Die Familie Rakow hatte auf das Problem bei der Finanzierung ihrer Immobilie in Nieder-Erlenbach aufmerksam gemacht.
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Die Familie Rakow hatte auf das Problem bei der Finanzierung ihrer Immobilie in Nieder-Erlenbach aufmerksam gemacht.

Startprogramm für Familien

Rabatt für Häuslebauer gibt es in Frankfurt jetzt früher - Stadt reagiert auf Kritik

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Nach Kritik ändert die Stadt Frankfurt die Richtlinien fürs „Startprogramm für junge Familien“. Bislang wurde der Rabatt erst nach dem Einzug in die eigene Immobilie gewährt.

Frankfurt - Warum hat die Stadt jungen Familien die Hausbau-Finanzierung erschwert, obwohl sie fördern soll und will? Immobilienstadtrat Jan Schneider (CDU) hat nun vor der Stadtverordnetenversammlung zu dem Fall, den diese Zeitung an die Öffentlichkeit brachte, Stellung nehmen müssen. Er löst das Problem jetzt überaus pragmatisch.

Um auch jungen Familien mit normalem Einkommen den Traum von den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, macht die Stadt ihnen ein gutes Angebot: Das Grundstück fürs Neubauhaus können die Familien per Erbbaurecht pachten. So entfällt die hohe Einmal-Kaufsumme. Und zwecks Familienförderung zieht die Stadt noch mal 20 Prozent je Kind von der Pacht ab. Seit 20 Jahren gibt es diesen Rabatt schon. "Ziel ist es", erklärt Schneider, "Familien zu ermöglichen, auch mit kleinen Kindern, wenn es die finanziellen Umstände sonst möglicherweise nicht hergäben, Wohneigentum zu bilden."

Weil es offenbar finanziell immer enger wird für die Zielgruppe, ist nun beim "Startprogramm für junge Familien" aber ein Problem zutage getreten. Mehrere Familien, die im Nieder-Erlenbacher Baugebiet "Am Ohlenstück" bauen, meldeten sich bei der Stadt - und als sie nicht weiterkamen, auch bei dieser Zeitung.

Rabatt für Hausbau in Frankfurt: Finanzierung drohte zu scheitern

Ihr Problem: Weil der Rabatt erst ab Einzug, aber nicht ab Vertragsabschluss gewährt wird, drohen ihre Finanzierungen zu scheitern. Unter anderem waren Karina (37) und Yves Rakow (44) mit Tochter Pina (3) verzweifelt. Die Finanzierung der Kita-Erzieherin und des Klinik-Sozialpädagogen ist Spitz auf Knopf gerechnet. Und der Rabatt fehlt just in jener Zeit, wenn sie noch immer ihre alte Mietwohnung bezahlen müssen und auch schon die ersten Raten für den Hausbau.

Der Beschluss der Stadtregierung vom April 2000 sehe den Rabatt erst ab Einzug vor, betont Jan Schneider. Er antwortet damit auf eine parlamentarische Anfrage von SPD-Stadtverordneter Kristina Luxen. Die hakt nach, nachdem Betroffene auch ihr die Probleme geschildert haben. Luxen kritisiert auch, dass ein Merkblatt von Schneiders Amt für Bau und Immobilien (ABI) nicht auf diese Einschränkung hinweise.

Rabatt für Hausbau in Frankfurt: Stadt reagiert auf Kritik

Dem widerspricht der Immobiliendezernent: Im Infoblatt würden die Voraussetzungen für die Gewährung des Rabatts dargestellt. Dass der erst ab Einzug gewährt wird, habe einen guten Grund: Der Rabatt soll nur der jungen Familie selbst zugutekommen - und nicht jemand anderem, falls die Immobilie vor Einzug weiterverkauft werde.

Just für die Zielgruppe, die eigentlich gefördert werden solle, führe das zu höheren Pachtkosten während der Bauphase, räumt Jan Schneider ein. Warum aber war das 20 Jahre lang kein Problem? Dass sich jetzt das "Problem vermehrt gezeigt und zu Kritik geführt" habe, dafür gebe es einen Grund. "In jüngerer Zeit wurden in Nieder-Erlenbach städtische Erbbaurechte durch die ABG Frankfurt Holding AG bebaut und verstärkt an den vorgesehenen Empfängerkreis veräußert", erklärt der Stadtrat. Das betrifft also genau jene Grundstücke "Am Ohlenstück", deren Pächter, die jungen Familien, nun Probleme bei der Finanzierung bekommen hatten.

Hausbau in Frankfurt: Rabatt für junge Familien ab sofort

Deshalb hat Jan Schneider nun umgesteuert: "Zukünftig wird sich daher die Gewährung von Rabatten nicht mehr rein am Wortlaut, sondern an der Intention des Programms orientieren." Die jungen Familien erhalten den Rabatt also ab sofort nach Abschluss des Pachtvertrages eingeräumt und damit auch bereits während der Bauphase ihres Hauses. Schließlich solle das Förderprogramm helfen, Wohneigentum zu bilden. Dafür müsse aber "in vielen Fällen erst gebaut werden", sagt Jan Schneider. "Ein Neubau kann erst nach Fertigstellung bezogen und damit ,selbst genutzt' werden." Das Selbstnutzen erfordern die Regularien.

Allein eines fordert die Stadt nun neu von den jungen Familien: Sie müssten beim Vertragsabschluss versichern, dass sie das Haus nach Fertigstellung selbst bewohnen werden, erläutert der Immobiliendezernent. Ziehen sie dennoch nicht selbst ein oder verkaufen das Haus vor dem Einzug, müssen sie den Rabatt zurückzahlen. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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