fff_KammererMainViertelSchw
+
Mit bunten Weihnachtspäckchen, gekauft in den Stadtteilen, soll der leere Einkaufswagen gefüllt werden. Dafür werben Ernst Schwarz (r.) und Kaweh Nemati vom Dachverband der Gewerbevereine.

Geschäfte in Frankfurt

"Den Einzelhändlern brennt der Kittel"

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
    schließen

Der Dachverband der Gewerbevereine wirbt für den Weihnachtseinkauf im eigenen Viertel

Noch ist er leer, der stählerne Einkaufswagen auf Schlittenkufen, der auf dem Plakat prangt, das Ernst Schwarz vorsichtig am Schaufenster befestigt. Schöner wäre es freilich, wenn der Wagen gefüllt sei, sagt der Vorsitzende des Dachverbandes der Frankfurter Gewerbevereine. Gefüllt mit all den Dingen, die man in den Frankfurter Stadtteilen und Einkaufsstraßen so findet. Das Buch vom Lieblings-Buchladen um die Ecke, den schicken Schal aus der kleinen Modeboutique oder die süßen, handgemachten Pralinen aus der Konditorei.

"Es gibt so viele Möglichkeiten, vor Ort, nur wenige Minuten Fußweg von den eigenen vier Wänden entfernt, seinen Einkaufswagen zu füllen und zugleich den lokalen Einzelhandel damit zu unterstützen. Das ist besonders in dieser, für uns allen so schwierigen Zeit wichtig", sagt Ernst Schwarz. Deswegen habe der Dachverband für die Vorweihnachtszeit diese ganz besondere Kampagne rund um den leeren Einkaufswagen, der gefüllt werden soll, ins Leben gerufen. 500 Plakate wurden bereits bedruckt und werden in den kommenden Tagen in den Schaufenstern der Gewerbetreibenden ausgehängt.

"Den Gewerbetreibenden brennt der Kittel", sagt Ernst Schwarz, der dies nicht nur als Vorsitzender von den Mitgliedern immer wieder hört. Nein, er spürt es selber. Zusammen mit seiner Frau Anita betreibt er das Geschäft "Pelze am Dornbusch". Die Kunden sind vorsichtiger geworden, sagt Ernst Schwarz. Modeboutiquen und Schuhgeschäfte, aber auch Elektroläden und sogar Frisöre seien besonders betroffen. Letztere vor allem, weil derzeit keine kulturellen Veranstaltungen stattfinden, weil der gemütliche Restaurantbesucher mit dem Liebsten derzeit nicht möglich ist. Das Aufhübschen vor dem Ausgehen fällt damit weg. "An solchen Dingen sieht man, wie eng alles miteinander verknüpft ist, die Gastronomie, die Kultur und der Einzelhandel. Wir sitzen alle in einem Boot", spricht sich Schwarz deswegen auch klar für mehr Unterstützung für den Handel aus.

Zunächst möchten man diesen aber mit der Kampagne unterstützen. Und zwar nicht nur die kleineren Geschäfte in den Stadtteilen, auch die Läden auf der Zeil sollen eingebunden werden. Weil es allen schlecht geht, sagt Ernst Schwarz und wirbt dafür, vorher zu überlegen, ob man das Buch oder die DVD, das neue T-Shirt oder das Spielzeug für die Enkel nicht auch vor Ort kaufen oder zumindest bestellen kann. "Das würde viel helfen", so Schwarz.

Jeder lokale Kauf leiste einen kleinen Beitrag, damit die lokale Wirtschaft besser durch die Corona-Zeit komme. Auch wenn man vielleicht kurz in der Schlange stehen und eine Maske tragen müsse. "Aber das ist nur eine kleiner Preis, um gemeinsam durch die Krise zu kommen", sagt Schwarz. Mit dieser Entscheidung sichere man nicht nur Arbeits- und Ausbildungsplätze, sondern trage auch dazu bei, dass die Stadt lebenswert bleibe. Zudem gehe nichts über den persönlichen Kontakt und die persönliche Beratung.

Ein Service, der durch eine Verschärfung der Maßnahmen während der Corona-Pandemie und eine Ausgangssperre verlorenginge. Denn dann müssten die Geschäfte wieder schließen. Ein Szenario, das Ernst Schwarz durchaus bewusst ist. "Das wäre wirklich eine Katastrophe", sagt er. Vor allem jetzt im Weihnachtsgeschäft, in dem die ohnehin schlechten Zahlen des Jahres vielleicht noch ein wenig verbessert werden könnten. Aber sollte es wirklich so weit kommen, sagt Schwarz, dann vertraue er auf die Kreativität der Geschäftsleute. Die schon im ersten Lockdown bewiesen haben, dass sie Möglichkeiten finden, auch weiterhin für ihre Kunden da zu sein. Sei es online oder telefonisch.

"Wir werden das gemeinsam durchstehen", sagt Schwarz. Deswegen habe man für Anfang des nächsten Jahres bereits eine größere Kampagne unter dem Motto "MainViertel" geplant. "Damit unsere Stadtteile weiter lebens- und liebenswert bleiben", sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare