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Mit der Queen an einem Tisch

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Von: Enrico Sauda

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Goldenes Besteck und ein Namensschild für Ihre Majestät.
Goldenes Besteck und ein Namensschild für Ihre Majestät. © Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)

Die Mainmetropole empfängt die englische Königin Elizabeth II. und ihren Gatten Prinz Philip nicht nur mit Kaiserwetter, sondern zeigt sich auch von ihrer besten Seite. Auf dem Römerberg heißen Tausende von Fans sie willkommen, und auch im Rathaus sind die Menschen, die mit ihr im Kaisersaal speisen durften, von der Queen begeistert.

„Wenn sie viel Hunger haben, dann müssen Sie bei solchen Essen vorher ein Butterbrot zu sich nehmen“, flachst Frankfurts ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth. Und das, obwohl man beim Lesen der Speisekarte schon ein gewisses sättigendes Gefühl verspürt.

Es geht los mit einem „Hessischen Karussell“: Einer Vorspeisenauswahl mit Tafelspitz und Grie Soß’ sowie Forelle vom Wispertal mit Krifteler Apfel-Meerrettich. Ein „Duett vom Kalb“ wird als Hauptspeise gereicht, und zum Abschluss gibt es eine Auswahl von Delikatessen „rund um den Apfel“.

Ausgeschenkt wird Spätburgunder vom Assmannshäuser Höllenberg aus Elizabeths Krönungsjahr 1953 für 475 Euro die Flasche und ein Riesling aus dem Hochheimer Königin-Victoria-Berg, der nach der Urgroßmutter der Königin benannt wurde.

„Für uns war das eine sehr große Herausforderung“, sagt Konstantina Dagianta, Chefin des Opern-Restaurants Opéra, deren Team das Essen zubereitete und servierte. „Seit 8 Uhr sind wir hier mit unserer mobilen Küche.“

Das Mittagessen ist vorbei. Gerade hat sich Queen Elizabeth II. mit ihrem Gefolge sowie Bundespräsident Joachim Gauck im Schlepptau wieder nach Berlin aufgemacht, und ein ereignisreicher Vor- und Frühnachmittag ist vorbei.

Gute drei Stunden genügten der 89-jährigen Königin und ihrem Prinzgemahl Philip, um die Stadt zu verzaubern. Auch das ehemalige Stadtoberhaupt Petra Roth ist von der Erscheinung dieser kleinen, großen Frau beeindruckt. „Sie strahlt so viel Charme aus, dass man vergisst, dass sie eine ältere Dame ist“, sagt Roth, die auch beobachtete, dass Prinz Philip sich „intensiv“ mit ihrem Nachfolger Oberbürgermeister Peter Feldmann unterhielt.

„Wenn ich noch im Amt wäre, würde ich meine Mitarbeiter sehr loben. Frankfurt hat sich von seiner besten Seite gezeigt“, findet Petra Roth kurz nach dem festlichen Essen im Kaisersaal, zu dem 120 Vertreter Frankfurts und Hessens aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und Sport eingeladen worden waren.

Peter Feldmann sieht das genauso. „Es war schon etwas ganz, ganz Besonderes. Vor allem das Essen“, sagt das Stadtoberhaupt. „Und ich hatte das Gefühl, dass es allen geschmeckt hat.“ Während er im Kaisersaal eher mit Prinz Philip sprach, hatte Feldmann zuvor in der Paulskirche Gelegenheit, mit der Queen zu plaudern. Was er auch ausführlich tat. Und es kam auch zur Berührung. „Sie hat mir von sich aus die Hand gereicht“, freut sich Feldmann, der sie natürlich ergriff. „Außerdem wollte sie von mir wissen, ob ich bei der Oberbürgermeisterwahl der Favorit war.“ Feldmann beschreibt die Monarchin als „bescheiden“, aber wissbegierig. „Auch Prinz Philip wollte etliches über unsere Stadt erfahren. Unter anderem über die Universität und die Stadtgeschichte.“

Städel-Chef Max Hollein war unter den geladenen Gästen und berichtet nach dem Essen: „Die Queen selbst hat bei mir einen Eindruck der Würde, aber auch der Gelassenheit hinterlassen.“ Für ihn war aber noch etwas anderes beeindruckend: „Die Stimmung und wie sehr die Frankfurter die Anwesenheit der Queen in ihrer Stadt gefeiert und zelebriert haben. Dadurch kam eine besondere Affinität und Wertschätzung der Queen, aber auch eine freundschaftliche Verbundenheit gegenüber Großbritannien zum Ausdruck.“

Ein ganz wichtiger Tag war der gestrige für Daniel Nicolai, den Intendanten des English Theatre. Er saß am selben Tisch wie die Königin. „Links von ihr saß Bundespräsident Gauck, und links von ihm saß ich“, schildert Nicolai die Sitzordnung an Tisch eins im Kaisersaal. „Es war nicht nur ein außergewöhnlicher Tag für mich, sondern auch eine große Chance für das Theater.“

Die nutzte Nicolai sogleich und warb für sein Haus bei der Königin. „Sie hat es wohlwollend zur Kenntnis genommen“, sagt Nicolai, der Folgendes beobachtet haben will: „Das Essen schmeckte ihr besser als der Wein – an dem hat sie nur genippt.“ Ausgiebig zum Plaudern kam der Theatermann allerdings nicht mit Ihrer Majestät – immerhin saß der Bundespräsident zwischen ihnen. „Aber ich kann sagten, dass sie ein entwaffnendes Lächeln hat und sehr leise und zurückhaltend spricht.“

(es)

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