Ginnheim: Streit

Quartiersmanager spaltet den Stadtteil

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Aktueller Betreuer hat gekündigt. Neuanfang geplant. Erst einmal soll es eine Analyse geben.

Braucht Ginnheim einen Quartiersmanager? Diese Frage spaltetet seit mittlerweile zwei Jahren den Stadtteil und ist derzeit brennender denn je. Denn der Quartiersmanager Johannes Böff Fagundes hat vor wenigen Tagen gekündigt. Nachdem er nie wirklich im Stadtteil angekommen und angenommen worden sei, wie Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) die Situation beschreibt.

Dass der Stadtteil einen Quartiersmanager benötige, über diese Tatsache müsse man laut Christina Bender, Leiterin des Frankfurter Programms Aktive Nachbarschaft, das die 15 Quartiersmanagements in der Stadt verwaltet, nicht diskutieren. Zumal es einen entsprechenden Magistratsbeschluss von 2018 gebe. Wegen der Nachverdichtung des nördlichen Teils der Platensiedlung sowie der sozialen Erosion sei die Einrichtung darin begründet worden.

Ein Schritt, der schon damals für viele überraschend kam. Schließlich gab es in Ginnheim schon einmal ein Quartiersmanagement. Von 2001 bis 2006 war Martin Müller dort tätig, ehe die Ginnheimer selber die Fäden in die Hand nahmen. Erst das Nachbarschaftszentrum Ginnheim mit Monika Westmeyer, dann der Verein "Ideal - Netzwerk Nachbarn" mit dem Vorsitzenden Rachid Rawas. Als Nachsorge für das Quartiersmanagement. "Es hat immer gut funktioniert", sagt Rawas.

Stadt ist froh, über Kündigung

Das stellte Christina Bender auch nicht in Frage, betonte aber zugleich, dass Ehrenamtliche nicht die Arbeit eines Quartiersmanagers leisten könnten. Dass es in den vergangenen zwei Jahren in Ginnheim "nicht gut gelaufen" sei, machte sie derweil an der Person Johannes Böff Fagundes fest. "Es hat nicht gepasst. Wir sind letztlich froh, dass er gekündigt hat", sagt sie. Nun wolle man einen Neuanfang starten.

Vorher solle man trotzdem erst einmal prüfen, ob ein Quartiersmanagement wirklich nötig sei, sagte Ingrid Häußler (FDP). "Es gibt die ABG, gewachsene Institutionen und eine gute Nachbarschaft. Ich setze viel Vertrauen in die Menschen vor Ort", sagte sie. Sylvia Kunze (SPD) hingegen glaubt nicht, dass es die falsche Person für den Posten war. "Nur wegen der Nachverdichtung braucht man keinen Quartiersmanager" sagte sie.

Gänzlich anders sah dies Wendel Burkhardt (Grüne), der sich für die Fortführung, des Quartiersmanagements, das 2018 für zunächst fünf Jahre angesetzt wurde, aussprach. "Wir bekommen jemanden, der hauptberuflich für den Stadtteil zuständig ist, vermittelt und Kräfte bündelt. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns als Ortsbeirat dahinter stellen", sagte er.

Gewachsene Institutionen

An der Fortführung ließ Christina Bender trotz der teils harschen Kritik aus dem Gremium auch keine Zweifel aufkommen. Die bereits vorhanden gewachsenen Institutionen seien zudem nötig, um überhaupt ein Quartiersmanagement zu installieren. Zudem sollte miteinander und nicht nebeneinander gearbeitet werden, reagierte sie auf die Befürchtung von Christiane Loizides (CDU), es könnte eine Parallelstruktur entstehen.

Damit der Neuanfang besser gelinge, plane man zunächst, mit einer Sozialraumanalyse zu beginnen. Der neue Quartiersmanager soll in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität die Bewohner befragen, was sie sich wünschen und was sich verändert hat in den vergangenen zwei Jahren. "Wir werden alles enger begleiten als beim letzten Mal", versprach Bender.

Keine Zweifel ließ sie derweil an der Arbeit des Vereins Ideal und Rachid Rawas aufkommen. Obwohl diese von einigen Anwohnern kritisiert wurde. Von Nichterreichbarkeit und Intransparenz wurde gesprochen. Zudem gab es auch Fürsprecher für Johannes Böff Fagundes. Wie Nadja Menke vom Kinderzirkus Zarakali. "Er war sehr engagiert, alles andere als kritiklos, offen und stets zu Gesprächen bereit", sagte sie. Er habe sogar in die Sitzung kommen wollen, wurde jedoch vom Stau wegen der Bombenentschärfung zwischen Maintal und Frankfurt ausgebremst. Auch Sarah Wohl, die seit 15 Jahren in der Platensiedlung lebt, betonte, wie wichtig ein Quartiersmanager sei.

Doppelstrukturen vermeiden

Trotzdem blieb die Mehrheit des Ortsbeirates kritisch, sowohl der Antrag der FDP, der vorab eine Evaluierung für die Notwendigkeit forderte, wie auch ein BFF-Antrag, der sich für den Abbau von Doppelstrukturen einsetzt, wurden mehrheitlich verabschiedet. Die CDU hingegen zog ihren Antrag, der sich gegen die Verlängerung des Quartiersmanagements ausspricht, zunächst einmal zurück. Er habe sich mit den Aussagen jetzt wohl erledigt, begründete Christoph Heidenreich. judith dietermann

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