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Ist von der Hilfsbereitschaft überwältigt: Studentin Alice Merscher. foto: Rainer rüffer

Sachenhausen: Spendenaufruf

"Frankfurter sind wunderbare Menschen"

  • vonSabine Schramek
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Studentin sammelt Geld, damit afrikanisches Mädchen zur Schule kann

Als Alice Merscher (20) vor zwei Jahren das Abitur in der Tasche hatte, wollte sie etwas "Soziales mit Kindern und Tieren machen. Und zwar im Ausland". Sie suchte und fand massenweise Projekte mit Kindern oder mit Tieren. Dann stieß sie auf die Busch-Schule und Tier-Auffangstation "Daktari" in der südafrikanischen Provinz Limpopo bei Hoedspruit, nicht weit vom Kruger Nationalpark entfernt.

Zwei Monate als Volontärin

Zwei Monate war sie im Camp als Volontärin, kümmerte sich um verletzte oder verlassene Tiere und um Schulkinder aus umliegenden Dörfern, um ihnen in Projekten neben Englisch, Mathe und Erdkunde die heimische Tierwelt, Umweltschutz und ihr eigenes kulturelles Erbe näher zu bringen. Dort lernte sie auch die heute sechsjährige Momo und ihre Mutter Pretty kennen, die in einem kleinen Dorf leben. "Wir haben uns angefreundet und den Kontakt gehalten", so Merscher mit glänzenden Augen. Sie schaut Fotos auf ihrem Laptop an und die Sehnsucht nach Südafrika spiegelt sich eins zu eins in ihrem Blick. "Die Leute sind so herzlich, so lieb. Und die Tiere so spannend und wunderschön", sagt sie und schluckt.

Beim Chatten mit Pretty hat ihr die alleinerziehende Mutter nebenbei erzählt, dass sie das Geld für das Schuljahr von Momo nicht aufbringen kann. "Ungerechnet 340 Euro sind das. Erstens finde ich es unfair, dass öffentliche Schulen in einem armen Land Geld für Bildung verlangen. Bildung ist doch so wichtig. Zweitens dachte ich mir, dass die Summe in Deutschland zu stemmen sein muss", so Merscher, die ehrenamtlich beim evangelischen Jugendwerk Kinder- und Jugendfreizeiten macht, seit ihrem sechsten Lebensjahr als Tänzerin und als Trainerin bei der Sachsenhäuser Karnevalsgesellschaft ist, Biologie und Sport auf Lehramt studiert und nebenbei in einem Fitnesscenter jobbt. "Wegen Corona ist alles, was ich privat am liebsten mache, weitgehend unmöglich", sagt sie und krault ihren Tiger-Kater Findus, während Kater Sammy "irgendwo schläft. "Auch das Fitnessstudio hat zu", erzählt sie.

Resonanz war überwältigend

Die engagierte junge Frau wollte Momo und ihrer Mutter trotzdem helfen. "Auf Facebook und Insta-gram habe ich die Geschichte kurz geschildert und dachte, dass ein paar Freunde oder Familie etwas geben würden. Was dann kam, war unglaublich", erzählt sie aufgeregt.

"Mein Handy ist explodiert. Ich war völlig überfordert. Es war überhaupt nicht geplant, dass das so ein großes Ding wird. In vier Stunden waren 340 Euro zusammen. Nach fünf Tagen waren es 2300 Euro." Ihre Freunde und ihre Familie haben - wie sie es vermutete - gespendet. "Plötzlich waren da aber auch Leute, die ich gar nicht kenne, die 100 Euro gegeben haben. Ich bin total überwältigt von der Wärme und Hilfe der Frankfurter".

Als sie mit Pretty chattet und ihr die Summe auf einem Blatt Papier zeigt, schlägt die junge Mutter die Hände über den Kopf und fängt vor Freude an, zu weinen. "Sechs Jahre Schulgebühren sind für Momo jetzt sicher", freuen sich Merscher, Pretty und Momo. Das Geld hat Merscher über Paypal erhalten. "Die Buchführung für das Konto für Momos Schule war ganz schön aufwendig", so die Studentin. Ihr Traum ist es, wieder dorthin zu reisen, um Mutter, Tochter und ihre anderen Freunde auch bei Daktari zu besuchen. "Wegen Corona geht auch das momentan nicht. Aber die Zeit wird kommen."

Giraffen und Erdmännchen

Ihre Lieblingstiere dort sind Giraffen und Erdmännchen. Schlimm findet sie, dass Schulbesuch in Südafrika Geld kostet und jedes Jahr teurer wird. Und, dass viele Kinder wegen Armut kaum Gelegenheit haben, ihr eigenes Umfeld mit Wildleben und Kultur richtig kennenzulernen. "Was immer und überall geht, ist helfen", sagt sie. "Wer jemanden kennt, der Hilfe braucht, kann doch einfach fragen. Mehr, als dass man eine Absage bekommt, kann ja nicht passieren. Wie Frankfurt auf meine Bitte reagiert, ist einfach nur wundervoll. Ich wünsche mir eine bessere Welt, in der sich jeder engagiert, um Armut zu verhindern, Bildung zu fördern und Sorgen zu nehmen. Eine Welt, in der jeder den Mut hat, sich für andere einzusetzen." SABINE SCHRAMEK

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