen Klinge direkt den Hals des Opfers traf. Nach wenigen Tagen starb der Mann. Der Täter wurde festgenommen und ins psychiatrische Krankenhaus nach Köppern überstellt.

Bei einer ersten Begutachtung hatte er bereits von inneren Stimmen gesprochen und davon, dass er die Bluttat – bei erneuter innerer Aufforderung – wieder begehen würde, obwohl es sich bei dem Zimmergenossen doch um einen „guten Freund und Kumpel“ gehandelt habe.

Für die Staatsanwaltschaft steht in dem Verfahren fest, dass gewöhnliche Sanktionen bei dem als schuldunfähig geltenden Mann fehl am Platze sind. Statt einer gewöhnlichen Anklageschrift gab es den Antrag, den Täter dauerhaft in der Psychiatrie einzuweisen. Zwei Tage wird das Gericht noch verhandeln. Am 12. Februar soll das Urteil gesprochen werden.

(ge)

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