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Kobaltblau, mennigrot und türkis: Der dreifache Kreis an der Decke des Ostchors ist Zeichen für den dreifaltigen Gott.

Wiedereröffnung in Frankfurt

"Viel schöner als erträumt"

  • vonBarbara Schmidt
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Die sanierte Frauenfriedenskirche begeistert nicht nur ihre Pfarrsekretärin.

Frankfurt -Sie gilt vielen als "Männerkirche". Doch was wäre die römisch-katholische Kirche ohne die Frauen? Frauen wie Kerstin Stoffels. Die 59-Jährige ist Pfarrsekretärin. Aber das beschreibt nur unzureichend, was sie in der Pfarrei St. Marien leistet. Denn Stoffels hat eine Leidenschaft: Frauenfrieden, die Pfarrkirche der Pfarrei neuen Typs an der Zeppelinallee in Bockenheim.

Nicht irgendein Gotteshaus ist das. Allein schon als Kirche, die von Frauen initiiert und gestiftet wurde, ist sie ein Unikat. Teilweise vom Munde abgesparte Pfennigbeträge spendeten Mitglieder des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) nach dem Ersten Weltkrieg, um sie zu ermöglichen, weiß Stoffels. Ein Ehrenmal für die Gefallenen, ein "steingewordenes Friedensgebet" hatte Ideengeberin und Initiatorin Hedwig Dransfeld im Sinn. Im Mai 1929 wurde das Gotteshaus, das heute als Bauwerk von nationalem Rang gilt, geweiht.

Aus 1,8 Millionen Euro wurden 5 Millionen

Gern hätte die Pfarrei den 90. Weihetag bereits wieder in ihrer Kirche begangen. Aber wie das häufig so ist bei Sanierungen: Es dauert meist länger und wird viel teurer, als ursprünglich gedacht. Das ist auch in Frauenfrieden so. Die aufwendige Sicherung des Fundaments und ein Innenanstrich waren zunächst geplant. "Gestartet sind wir mal mit Kosten um die 1,8, jetzt sind es 5 Millionen. Den Löwenanteil trägt das Bistum", weiß Stoffels, die dem Bauausschuss angehört und von Anfang an jede Überlegung, jede Wendung, jede Weiterung bei diesem Projekt mitgemacht und mitgelebt hat. Als Mitglied im Freundeskreis Frauenfrieden hat sie geholfen, Spenden zu sammeln. 400 000 Euro sind es mittlerweile. Ungezählte Stunden hat sie an der Festschrift für die bevorstehende Wiedereröffnung gearbeitet, mitgeplant am umfangreichen Programm, das es dazu geben soll(te), denn Corona hat auch hier vieles unmöglich gemacht. Den großen Pressetermin etwa. Also führt Kerstin Stoffels als Öffentlichkeitsarbeiterin, die immer wieder auch die Baustelle betreut, pandemiegerecht nur die Reporter dieser Zeitung durch "ihr" Frauenfrieden. Ob die Kirche so schön geworden ist, wie sie es sich erträumt hatte? "Noch viel schöner", sagt Stoffels mit einem glücklichen Lächeln und öffnet die Tür.

Schon der erste Eindruck ist ein ganz anderer, als ihn das monumentale, von Hans Herkommer entworfene Gotteshaus vor seiner Schließung im Frühjahr 2018 bot. Hell ist es im Innern geworden. Nicht nur, weil die Wände nicht mehr eintönig grau sind. Vielmehr hat die Entfernung der vier großen Platanen vor den Kirchenfenstern der Südwand, die mit ihrem Wurzelwerk das Bauwerk regelrecht untergraben hatten, dafür gesorgt, dass die Novembersonne ungehindert durch die Buntglasfenster fallen und vielfarbige Lichteffekte auf die Pfeiler zaubern kann. "Als es das erste Mal aufgetreten ist, da standen wir hier fassungslos", erinnert sich Kerstin Stoffels. Sie kann auch berichten, warum die Innenwände von Frauenfrieden jetzt "leben": Ein dreifacher Farbauftrag, erst die Grundierung im Ton des Putzes, dann ein aufgebürstetes Grün und schließlich ein mit dem Schwamm aufgetragenes Weiß hätten dafür gesorgt, dass die Flächen "atmen".

Die in Gelborange und Mennigrot gehaltenen Gewände der seitlichen Fenster setzen den Hochchor in Szene. An dessen 155 Meter hoher Stirnwand zeigen sich die Mosaikbilder nun auf graublauem Grund in neuem Glanz. Ausschließlich (heilige) Frauen, gleich 18 an der Zahl, hat der Künstler Friedrich Eberz um Christus am Kreuz gruppiert. Der Altar hier oben ist schon lange nur noch Ort für den Tabernakel. Im Kirchenschiff ist der neue Altar aus der Werkstatt von Tobias Kammerer noch ein wenig mehr nach vorn gerückt worden als sein Vorgänger. Er steht auf einem ebenfalls neu angelegten Podest aus schwarzem Terrazzo. Dass der Altar aus dem ungewöhnlichen Werkstoff Tombak, einer hochkupferhaltigen Messinglegierung, die Reliquien von drei Frauen (Lioba, Hildegard von Bingen und Katharina Kasper) aufnehmen wird, ist in Frauenfrieden nur konsequent.

Kerstin Stoffels hat allerdings noch ein paar Bauchschmerzen beim Gedanken daran, dass Bischof Georg Bätzing bei der Altarweihe am Sonntag, 22. November auf dem edlen Material des Altars kleine Feuer entzünden wird. l"67 Handwerksfirmen hatten wir hier und alle haben mit Herzblut gearbeitet", lobt Stoffels. Unermüdlich sei Architektin Ursel Härtter im Einsatz gewesen. Und auch die Restauratorin hat Kerstin Stoffels beeindruckt. Viel Frauenpower also in Frauenfrieden. Wie eigentlich überall in der katholischen Kirche, wenn auch nicht immer so sichtbar. Barbara Schmidt

Festliches und Führungen

Eine Teilnahme am Gottesdienst zur Wiedereröffnung der Frauenfriedenskirche ist nur noch per Livestream möglich. Das Bistum Limburg überträgt ihn am Sonntag, 22. November, von 10 Uhr an auf seiner Internetseite (www.bistumlimburg.de). Bereits am Samstag, 21. November, werden alle Glocken von Frauenfrieden - die Kirche besitzt das zweitgrößte Geläut Frankfurts - um 16.30 Uhr den Festtag einläuten. Eine Orgelvesper folgt um 17 Uhr, freie Plätze gibt es hier ebenfalls nicht mehr. Am Sonntag erstrahlt erstmals an der komplett renovierten Fassade die Figur der Regina Pacis in neuem Licht. Erste Kirchenführungen soll es am Sonntag, 6. und Sonntag, 13. Dezember, jeweils von 12.30 Uhr an geben.

Portalbau mit Regina Pacis.

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