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Kennt Kino und Filmgeschäft aus dem Effeff: Sabine Imhof freut sich auf ihre neue Aufgabe als Leiterin des Filmforums.

Filmforum

"Das Kino als Treffpunkt neu beleben"

  • Michael Forst
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HÖCHST Die studierte Filmwissenschaftlerin Sabine Imhof wird zu Beginn des neuen Jahres die Leitung des Filmforums Höchst von Klaus-Peter Roth übernehmen. Mit Redakteur Michael Forst sprach sie über ihre Ziele, das Arbeiten in Pandemie-Zeiten und ihren Lieblingsfilm.

Frau Imhof, Sie übernehmen zum neuen Jahr die Leitung des Filmforum - und das in denkbar unruhigen Pandemie-Zeiten. Wie gehen Sie damit um?

Es ist insofern undankbar, als ich den organisatorischen Ablauf hier im Büro nur als Trockenübung kennenlernen kann. Andererseits bin ich ja seit 13 Jahren im Team des Filmforums. Von daher kenne ich den täglichen Ablauf eines Kinos von der Pike auf. Was ein bisschen weh tut ist, dass wir die November- und Dezember-Programme, an denen wir intensiv gearbeitet haben, nicht zeigen können.

Wie schwierig empfinden Sie es, in die Fußstapfen von Herrn Roth zu treten? Immerhin hat er das Filmforum lang erfolgreich geleitet...

Jemanden wie Klaus-Peter Roth kann man einfach nicht ersetzen. Für mich ist er ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben geworden. Ich würde mir niemals anmaßen, genau er sein zu wollen. Mein Anspruch ist es, authentisch zu sein. Wir sind übrigens glücklich, dass jemand wie ich, der aus dem Team kommt, überhaupt eine Chance im Bewerbungsverfahren bekam - und die Nachfolge jetzt sozusagen in der Familie bleibt. So können wir weiter an dem arbeiten, was seit 40 Jahren aufgebaut wurde. Es geht ja um den Geist des Kinos und unseres Teams.

Klaus-Peter Roth sagt von sich, dass er seine "Filmausbildung" im Kino bekommen habe. Wie ist das bei Ihnen?

Ich habe erst eine Fotografenlehre gemacht und bin dann immer mehr zum bewegten Bild gekommen. Das hat mich so gepackt, dass ich in Mainz Filmwissenschaft studierte. Das war eine tolle Sache, auch, weil ich noch bei Professor Thomas Koebner studieren konnte, der ein Riesenvorbild für mich ist. An der Uni habe ich lange Zeit die Videothek geleitet und mich auch in meinen Nebenfächern Philosophie und Ethnologie intensiv mit Filmfragen beschäftigt. Nach dem Grundstudium habe ich im Nebenjob dann angefangen als Filmvorführerin im Kino zu arbeiten - das mache ich jetzt seit 2001. Im Laufe der Zeit habe ich fast alle Frankfurter Kinos durchgemacht, Berger, Harmonie, Cinema, Orfeos Erben, bis ich hier angekommen bin.

Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer Arbeit setzen - und was möglicherweise anders machen als ihr Vorgänger?

Das Wesentliche ist erstmal, dass unser Geist des kollektiven Seins erhalten bleibt. Ich beneide Klaus-Peter Roth um die Zeit der 70er und 80er Jahre, als man so intensiv miteinander diskutiert hat. Das möchte ich noch stärker in unserem Team hervorholen und etwa in Form von zusätzlichen Treffen wieder anstoßen. Ansonsten kann ich mir vorstellen, dass wir wieder neu inhaltliche Reihen etablieren. So dass ein Zuschauer gezielt sagen kann: Ich gehe jeden Monat ins Filmforum, um mich mit diesem bestimmten Thema zu beschäftigen.

Wäre das auch eine Form der Publikumsbindung nach überstandener Corona-Zeit?

Ja. Es wird nach der Pandemie darum gehen, dem Publikum klar zu machen, wie wichtig das Kino als öffentlicher Treffpunkt ist. Das ist das, was Herr Roth im Laufe der Jahre geschafft hat: Ein Stadtteilkino mit internationalem Ruf zu etablieren. Denn das Kino ist in Gefahr, weil die Menschen individualisiert sind und nur noch über Konsum nachdenken. Wir müssen wieder den sozialen Ort neu beleben, wo man sich gemeinsam trifft und diskutiert.

Das dürfte schwer sein angesichts der Streaming-Dienste, die einen alle denkbaren Filme aufs Tablet holen lassen. Da wirkt das Filmforum mit seinem Saal und den roten Polstersesseln wie aus der Zeit gefallen.

Das Filmforum ist ein Ort mit eigener Persönlichkeit. Es ist keine große Kinokette, wo ich die Menschen nicht kenne, in der Anonymität eines riesigen Saales sitze und Popcorn esse. Wir bieten einen besonderen Mix an: Ein Wohnzimmergefühl, aber gleichzeitig kann ich in Ruhe mit gutem Bild und Ton einen Film genießen. Und wenn ich öfters komme, kenne ich auch die anderen Menschen, kann mit ihnen diskutieren. Oder den Filmvorführer oder Filmvorführerin bitten, die Lautstärke zu ändern.

Seit 1996 ist das Filmforum bekannt für seine alljährlichen Festivals des kubanischen und afrikanischen Films. Werden sie daran festhalten oder solche Kooperationen gar ausbauen?

Auf jeden Fall. Ich war ja auch in diesem Jahr kurz vor dem Lockdown in Havanna, um Regisseure und Regisseurinnen zu treffen und Filme mitzunehmen für unser "Cuba im Film"-Festival. Umso glücklicher war ich, dass wir im Oktober das Festival wenigstens in Ansätzen noch durchführen konnten. Ich bin gespannt, ob unsere "Africa Alive"-Reihe im Februar stattfinden kann. Aber auch für unsere anderen Festivals gilt: Sie sind Teil unserer kulturellen und politischen Aufgabe. Gerade im Film lernt man viel über andere Menschen und fremde Kulturen. Das hilft, Barrieren abzubauen, insbesondere wenn man den Film im Original sieht.

Welchen Film würden Sie auf die berühmte einsame Insel mitnehmen - und warum?

Ich habe mich für meinen ersten Lieblingsfilm entschieden: "Himmel über Berlin" von Wim Wenders. Davon habe ich mir sogar das Drehbuch besorgt und kenne die ersten Verse auswendig. Wenn ich auf einer Insel bin, einsam und Angst habe, dann wüsste ich doch: Es gibt vielleicht diese Engel, die einen nicht alleine lassen.

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