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Corona-Demo: Rund 4800 Teilnehmer ziehen durch Frankfurt – trotz hoher Inzidenz

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Von: Sabine Schramek

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In der Innenstadt: Gegen die Corona-Maßnahmen, das aber regelkonform. Die allermeisten Teilnehmer der Demo am Samstag folgten den Aufforderungen der Polizei, die mit einem Großaufgebot angerückt war.
In der Innenstadt: Gegen die Corona-Maßnahmen, das aber regelkonform. Die allermeisten Teilnehmer der Demo am Samstag folgten den Aufforderungen der Polizei, die mit einem Großaufgebot angerückt war. © Boris Rössler/dpa

Etwa 4800 Teilnehmer werden bei einer „Querdenker“-Demo in Frankfurt von einem Großaufgebot der Polizei zu Masken und Abstand ermahnt - und die meisten folgen.

Frankfurt - 2700 weniger Teilnehmer als vergangene Woche zählte die Polizei am Samstag (15.01.2022) bei einer „Querdenker“-Demonstration vom Holzhausenpark durch die Stadt Frankfurt. Mit anschaulichen Maßnahmen wurden die 4800 Teilnehmer vom Einhalten von Abstands- und Maskenpflicht überzeugt.

Dem Ruf eines Mannes ohne Maske in Richtung der sechs Polizistinnen der Polizei-Reiterstaffel im Holzhausenpark: „Dann könnt ihr ja gleich mit Panzern kommen“, folgt der zischende Kommentar: „Verdammte Mainstream-Medien“ in Richtung Presse. Dutzende Männer und Frauen fotografieren und filmen Presse-Fotografen.

Corona-Demo in Frankfurt trotz hoher Inzidenz: Teilnehmer stehen dicht gedrängt im Park

Am Parkrand wird der Veranstalter der angemeldeten Corona-Demo, zu der in diversen Querdenker-Gruppen in sozialen Medien bundesweit aufgerufen wurde, von Polizeibeamten über die Auflagen informiert. Mitten auf der Wiese tanzen Leute, an der Seite trommeln andere. Einsatzkräfte beobachten, wie sich der Park füllt. Laut Ordnungsamt erwartet der Veranstalter 1000 Teilnehmer. 250 mehr, als am vergangenen Samstag (08.01.2022) angemeldet waren, wo dann 7500 Menschen kamen. Auch jetzt sind es deutlich mehr als angekündigt. Die Menge wächst auf der Strecke laut Polizei auf bis zu 4800 Personen an.

Die 7-Tage-Inzidenz liegt an diesem Tag laut RKI in Frankfurt bei 939. Teilnehmer stehen dicht gedrängt zum größten Teil ohne Maske im Park, als zwei Veranstalter an zwei Stellen die Auflagen vorlesen. Wenige ziehen Masken über.

Demo in Frankfurt: Mit 1,5 Meter langen Holzstäben hält die Polizei die Leute auf Distanz

Auf der Eschersheimer Landstraße stehen zwei Wasserwerfer und unzählige Polizei-Einsatzwagen. Via Polizeidurchsage weist eine Frauenstimme auf Masken- und Abstandspflicht hin. Beim Anblick des Aufgebots werden nach und nach Masken aufgesetzt. Im vorderen Bereich wachsen die Abstände zueinander. Aus einem Kleinwagen an der Spitze des Zuges tönen wie bereits in der Vorwoche die Lieder „Wann wachen wir auf“ von Helene Fischer, „The Wall“ von Pink Floyd, „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen.

Auf einem roten Banner steht in weißer Schrift „Wir sind die rote Linie“, auf Plakaten heißt es: „Wir wollen keine Ferbote (sic!). Freiheit ist wichtiger als Ferbote. Nein, Nein“, „Corona ist Hoax“, „Was erlauben Strunz Scholz“, „N‘Scheiss muss ich“, „Gegen die Impfapartheid, gegen Diskriminierung“ oder „Politiker müssen haften“. Dazwischen Deutschland-Flaggen, eine mit der Aufschrift „Wir sind das Volk“. Es dauert, bis die meisten ihre Maske tragen.

An der Kreuzung zum Grüneburgweg wird der Aufzug von der Polizei gestoppt. Begleitet von Pfiffen, erklärt die Stimme aus dem Polizeiwagen: „Das mit dem Masken-Tragen klappt jetzt gut. Allerdings werden die Abstände nicht eingehalten. Damit die Versammlung weiter bestehen kann, sind Auflagen erlassen worden. Diese beinhalten einen Mindestabstand von eineinhalb Metern. Von daher an Sie: Halten Sie Abstand, vergrößern Sie den Abstand.“

Viele Teilnehmer stellen sich taub oder verstehen nicht, was durchgesagt wird. Daher erklären Beamte anhand von 1,5 Meter langen Holzstäben, was der Abstand bedeutet, indem sie durch die Menge gehen und jeden persönlich ansprechen, der den Abstand nicht einhält. Mit den Stäben zeigen sie, was 1,5 Meter sind.

Angespannte Stimmung bei Corona-Demo in Frankfurt: Viele halten sich an Auflagen

Die Atmosphäre ist angespannt. Die Teilnehmer murren, pfeifen, verhöhnen Beamte. Dennoch treten sie zurück und halten nach 20 Minuten Stillstand Abstand. Es ist deutlich, dass die Demonstration aufgelöst wird, wenn sie die Auflagen nicht einhalten. Es wäre nicht das erste Mal in Frankfurt. Ein Wasserwerfer ist vor dem Demonstrationszug aufgestellt, einer dahinter. Die Reiterstaffel ist ebenfalls im hinteren Bereich und begleitet den Zug.

Auf dem Weg entlang der Bockenheimer Anlage, der Alten Oper, der Taunusanlage zum Willy-Brandt-Platz, über die Berliner und Kurt-Schumacher-Straße, entlang der Eschersheimer Anlage und auf dem Oeder Weg halten sich die meisten an die Auflagen. Die Polizei spricht immer wieder Teilnehmer an, um sie an Maske und Abstand zu erinnern und sorgt so dafür, dass die Teilnehmer sich an Regeln halten.

Bis zum Endpunkt zurück am Holzhausenpark, wo der Veranstalter die Beendigung erklärt. „Allerdings war eine dauerhafte und enge kommunikative Begleitung notwendig, um diesen Zustand aufrecht zu erhalten“, teilt ein Polizeisprecher mit. Noch bis in die späteren Abendstunden stehen Einsatzwagen im gesamten Stadtgebiet bereit. (Sabine Schramek)

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