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Corona

Putzige Pandas sind Pinos "Panda-Mie"-Protest

  • vonSabine Schramek
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Das "Pino" in der Kleinen Hochstraße hat während der Corona-Pandemie kräftig zu knabbern. Erst im Mai wurde es eröffnet, nachdem das ehemalige "Garibaldi" für 1,5 Millionen Euro komplett umgebaut wurde. Statt lautstark gegen den Lockdown zu protestieren, hat der Betreiber es zu einem "Pandamie"-Paradies umgestaltet. Mit 100 puscheligen Pandabären, die die 100 Sitzplätze besetzen.

Frankfurt -Wer am "Pino" vorbeischlendert, bleibt unweigerlich stehen und traut seinen Augen nicht. An edel gedeckten Tischen ist jeder Platz besetzt. Die Gäste haben weiße Gesichter mit schwarzen Ohren und dicke, schwarz umrundete Augen. Manche tragen Eintracht-T-Shirts, andere schwarze T-Shirts. Es sind Ein-Meter große Pandabären, die die Leute zum Lachen bringen. "Es soll ein stiller Protest sein gegen die Lokalschließungen", sagt Betreiber Pino Fichera (51), der auch das "Thai & Surf" betreibt. "Ich bin nicht laut und würde mich nie an einer Querdenker-Demo beteiligen. Höchstens an einer dagegen. Aber das macht auch niemanden glücklich. Anders, als unsere 'Pandamie'-Bären", sagt er lachend und beobachtet Fußgänger, die abrupt stehen bleiben, unter ihren Masken grinsen, Fotos machen völlig begeistert sind.

Die putzigen Bären chillen auf Sofas, lesen die italienisch-amerikanische Speisekarte, glotzen auf riesige Wodkaflaschen mit Strass-Elementen oder auf Flaschen voller Corona-Bier. Sie scheinen an den Tischen Plüschplausch zu halten und beugen sich über Tischdecken mit Original-Kunstwerken des Frankfurter Künstlers Mike Kuhlmann. "Ein Lokal ohne Gäste geht einfach nicht", so Fichera. Das hat er auch zu einer Freundin gesagt, die sofort die rettende Idee hatte. Andrea Pooch (36) betreibt ein Baby- und Kindermode-Label und ist Hubschrauberpilotin. "Ich dachte sofort an Bären, als ich gesehen habe, wie traurig Pino über das leere Lokal beim zweiten Lockdown ist", sagt sie lachend und setzt einem der Pandas eine Pilotenbrille und Headset auf. "Das ist Pandrea", sagt sie und krault liebevoll das dicke Tier. Innerhalb von drei Tagen hat Fichera es geschafft, 100 identische Bären von einem Agenten zu kaufen, der sie in ganz Europa zusammengeholt hat und dann mit einem Transporter vorgefahren ist.

Gleichzeitig hat er 100 T-Shirts mit "Pino"-Logo machen lassen und das Team hat alle Kuscheltiere angezogen und sie auf die Stühle aus schwarzem Bambus gesetzt, die Schwarz-Weiße Sitzkissen haben. Auf dem Boden zwischen grünen Marmorwänden liegt Parkett in Schwarz-Weiß, als hätte Fichera Vorahnungen bei der Planung des Restaurants gehabt. Sie passen perfekt und sehen nach noch viel mehr aus, weil sie sich spiegeln.

Das Einzige, was puschelig und nicht Schwarz-Weiß ist, ist "Leo da Vinci", ein neun Wochen altes braun-weißes Wollknäuel, das seit drei Tagen bei Familie Fichera wohnt. "Er ist ein Gastronomie-Hund", so der Betreiber. Leo ist ein waschechter Trüffelhund, ein Lagotto Romagnolo. Und nicht nur das. Er wurde grün geboren. Er fühlt sich sichtlich wohl unter den Pandas, die wie im Zoo bestaunt werden.

"Panda-Mie" steht auf den Schaufenstern in weißen Großbuchstaben mit Punkten. Wer mag, kann eine Patenschaft für einen Panda übernehmen. Für 150 Euro gibt es einen der Pandas, ein personalisiertes "Pino"-T-Shirt, einen 25-Euro-Gutschein und eine garantierte Sitzplatzreservierung an einem der beiden ersten Abende nach dem Lockdown. So bekommt "Pino To-Go" eine ganz neue Bedeutung. Pizza, Pasta, Burger und Steaks gehen immer zum Mitnehmen. Die Pandas dürfen erst zum neuen Besitzer, wenn der Lockdown vorbei ist. "Bis dahin bleiben sie hier sitzen, damit wir nicht so einsam sind und damit die Leute draußen etwas Schönes und Positives zu sehen haben." Einer der Kellner stimmt zu. "Mit den Pandas macht das viel mehr Spaß und ich bin nicht mehr alleine hier, auch wenn sie sehr still sind", meint er lachend.

Auch nachts kann man die bärigen Gäste bestaunen. Dann wird es richtig märchenhaft, wenn die Straße dunkel und das Lokal hell erleuchtet ist. Eine Panda-Sitzgruppe vor einem Gemälde von Kuhlmann aus dem Jahr 2006, das Jesu Auferstehung in modern zeigt, macht die Panda-Mie und Pandemie zum real-surrealen Erlebnis. Eine Krankenschwester trägt Maske und rechts unten sind bunte Kreise zu sehen. Fichero ist sicher: "Das sind Corona-Viren, auch wenn der Künstler es leugnet." Auf Facebook macht ein Video mit den Pandas bereits nach drei Tagen weltweit die Runde. Auch der Schlusssatz: "Für treue Gäste, neue Gäste, alle Gäste - außer Oberbürgermeister Peter Feldmann."

Ein Filmchen

https://fb.watch/1Vl5YJfm73/

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