An der Unfallstelle in Frankfurt, wo der 73-jährige Radfahrer von einem LKW erfasst wurde, haben Menschen Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.
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Blumen und Kerzen stehen an der Unfallstelle. Dort, wo auch der kleine Enkel Floyd um seinen tödlich verunglückten Großvater trauert.

Ginnheim: Horror-Unfall

Nach tödlichem Unfall: Kreuzung soll sicherer werden

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Ein Radfahrer wollte seinen Enkel von der Schule in Frankfurt abholen. Er wird von einem Lkw erfasst und getötet. Jetzt werden Verbesserung an der Unfallkreuzungen geplant.

  • Ein LKW erfasste einen Radfahrer in Frankfurt, der dadurch stirbt.
  • Die Familie des getöten Radfahrers in Frankfurt setzt sich für Verbesserungen an der Kreuzung ein.
  • Nach dem Unfall mit dem getöteten 73-jährigen Radfahrer soll die Kreuzung in Frankfurt sicherer gemacht werden.

Frankfurt – Rote Rosen und brennende Kerzen stehen auf dem Gehweg an der Ecke Ginnheimer Hohl/ Hügelstraße, täglich kommen mehr Blumen und Lichter hinzu. Ein Junge beugt sich über das Blumenmeer und hält kurz inne. Es ist der elfjährige Floyd, der am Rande der Kreuzung steht - an der Kreuzung, an der vergangene Woche Mittwoch sein Opa (73) tödlich verunglückt ist. Als er mit dem Fahrrad zur Wöhlerschule unterwegs war, um seinen Enkel abzuholen. "Wir sind immer noch in Schockstarre", sagt Floyds Vater, Marc Hense.

Frankfurt: Rechtsabbiegender Lkw erfasst Radfahrer

Es ist Mittwoch, der 9. Dezember, als Günter Hense sich um 12.45 Uhr in der Woogstraße auf sein Pedelec setzt und losfährt. Wie jeden Mittag will er mit dem Fahrrad seinen Enkelsohn am Dornbusch abholen und dann von dort aus gemeinsam nach Hause radeln. Die Ampel an der Kreuzung Ginnheimer Hohl und Hügelstraße zeigt "Rot". Hense stoppt auf der für Radfahrer markierten Aufstellfläche. Neben ihm steht ein Lastwagen.

Als die Ampel auf Grün schaltet, fährt Günter Hense in Richtung Raimundstraße los. Der Fahrer des Lkw, 55 Jahre alt, fährt ebenfalls los. Er will nach rechts abbiegen. Günter Hense wird von dem Lkw erfasst, er stürzt auf die Straße, sein Fahrrad gerät unter den Lastwagen. Es ist 12.55 Uhr.

Getöteter Radfahrer in Frankfurt: Anteilnahme in Frankfurt ist groß

Währenddessen steht sein Sohn Marc Hense im Fahrradgeschäft der Familie in der Woogstraße. Wenige Minuten später wird er über den Unfall informiert. "Ich bin zur Kreuzung, ich habe meinen Vater auf der Straße liegen gesehen, die vom Lastwagen zermalmte Abdeckung des Fahrradakkus hing noch unter dessen Rädern", sagt er. Sein Vater sei schon nicht mehr ansprechbar gewesen und in der Unfallklinik kurz darauf gestorben. Er habe keine Chance gehabt, zu schwer seien die Kopfverletzungen gewesen. Trotz des Fahrradhelms.

"Die Anteilnahme der Ginnheimer war groß gewesen", sagt Marc Hense. Das hätten er und seine Familie nicht nur durch das Aufstellen der Kerzen und Blumen an der Unfallstelle gesehen, sondern auch gespürt. Immer wieder kamen Menschen in den Fahrradladen, um ihr Beileid auszusprechen. Denn Günter Hense war bekannt. Und beliebt. "Er war so lebensfroh, er war fit. Jeden Tag hat er mir gesagt, wie glücklich er ist", sagt Marc Hense. Stets sei er eine große Stütze gewesen, eine Stütze, die nun weg ist. Jetzt müsse man erst mal den Alltag sortieren. Neu sortieren.

Getöteter Radfahrer in Frankfurt: Kurzfristige Verbesserungen angedacht

Marc Hense, der für die BFF im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) politisch aktiv ist, spricht jetzt so offen über den Unfall, weil er damit dazu beitragen will, dass eine solche Tragödie nicht noch einmal passiert. Zumal über diese Kreuzung, die für Radfahrer an einigen Stellen sehr unübersichtlich sei, immer wieder diskutiert wurde. Erst vor wenigen Monaten hatte der Ortsbeirat gefordert, die Markierungen besser zu ordnen. 2010 wurde ein Kreisverkehr vorgeschlagen, den der Magistrat aber ablehnte.

An dieser Ecke in Frankfurt ereignete sich der Unfall mit tödlichen Folgen.

Als kurzfristige Lösung schlagen Hense und der BFF-Fraktionsvorsitzende Thomas Budenz vor, die Ampel für die Kraftfahrzeuge in die Ginnheimer Hohl zu versetzen und eine Fahrrad-Ampel zu installieren. "Dann stünden die Radfahrer zehn bis zwölf Meter von den Fahrzeugen entfernt und würden auf jeden Fall gesehen", sagt Hense. Er macht dem Lkw-Fahrer keinen Vorwurf, er habe seinen Vater nicht sehen können.

Unfälle von Radfahrern mit rechtsabbiegenden Lkws passieren öfters

Wie es genau zu dem Unfall kam, das müsse nun die Unfallkommission klären, sagt Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Frankfurt. Nach Rücksprache mit dem Straßenverkehrsamt weiß er aber, dass kurzfristige Maßnahmen ergriffen werden sollen. So soll die Aufstellfläche von zwei auf fünf Meter vergrößert und sollen die Radwege rot markiert werden. "Als Radfahrer sollte man sich immer vor oder hinter dem Schwerlastverkehr aufstellen, um sicher zu gehen", sagt Giebeler. Dies sei nicht als Vorwurf zu verstehen. Günter Hense habe die Kreuzung sehr gut gekannt, er habe gewusst, worauf er achten musste. Leider gebe es immer wieder tödliche Unfälle mit rechtsabbiegendem Schwerlastverkehr, sagt Giebeler: "Es war ein tragisches Unglück, das jetzt aufgearbeitet werden muss". (Judith Dietermann)

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