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Dunkle Wolken ohne Ende. Die Arbeitsgruppe um die ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin hat ihren Bericht zum Awo-Bezirksverband Hessen-Süd vorgelegt.

Awo-Affäre

Prüfer rügen zweifelhafte Immobilen-Geschäfte

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Arbeitsgruppe um Ex-Bundesministerin Herta Däubler-Gmelin rügt Vorstand der Arbeiterwohlfahrt Hessen-Süd auch wegen anderer Untersuchungsergebnisse .

Frankfurt -Geschäfte, die Verantwortliche der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Hessen-Süd in der Vergangenheit getätigt haben, hat eine Task Force nun heftig gerügt. Das teilte gestern der Bezirksverband mit. Im Abschlussbericht der Arbeitsgruppe unter Leitung der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) wurden als besonders problematisch zwei Immobilien-Deals beurteilt, die der ehemalige Generalbevollmächtigte des Bezirksverbands veranlasst hatte: den Verkauf der Seniorenheime in Langgöns und in Bruchköbel an eine private Immobilienfirma, zu deren Gesellschaftern er selbst gehörte. Die Awo blieb als Mieterin in den Häusern. Wie gestern dazu aus Awo-Kreisen zu erfahren war, zahlte das Privatunternehmen für das Haus in Bruchköbel 4,6 Millionen Euro an die Awo, die als Mieterin in der Immobilie blieb. 2,7 Millionen Euro habe das Unternehmen anschließend in die Sanierung des Hauses investiert und es kürzlich an einen schwedischen Investor veräußert - für 10,1 Millionen Euro. Die Awo habe bis dahin 2,7 Millionen Euro an Miete gezahlt.

Kritisch betrachtete die Task Force auch Darlehen von Privatpersonen an die Awo. Nach Recherchen dieser Zeitung soll unter den Darlehensgebern auch der frühere Generalbevollmächtigte sein. Im Hinblick auf dessen geschäftliche Verbindungen sieht die Task Force noch Aufklärungsbedarf.

Personeller Neubeginn nötig

Die Arbeitsgruppe war im Dezember vergangenen Jahres beauftragt worden, Missstände und Unklarheiten beim Bezirksverband aufzuklären und Empfehlungen für mögliche Konsequenzen vorzulegen. Auslöser waren der Skandal um überhöhte Gehälter und Luxus-Dienstwagen bei der Frankfurter Awo sowie ungerechtfertigte Spenden an den mit Frankfurt personell eng verflochtenen Kreisverband Wiesbaden. Diese Vorgänge wurden in dem jetzigen Bericht aber nicht berücksichtigt. Gegen mehrere Verantwortliche der Frankfurter Awo ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Der Bezirksverband Hessen-Süd ist Spitzenverband für 19 eigenständige Kreisverbände im südlichen Hessen. Der größte ist der Kreisverband Frankfurt. Als Konsequenz aus der Awo-Affäre und um sich von den Missständen bei den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden zu distanzieren, hatte der Vorstand des Bezirksverbandes im Februar seinen bisherigen Geschäftsführer mit sofortiger Wirkung abberufen. Nachfolger ist seit dem Sommer Ulrich Bauch. Er hatte den Beratervertrag, den der ehemalige Generalbevollmächtigte noch bei der Awo hatte, außerordentlich gekündigt. Für die Bezirkskonferenz am 28. November empfiehlt die Task Force, den Vorstand nicht zu entlasten und einen personellen Neubeginn zu suchen.

Der langjährige Vorsitzende des Bezirksverbands, Willy Jost, empfindet das als "Unverschämtheit und völlig überzogen", wie er gestern auf Anfrage sagte. Auch die Kritik an Immobilienverkäufen und Privatkrediten könne er nicht nachvollziehen.

Kurz vor der Insolvenz

Der Bezirksverband habe 2015 kurz vor der Insolvenz gestanden. Keine Bank habe der Awo auch nur einen Cent gewährt. Die Privatleute hätten "ohne jegliche Sicherheiten" die Darlehen bereitgestellt. Die Awo zahle diese immer noch ab. Die Kreditgeber bekämen für ihren Kapitaleinsatz 6,5 Prozent Zinsen, so Jost. Das sei "angesichts der Umstände" angemessen und entspreche banküblichen Überziehungszinsen.

Jost kritisierte seinerseits die Kosten, die die Awo im Zuge der Aufarbeitung an ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen und an die Task Force zu zahlen habe. Allein an diese seien in der Zeit von Dezember 2019 bis März dieses Jahres 76 000 Euro geflossen, die Abschlussrechnung stehe noch aus. Die Rechnung der Wirtschaftsprüfer belaufe sich auf 44 000 Euro.

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