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Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) spiegelt sich an der Hanauer Landstraße im Schaufenster eines Cafes. Im Ostend wird es immer grüner und schicker. Die Mieten steigen an.

Über 60 Prozent Ein-Personen-Haushalte

Das Frankfurter Ostend - ein Quartier der Singles

In nur zwölf Monaten hat die Zahl der Einwohner im Ostend um mehr als 1000 Menschen zugenommen. Damit liegt das Stadtviertel mit Kalbach-Riedberg an der Spitze in Sachen Bevölkerungswachstum.

Frankfurt - Dieses Wachstum kann sich sehen lassen: Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Einwohner im Ostend um 1004 Menschen gestiegen – von 27 757 Frauen und Männern im Jahr 2016 auf 28 761 im Jahr 2017. Damit ist das Ostend neben Kalbach-Riedberg der Stadtteil mit der stärksten Bevölkerungszunahme.

Ein Grund dafür dürfte die rege Bautätigkeit sein. Ein Blick in das kürzlich erschienene Statistische Jahrbuch der Stadt Frankfurt listet für das Jahr 2017 39 neue Gebäude im Ostend auf sowie 389 neue Wohnungen. Damit liegt das Viertel hinter dem Gallus, Kalbach-Riedberg und Schwanheim auf Rang vier in Sachen Baufertigstellungen. Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen. Schließlich wurden 2017 auch 23 Baugenehmigungen für das Ostend erteilt, was für 304 neue Wohnungen sorgen soll.

Im Wandel

Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) fallen auf Anhieb etliche Bauprojekte ein, die in den vergangenen Jahren im Ostend verwirklicht wurden oder kurz vor der Fertigstellung stehen: an der Honsellstraße ebenso wie an der Ferdinand-Happ-Straße, der Hanauer Landstraße, der Gref-Völsing-Straße und der Launhardtstraße. Alles östlich der Eisenbahnbrücke, wo bis in die 1970er Jahre hinein noch Industriebetriebe standen. „Da hat früher niemand gewohnt“, erinnert sich Steib. Gerade am Wochenende seien die Straßen oft wie ausgestorben gewesen. „Samstagmittag kannste nackisch über die Hanauer Landstraße gehen“, spöttelten damals manche. Doch dann entdeckten Kreative die leerstehenden Fabrikräume. Werbeagenturen zogen nach. Und heute, sagt Steib, „ist am Samstagmittag an der Hanauer Landstraße mindestens genauso viel los wie auf der Berger Straße“.

Die Kehrseite des Booms: Die Mieten in dem früheren Arbeiterviertel steigen – Stichwort Gentrifizierung. Vor allem die westlichen Teile des Ostends stünden stark unter Druck, sagt der Ortsvorsteher. Das macht sich zum Beispiel an den Sozialwohnungen bemerkbar, die Mitte der 1980er Jahre gebaut wurden und deren Bindungsfrist jetzt allmählich ausläuft. Steib: „Ich höre immer wieder Geschichten, dass Menschen Angst haben, dass sie ihre Miete nicht mehr zahlen können.“

Die Statistiken belegen den veränderten Charakter des Quartiers. Von den 13 063 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die im Ostend leben, haben 5477 einen Hochschulabschluss. Das entspricht einem Anteil von knapp 42 Prozent, fast zehn Prozent mehr als in ganz Frankfurt. Und: Der monatliche Durchschnittsverdienst liegt mit 4184 Euro ebenfalls deutlich über dem Frankfurter Mittelwert von 3861 Euro.

Was beim Blick auf die Zahlen und Tabellen auffällt: Im Ostend gibt es deutlich weniger Kinder und Jugendliche als anderswo in der Stadt. 3626 Einwohner unter 18 Jahren gibt das Statistische Jahrbuch an. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 12,6 Prozent, vier Prozent weniger als im städtischen Durchschnitt. Dazu passt eine weitere Zahl: 3062 Paare ohne Kinder leben im Ostend, aber nur 2420 Familien mit Kindern. Und: Single-Haushalte sind in dem Stadtteil fast ebenso häufig zu finden wie im benachbarten Bornheim. 18 087 Haushalten sind für das Ostend registriert, in 11 139 davon lebt nur eine Person. Das entspricht einem Anteil von 61,6 Prozent, deutlich über dem Frankfurter Durchschnitt von 53,7 Prozent.

Viele Senioren

Die zahlreichen Single-Haushalte könnten vielleicht auch mit den Seniorenwohnanlagen im Ostend zusammenhängen, mutmaßt der Ortsvorsteher, etwa dem GDA-Wohnstift neben dem Zoo, dem August-Stunz-Zentrum und dem DRK-Heim an der Königswarterstraße. Der im Vergleich zu anderen Stadtteilen niedrigere Anteil an Kindern und Jugendlichen führe jedenfalls nicht dazu, dass man im Ostend weniger Probleme in Sachen Kinderbetreuung hat als anderswo. Im Gegenteil: Auch hier gebe es Engpässe, sagt Ortsvorsteher Hermann Steib, etwa bei der Zahl der Kindergarten- und Krippenplätze.

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