Wirtin Mary Massieu (r.) hat in ihrem Lokal eine Eintracht-Ecke - wie Gert Bugdoll, Greta Gietz und Norbert Ulshöfer (v.li.) sieht sie einen Zusammenschluss mit der Eintracht als Chance für die SG. foto: reuß
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Wirtin Mary Massieu (r.) hat in ihrem Lokal eine Eintracht-Ecke - wie Gert Bugdoll, Greta Gietz und Norbert Ulshöfer (v.li.) sieht sie einen Zusammenschluss mit der Eintracht als Chance für die SG. foto: reuß

Nied: Vereinszusammenschluss

"Die Fusion ist eine Riesenchance"

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Viele SG-Mitglieder können sich einen Zusammenschluss mit der Eintracht vorstellen

Unter den 2000 Mitgliedern der SG Nied wird der mögliche Zusammenschluss mit der Eintracht derzeit leidenschaftlich diskutiert - im von Mary Massieu geführten SG-Vereinslokal, der Nidda-Kampfbahn, springt die Sympathie zwischen dem Traditionsverein im Westen und dem noch größeren vom Riederwald dem Betrachter sofort ins Auge. Denn dort, wo Fußballfans ohne Lockdown sonst bei Live-Übertragungen der Eintracht mitfiebern können, hat Massieu Puppen in voller SGE-Fan-Montur drapiert.

Auch wenn die Adler für die Eintracht Frankfurt AG kicken, ihr Verein aber mit der Eintracht e.V. über eine Fusion verhandelt: Viele SG-Mitglieder können sich mit der Vorstellung einer Fusion gut anfreunden. "Die Eintracht ist für uns und für den Sport im Westen eine Riesenchance", macht etwa Gert Bugdoll gegenüber dieser Zeitung deutlich. Von 2003 bis 2015 war er selbst Vorsitzender der SG Nied und leitet immer noch die Boxabteilung.

Er glaubt, dass ein Zusammenschluss, über den die Mitglieder voraussichtlich im Mai abstimmen werden, die richtige und für das finanzielle Überleben des Vereins unumgängliche Entscheidung ist. Für die Mitglieder werde sich nicht viel ändern. "Und auf der dann sanierten Niddahalle, die ja ein altes Mädchen ist, hängt dann statt des Kleeblatts irgendwann ein Adler dran", sagt er.

Stolze 74 Jahre lang ist Greta Gietz (84) schon Mitglied der SG. "Als junges Mädchen fing ich beim Kinderturnen an", erinnert sie sich. Später übernahm sie als Trainerin, von der Koronar-Gruppe über Frauengymnastik bis zum Kindertanz, viel Verantwortung für ihren Verein. Genau dies, das ehrenamtliche Anpacken, fehle heute - und sei ein Grund dafür, dass ihr Verein derzeit in großer Not steckt. Umso wichtiger sei es, dass mit der Eintracht nun ein starker Partner gefunden ist, der das Überleben der SG sichern könne.

Grundsätzlich ist zwar auch Norbert Ulshöfer, seit 58 Jahren engagiert im Verein, dafür, den rettenden Strohhalm namens Eintracht zu ergreifen. Er räumt aber ein, noch skeptisch zu sein, denn: "Fast alle wichtigen Fragen sind noch ungeklärt." Er nennt unter anderem diese: "Wie geht es mit den Abteilungen weiter? Sollen unsere Handballer zum Training und Spiel in den Riederwald fahren? Bleibt das Beachturnier in Nied? Wird unsere Gaststätte endlich renoviert?" Solange es keine Antworten darauf gebe, sei es zu früh, im Mai über eine Fusion abstimmen zu lassen.

Und wie ist der Stand der Gespräche zwischen den beiden Clubs? Geschäftsführer Heiko Walldorf hält sich auf Anfrage bedeckt. Um Missverständnisse zu vermeiden, hätten sich beide Vereine darauf geeinigt, künftig mit einer Stimme zu sprechen. Die Öffentlichkeit werde, so Walldorf, in der nächsten Woche informiert, alle Fragen sollen dann beantwortet werden.

Eine davon dürfte sein, inwieweit die SG, die sich mit dem Gründungsjahr auf den 1877 ins Leben gerufenen Turnverein Nied beruft, ihr eigenes Profil und ihre Tradition bewahren kann, wenn sie in der Eintracht aufgeht. Er selber sei erst seit mehr als fünf Jahren in Nied und deshalb noch nicht so stark verwurzelt. "Aber wir haben Vereinsmitglieder, die schon als kleine Kinder beim Landesturnfest in Berlin oder München die SG-Fahne trugen", berichtet Heiko Walldorf. Dass bei ihnen angesichts eines Zusammenschlusses "auch Wehmut mitschwinge", sei nur allzu verständlich. Dennoch gelte es, die Chancen und Vorteile einer Fusion zu sehen.

"Mir als Geschäftsführer ist besonders wichtig, dass vor allem junge Menschen weiter auf unseren Anlagen Sport treiben können - anstatt auf der Gass' irgendeinen Quatsch zu machen". Dem Kind sei es ganz egal, "ob es seinen Sport unter einer grünen oder einer roten Fahne macht".

michael forst

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