Christiane Hachmuth (v.l.), Reinhold Dallendörfer, Ingo Fischer und Birgit Koch-Dallendörfer unterstützen Menschen in Granada mit ihrem Verein "Städtepartnerschaft Frankfurt Granada."  foto: weis
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Christiane Hachmuth (v.l.), Reinhold Dallendörfer, Ingo Fischer und Birgit Koch-Dallendörfer unterstützen Menschen in Granada mit ihrem Verein "Städtepartnerschaft Frankfurt Granada." foto: weis

Seckbach: Freundschaftsverein

"Wir lassen unsere Partner nicht im Stich"

  • vonFriedrich Reinhardt
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SECKBACH Verein feiert 30. Jahrestag der Städtefreundschaft zwischen Frankfurt und Granada

Für die Familie Dallendörfer aus Seckbach ist es heute ein besonderer Tag. Vor 30 Jahren unterschrieb der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schoeler den Städtepartnerschaftsvertrag mit der nicaraguanischen Stadt Granada. Lange hatten sich die Dallendörfer und ihre Mitstreiter im Seckbacher Verein "Städtefreundschaft Frankfurt-Granada" dafür eingesetzt.

Erste Projekte hatte der Verein schon auf die Füße gestellt, bevor die Städtepartnerschaft unterschrieben wurde. Eine Abwasserpumpe hatten sie etwa installiert, erzählt Reinhold Dallendörfer. Die sei dringend gebraucht worden. Infolge der Contra-Kriege seien viele Menschen aus dem Norden geflüchtet und campierten unter furchtbaren hygienischen Bedingungen, ohne Toiletten und kaum Trinkwasser.

Trinkwasser, Schule und Laternen

Die Städtepartnerschaft sollte die Unterstützung verstetigen und das tat sie auch. Mit Spenden, projektbezogenen Mitteln der Stadt Frankfurt, des Landes Hessen und des Bundes baute der Verein Toiletten, verlegte Rohre, um die Trinkwasserversorgung zu verbessern. Straßenbeleuchtung wurde installiert und 1992 baute er eine Vorschule. "Es ist die beste Vorschule in Granada, würde ich behaupten", sagt der 68 Jahre alte Dallendörfer. Damit dort auch Kinder mit Behinderungen gut unterrichtet werden können, organisierte "Städtefreundschaft Frankfurt-Granada", dass die Lehrer speziell ausgebildet werden.

Reinhard Dallendörfer war selbst Lehrer. Vor seinem Ruhestand leitete er die Schwanthaler Schule. Die Bildungsinitiative, mit der Nicaragua in den 80er Jahren die Analphabetenrate rapide senkte, habe ihn damals beeindruckt. Und überhaupt, wenn er über seine Motivation vor 30 Jahren spricht, fallen keine Sätze, die auf einen mitleidigen Blick auf die nicaraguanische Bevölkerung hindeuten. Im Gegenteil. Dallenhöfer spricht mit anerkennendem Staunen.

Ein Beispiel: Auf die Frage, warum er sich gerade für Nicaragua einsetzte, antwortet er in ruhigem, sachlichen Ton: "Bis 1979 herrschte in Nicaragua eine der schlimmsten Militärdiktaturen. Dass die Bevölkerung sie aus eigenen Kräften gestürzt hat, hat damals mich und viele Menschen beeindruckt." Der ehemalige Lehrer schwenkt den Blick dann auf die deutsche Geschichte. "Ob die Deutschen die Nazi-Diktatur ohne die Alliierten überwunden hätten, ich habe da meine Zweifel."

Stolz auf eine so lange Zeit

Nun, zum 30. Jahrestag der Städtepartnerschaft, sagt Dallendörfer: "Wir sind stolz, dass wir die Projekte so lange Zeit betreiben." Andere hätten sich im Laufe der Jahre anderen Themen zugewandt, wieder andere rückten von ihrem Engagement ab, weil die Bevölkerung in ihren Augen "die Falschen" gewählt hätten, wie es Dallendörfer ausdrückt. "Aber wir lassen unsere Partner nicht im Stich." Und man merkt, wenn er das so formuliert, dass er "Partner" meint, wenn er "Partner" sagt.

Viele Projekte des Vereins sind auf Dauer angelegt, etwa die Rechtsberatung in einem Frauenzentrum in Granada. Das Frauenreferat der Stadt Frankfurt finanziert dort eine Anwältin und Sekretärin, die Frauen beraten und Rechtshilfe leisten. Oder die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr in Granada. Die Frankfurter Berufsfeuerwehr war zu mehreren Ausbildungsmissionen in Granada. Derzeit arbeite der Verein daran, einen Container mit Kettensägen und einem Mannschaftswagen zu schicken. Ein Freundschaftsgruß zum 30. msr

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