Die Stadtteile sind sicher und sollen es auch bleiben, sagt Tarik Chaikhoun, der neue Schutzmann vor Ort. Konflikte will er mit Ruhe, Respekt und Augenmaß bereinigen. foto: rainer rüffer
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Die Stadtteile sind sicher und sollen es auch bleiben, sagt Tarik Chaikhoun, der neue Schutzmann vor Ort. Konflikte will er mit Ruhe, Respekt und Augenmaß bereinigen. foto: rainer rüffer

Gallus: Sicherheit

"Schon als Kind wollte ich immer helfen"

  • vonGernot Gottwals
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Stadtteil hat einen neue Schutzmann vor Ort

Wenn Polizeioberkommissar Tarik Chaikhoun vor Ort auf dem Schönplatz ist, dann verbindet er gerne das Angenehme mit dem Nützlichen. "Wenn ich beim Kiosk einen Espresso trinke und mich erkundige, ob die Kunden ihren Müll entsorgen, auf den Alkoholkonsum und die Nachtruhe der Anwohner achten, dann zeige ich Nähe zu den Bürgern und ihren Anliegen", betont er.

Wobei es in Corona-Zeiten auch vorkommt, dass der 36-Jährige eine Feierabendrunde an die Abstands- und Maskenpflicht erinnern muss. Seit dem 28. Oktober ist er hauptamtlich als Schutzmann vor Ort im Gutleutviertel und Gallus unterwegs, kümmert sich um Müllprobleme durch campierende Wohnsitzlose oder Ruhestörungen und Belästigungen durch Alkohol- und Drogenkonsumenten ebenso wie um Verkehrsstress, der im Gallus durch notorische Falschparker oder Elterntaxis entsteht.

Als Schutzmann vor Ort tritt Chaikhoun die Nachfolge seiner Kollegin Szusza Krippner an, die dieses Amt zusätzlich zu ihrem Schichtdienst wahrnahm. "Ich war dazu gerne bereit, da ich von der präventiven Polizeiarbeit überzeugt bin und diesen Dienst gut mit meiner Rolle als Familienvater verbinden kann", sagt Chaikhoun. Er betont, dass er dieses Amt gerne für mehrere Jahre ausüben und so bei der Erfüllung der Vorgaben helfen mag, dass jeder Stadtteil seinen eigenen Schutzmann vor Ort haben soll.

Diese Forderung wurde im Gutleutviertel jedoch im vergangenen Juli durch einen Ortstermin verstärkt, bei dem Anwohner über größere Gruppen von Alkohol- und Drogensüchtigen berichteten, die hemmungslos für Belästigungen durch Müll und Fäkalien, Pöbeleien und sogar Bedrohungen sorgen würden.

Ab Januar bietet er Sprechstunden an

Chaikhoun hat in den vergangenen Wochen das Nachbarschaftsbüro, die Kita am Westhafen und andere Institutionen in der Nähe der neuralgischen Stellen aufgesucht und sich die Probleme schildern lassen. Natürlich werde man die Situation im Umfeld der Abgabestelle für Methadon am Westhafen im Auge behalten und die Klienten ansprechen, von einem erhöhten Sicherheitsrisiko sei dort jedoch derzeit nicht die Rede. "Die Lage mag im Sommer noch mal anders gewesen sein. Doch obdachlose Menschen und Konsumenten, die sich auf der Straße aufhalten, wird es in einer Großstadt wie Frankfurt immer geben", räumt Chaikhoun ein. "Insgesamt kann ich aber auch in der Corona-Krise keine große Verdrängung aus dem Bahnhofsviertel erkennen, die die Situation im Gutleutviertel verschlimmert hat." Um die Sicherheit weiter zu verbessern, setzt Chaikhoun neben der Polizeipräsenz auf eine engere Vernetzung der Ansprechpartner sozialer Institutionen, will ab Januar wieder regelmäßige Sprechzeiten für die Bürger im Gallus und Gutleut dienstags von 14 bis 16 Uhr und mittwochs von 11 bis 14 Uhr einführen, wenn es die Corona-Krise zulässt. "Schon als Kind wollte ich immer einschreiten und helfen, wenn ich gesehen habe, das etwas falsch lief oder nicht in Ordnung war", erinnert er sich.

Chaikhoun wuchs in Bonames auf, absolvierte nach dem Abitur seinen Zivildienst im Jugendhaus am Bügel und begann zunächst ein Universitätsstudium in Politikwissenschaft und Sport. Mit 25 Jahren bewarb er sich für den Polizeidienst, arbeitete zunächst bei der Bereitschaftspolizei und beim Objektschutz im Polizeipräsidium, bevor er 2014 ins vierte Polizeirevier wechselte.

Als Schutzmann vor Ort hat Chaikhoun eine 41-Stunden-Woche, davon verbringt er etwa 14 Stunden auf Fußstreife. Im Gallus sind es die Elterntaxis, die öfter Grund zur Sorge bereiten. "Wenn die Eltern ihre Wagen vor der Schule dicht an dicht abstellen, und das auch noch in der Nähe von Fußgängerüberwegen, dann entstehen auf dem Schulweg für die Kinder leicht gefährliche Situationen", betont er. Hier bedarf es der ruhigen, respektvollen aber gezielten Ansprache, ebenso wie bei anderen Engpässen mit Parkplätzen. "Ziel ist es, darauf hinzuwirken, dass das Gegenüber trotz engem Terminplan genügend Zeit einplant, um andere Passanten und Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden."

Ob Chaikhoun vor Schulen, unter Brücken oder auf öffentlichen Plätzen agiert, ein Platzverweis ist für ihn immer nur das letzte Mittel. Dass es auch anders geht, zeigt sein Vorgehen auf dem Schönplatz. "Inzwischen verkauft der Kioskbetreiber keinen Alkohol mehr an angetrunkene Kunden. Er motiviert sie zur Müllbeseitigung und packt dabei auch selbst an, wenn es sein muss."

Und für den Fall aller Fälle hat er immer auch Alltagsmasken dabei, um jene Passanten zu versorgen, die sich mit dem Mund-Nasen-Schutz schwer tun.

Denn das Gutleutviertel, so seine Überzeugung, ist "save" - und soll es auch in der Corona-Krise bleiben.

Gernot Gottwals

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