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Haben noch reichlich Gesprächsbedarf in Sachen Eintracht-Kader: Adi Hütter (links) und Sportdirektor Bruno Hübner.

Eintracht Frankfurt

Qualität des Personals reicht (noch) nicht für Hütters Spielidee aus

Das Trainingslager der Frankfurter Eintracht in Gais (Südtirol) ist vorüber. Die Eintracht-Profis haben heute und morgen trainingsfrei, ehe die Vorbereitung aufs Super-Cup-Spiel gegen die Bayern beginnt. Zeit, um mal Bilanz zu ziehen.

Wenn Adi Hütter zum Trainingsspiel bittet, dann wird es laut bei . „Go, go, go“, „Jeeetzt“, „Druuuck“. Sowohl die Spieler untereinander als auch der Trainer an der Seitenlinie schreien sich die Anweisungen nur so zu. Das wichtigste Ziel: Das von Trainer Hütter bevorzugte Pressing, das hohe Anlaufen des Gegners, in die Köpfe der Spieler zu bekommen.

Vier Wochen lang baute fast jede noch so kleine Spielform darauf auf, Stress für das kickende Personal zu erzeugen. Viele Spieler auf wenig Raum, ständiges Druckmachen auf die Kollegen, Ballverluste provozieren, Umschaltsituationen erzeugen. Immer und immer wieder. Bis zum vergangenen Mittwoch. . Sie machte es 20 Minuten lang ganz gut, ergatterte viele Bälle in der gegnerischen Hälfte, belohnte sich aber nicht für die Mühen. Mit fatalen Folgen. Je länger das Spiel dauerte, umso größer wurden die Räume zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Es entstand kaum noch Druck auf den Gegner, der letztlich fast mühelos zum 2:0 kam. Das Hütter’sche Dauerpressing war krachend gescheitert, der Trainer zum Umdenken gezwungen.

„Es geht ja nicht darum, nur vorne draufzugehen“, sagte er drei Tage später, nachdem die Eintracht am Samstag auch das zweite Testspiel verloren hatte – 1:2 gegen Spal Ferrara –, dieses Mal aber wesentlich besser gespielt hatte. Die Frankfurter waren zwar wieder in einem 3-4-2-1-System aufgereiht, sie griffen aber erst knapp 20 Meter weiter hinten an. Die Räume im Mittelfeld waren enger, das Pressing nur noch in einzelnen Momenten das angewandte Mittel. „Man muss Pressing dann einsetzen, wenn es notwendig ist“, sagte Hütter.

Nun wird sich die Spielidee des Trainers nicht wegen eines einzelnen verlorenen Testspiels grundlegend geändert haben. Zudem wird das frühe Attackieren im Saisonverlauf sicher noch eine gewichtige Rolle spielen. Für die nächsten Wochen aber scheint es so, als habe der Österreicher für seine Mannschaft vorerst eine Kurskorrektur angeordnet. „Es ist ein Prozess, der dauern kann“, sagte er über das Pressing. Das sei auch bei seinen vorherigen Stationen in Salzburg und Bern nicht anders gewesen. Hütter hat offenbar erkannt, dass die Qualität seiner Mannschaft (noch) nicht ausreicht, um die Gegner wie ein Spitzenteam fast durchweg weit vorne anzulaufen und dadurch das erhöhte Risiko in der Defensive in Kauf nehmen zu können.

Gerade bei den bisher acht Neuzugängen gibt es einige Fragezeichen zu viel. Torhüter hat zwar alle Testspiele absolviert, konnte sich aber nicht für weitere Aufgaben empfehlen. Gerade deshalb wird dem zuletzt gereizten Knie der designierten Nummer eins, , solch große Bedeutung beigemessen. Der neue Däne stand bisher nur in einem einzigen Trainingsspielchen zwischen den Pfosten, sein Leistungsvermögen ist seriös derzeit kaum einzuschätzen.

Ob Hütter den 26-Jährigen am Sonntag im Supercup gegen den FC Bayern – vorausgesetzt, Rönnow steigt ab Mittwoch voll ins Mannschaftstraining ein – sofort ins kalte Wasser wirft oder dem lädierten Knie des Dänen lieber noch ein paar Tage Ruhe gönnt, ist eine spannende Frage. Freilich, die erste Variante ist die wahrscheinlichere, so könnten die Hessen bei einem missglückten Einstand noch auf dem Transfermarkt reagieren.

Der 18-jährige Innenverteidiger ist ein großes Talent, braucht aber Zeit. Sechser zeigte gute Ansätze, er könnte einer für die Startelf sein, wenngleich er sich von der Qualität her nicht deutlich von Gelson Fernandes und Jonathan de Guzman abhebt. Stürmer kann kicken, ihm fehlt jedoch Tempo. Er wird es schwer haben, dauerhaft an Sebastien Haller und vor allem an Luka Jovic vorbeizukommen. Rechtsaußen drehte wegen einer Muskelverletzung seit zwei Wochen nur Runden auf dem Platz, topfit wird er zum Bundesligastart Ende des Monats daher nicht sein können. Und die offensiven Mittelfeldspieler Allan Souza und Chico Geraldes – beim Portugiesen sei angemerkt, dass er erst eine Woche mit den Kollegen trainiert hat – enttäuschten bisher.

Entsprechend deutlich soll Hütter laut Informationen dieser Zeitung intern darauf gepocht haben, Marco Fabian von der Verkaufsliste zu streichen. Öffentlich hörte sich das beim Trainer so an: „Marco ist ein toller Spieler. Er macht die Sachen, die man von ihm verlangt, sehr gut und passt gut zur Eintracht.“ Kurzum: Hütter will den Mexikaner behalten, er ist für eine der beiden Achter-Positionen vorgesehen. Für die zweite hat zurzeit Mijat Gacinovic die besten Karten.

Auch in der Systemfrage ist Hütter noch nicht dort angelangt, wo er hin will. Das von ihm favorisierte 4-4-2 ließ sich mit dem vorhandenen Personal schlicht nicht einüben – bis auf Danny Blum stand Hütter kein offensiver Außenspieler zur Verfügung. Ein bis zwei werden je nach Ausgang der noch kommen. Der Kroate soll heute nach Frankfurt zurückkehren, ein paar medizinische Tests nach seinem WM-Urlaub absolvieren und vor allem mit den Clubbossen Gespräche über seine Zukunft führen. Klar, Trainer Hütter hätte rein sportlich gesehen nichts gegen einen Verbleib des Ausnahmespielers: „Über seine Qualität brauchen wir nicht diskutieren. Er ist einer, der mit seiner Schnelligkeit und Aggressivität in meine Systematik reinpassen würde.“

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