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Gewinner des Gründerpreises 2020: "raumvonwert" mit Bastian Amberg, Lukas Wagner und Katja Becker (von links).

Frankfurter Start-ups

"raumvonwert" gewinnt mit der Treppe "Klappster" den Frankfurter Gründerpreis

  • vonKatja Sturm
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Eigentlich brauchten sie nur mehr Platz in ihrer WG. Doch irgendwann wurde Bastian Amberg, Lukas Wagner und Katja Becker klar, dass sie mit ihrer Idee die Welt verändern könnten.

Frankfurt Es hat eine Weile gedauert, bis Bastian Amberg und Lukas Wagner merkten, wie innovativ sie eigentlich waren. Die beiden Freunde hatten vor ein paar Jahren für das kleine Domizil, das sie damals in Frankfurt für eine WG nutzten, einfach nur eine platzsparende Treppe gebraucht. Dass diese ihnen und ihrer Bekannten Katja Becker den Weg zu einem eigenen Unternehmen und dem mit 12 500 Euro dotierten ersten Platz beim Frankfurter Gründerpreis 2020 weisen würde, daran hatten sie bei der Entwicklung nicht gedacht.

Klapster, wie die schmale Stiege heißt, die sich nach Gebrauch leicht Richtung Wand schwenken lässt und trotzdem formschön aussieht, wurde 2019 zur "Treppe des Jahres" bestimmt. Doch die Erfindung stellt nur die erste einer Reihe von Ideen des Trios von "raumvonwert" dar, um kleine Räume möglichst ökonomisch und einzelne Wohnelemente multifunktional zu nutzen.

42 Prozent Frauen unter den Bewerbern

Somit passt das Start-up bestens in die Zeit, wie die aus 14 Mitgliedern bestehende Jury der Auszeichnung fand, die die Stadt gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Frankfurt am Montagabend zum 20. Mal vergab. Corona-bedingt wurde der Kreis der Gäste im Kaisersaal des Römers kleingehalten, die Veranstaltung, die bereits im Frühjahr hätte stattfinden sollen, wurde jedoch per Livestream übertragen.

26 Bewerbungen von insgesamt 36 Gründern waren eingereicht worden. Darunter befanden sich laut Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) 42 Prozent "extrem starke" Frauen. Fünf junge Unternehmen erreichten das Finale. Die Entscheidung, wer für seinen Mut wie belohnt werden würde, sei sehr eng gewesen.

So gab es gleich zwei Drittplatzierte, die sich über jeweils 3750 Euro freuen können: Marlen Richter und Christina Schwab, die in ihrer "Auffüllerei" in der Höhenstraße Lebensmittel und Kosmetika ohne Plastikverpackungen anbieten, sowie die "Backhelden" Luwam Tecle-Debesay und Joel Tecle, die es mit ihren im Internet vertriebenen Komplettsets auch Küchenlaien möglich machen, problemlos Torten mit Einhorn- oder Dinosauriermotiven anzufertigen.

Gewaltig erscheint derweil die Aufgabe, die sich der zweitplatzierte Architekt Alamir Mohsen gestellt hat. In seinem 2018 gegründeten Büro "LithiumDesigners" plant er mittels 3D-Druck-Technik gemeinsam mit seinen acht Mitarbeitern Fassaden, und könnte bald weltweit der Erste sein, der auf diese Art Hochhäusern ein anderes Aussehen als das gewohnte gibt. Dieses Fortschrittsdenken wurde mit 10 000 Euro belohnt.

Einen Sonderpreis in Höhe von 1000 Euro bekam die Modedesignerin Rahel Zemuye zugesprochen, die unter ihrem eigenen Label Kleidung aus ostafrikanischen Stoffen entwirft, die nicht dem entspricht, was gängigerweise mit der dortigen Kultur verbunden wird.

Kein Verzicht trotz enger Räume

In Tagen von vermehrtem Homeoffice sehen sich die Macher von "raumvonwert" sehr gefragt. Viele müssten zu Hause arbeiten, obwohl sie keinen geeigneten Platz dafür haben. Hierfür wollen Amberg, der als studierter Architekt der Design-Chef im Unternehmen ist, und seine beiden Kollegen Lösungen anbieten. Doch sie beschäftigen sich außer mit einzelnen Möbeln und geschickt an die Bedürfnisse angepassten Zimmern und Ecken auch mit größeren Projekten und Gesamtkonzepten wie etwa der Einrichtung von Tiny Häusern.

"Mehr Platz ohne Verzicht" benannte der Jury-Vorsitzende Oliver Schwebel das Motto der Truppe, deren Mitglieder zwischen 31 und 34 Jahre alt sind. Eine "Mission", die sich in Frankfurt umso mehr anbietet, da Wohnungsmarkt und Mietniveau oft wenig Spielraum lassen. Im Tatcraft in der Gwinnerstraße haben die kreativen Köpfe inmitten Gleichgesinnter die passende Umgebung gefunden, um sich weiterzuentwickeln.

Den Blick freigeben auf das, was möglich sein könnte, das haben sie sich vorgenommen. Die studierte Betriebswirtschaftlerin Katja Becker erinnert an die eigenen Erfahrungen: "Wir haben unsere Treppe jahrelang vor uns gesehen und erst viel später erkannt, wie viel Potenzial in ihr steckt."

Stadtrat Markus Frank schürte mit einem doppelt passenden Zitat den Optimismus: "Wer beim Gründerpreis auf dem Treppchen steht, hat eine große Zukunft vor sich."

Info: Der Frankfurter Gründerpreis

Den Frankfurter Gründerpreis gibt es seit dem Jahr 2001. Seitdem wurden mehr als 70 Startups damit ausgezeichnet, von denen sich laut Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) etwa 80 Prozent noch immer auf dem Markt befinden. Unter denen, die von ihren Eigentümern verkauft wurden, war eines dem Interessenten einen zweistelligen Millionenbetrag wert. Insgesamt 32 000 Arbeitsplätze wurden durch die neuen Unternehmen bisher geschaffen.

Frankfurt gilt als gutes Pflaster für Gründer. Nach Angaben von Oliver Schwebel, dem Jury-Vorsitzenden und Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, wurden allein im vergangenen Jahr 7347 Unternehmen in der Großstadt am Main eröffnet. Damit gehört sie zu den Top 50 der Welt in puncto Gründungsintensität. In der Hauptstadt Berlin sei die Zahl der Startups zwar insgesamt höher, doch pro Kopf gerechnet bewege man sich auf gleichem Niveau.

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