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Prozessbeginn in Frankfurt: Raser steht wegen Mordes vor Gericht

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Von: Matthias Gerhart

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Oskar-von-Miller-Straße, Ostend, November 2020: Zwei tote Passanten und eine schwer verletzte junge Frau hat ein Raser zu verantworten. Ab Dienstag steht er wegen Mordes vor Gericht.
Oskar-von-Miller-Straße, Ostend, November 2020: Zwei tote Passanten und eine schwer verletzte junge Frau hat ein Raser zu verantworten. Ab Dienstag steht er wegen Mordes in Frankfurt vor Gericht. © Silas Stein/dpa

Ein Immobilienmakler fährt in Frankfurt zwei Menschen tot und verletzt eine Frau schwer. Jetzt muss sich der BMW-Raser vor Gericht verantworten.

Frankfurt – Zwei tote Passanten und eine schwer verletzte junge Frau - auf der Sonnemannstraße bot sich auf Höhe der Oskar von Miller-Straße am 21. November 2020 ein Bild des Grauens. Ein Raser hatte mit seinem 625 PS-starken BMW Schrecken verursacht und war nach dem Zusammenstoß einfach geflüchtet.

Von diesem Dienstag (05.04.2022) an hat sich der 40 Jahre alte Immobilienmakler wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht zu verantworten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte die entsprechende Anklage bereits Anfang September vergangenen Jahres der Schwurgerichtskammer vorgelegt - zu diesem Zeitpunkt hatte sich der seit März in Untersuchungshaft einsitzende mutmaßliche Unfallfahrer freilich noch nicht geäußert. Das Fahrzeug gehörte nicht ihm, sondern war ein Firmenwagen.

BMW-Raser steht in Frankfurt vor Gericht: Anklage wegen zweifachem Mord

Bevor sich der 40-Jährige am Mittag des Tattages in das Auto setzte, schaltete er nach dem Ergebnis der technischen Untersuchungen das Sicherheitssystem des Fahrzeugs aus, mit dem normalerweise Schnellfahrten im Stadtgebiet verhindert werden können. Nun hatte der Mann also freie Fahrt, als er in Richtung Hanauer Landstraße stadtauswärts fuhr und bereits auf der Sonnemannstraße mit ihren unübersichtlichen Kurven auf mehr als 80 Kilometer pro Stunde beschleunigte.

Doch die Fahrkünste des Angeklagten trafen bereits hier auf ihre Grenzen. Bei Tempo 82 verlor er den Überblick in dem großen Wagen und geriet ungebremst ins Schleudern. Zunächst war es der 27 Jahre alte Fahrradfahrer, der bei dem Zusammenstoß tödliche Verletzungen erlitt. Nur Sekunden später wurde ein 61 Jahre alter Passant vom gleichen Schicksal ereilt. Er wollte gerade Gegenstände in sein am Fahrbahnrand geparktes Auto räumen. Die nahe dabei stehende Tochter (31) erlitt schwere Verletzungen, überlebte jedoch den Unfall.

Frankfurt: BMW-Raser steht wegen Mord vor Gericht – Unfall oder Vorsatz?

Wurde der Fall zunächst von der Polizei als "normaler" schwerer Unfall behandelt, ergaben sich recht bald Anhaltspunkte dafür, dass es sich um eine mutwillige Schnellfahrt gehandelt hatte und dem Fahrer deshalb Vorsatz hinsichtlich des Tötungsdeliktes zur Last gelegt werden konnte. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt geht mittlerweile vom Mordmerkmal der Gemeingefährlichkeit aus - ein 625 PS starker und entsprechend schwerer Wagen ist - wenn er vom Falschen gelenkt wird - allemal ein gemeingefährliches Mittel. Dazu kommen die Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung sowie des verbotenen Autorennens, zu dem es ja kein weiteres daran beteiligtes Fahrzeug braucht.

Dem Angeklagten droht eine lebenslange Haftstrafe. Verständlicherweise nimmt sich die Schwurgerichtskammer viel Zeit für das komplexe Verfahren mit vielen Zeugen, technischen und medizinischen Sachverständigen. Man hat vorerst zehn Fortsetzungstermine bis Ende Mai terminiert. Zunächst wird dabei dem Angeklagten Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben. (Matthias Gerhart)

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