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Rund 550 Teilnehmer kamen zur Radentscheid-Demo.

Kundgebung und Demonstration

So setzen die Unterstützer des Frankfurter Radentscheids den Magistrat unter Druck

Trotz 40 000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid, Frankfurt für Fahrradfahrer besser auszubauen, hat ihn der Magistrat für voraussichtlich unzulässig erklärt. Dagegen haben rund 550 Bürger mit ihrem Rad im Regen demonstriert.

Frankfurt - Rote Luftballons sind so zusammengebunden, dass sie die Zahl 40 000 zeigen. So viele Unterschriften wurden für den Radentscheid gesammelt, der vom Magistrat für voraussichtlich unzulässig erklärt wurde. Auf Bannern steht „So schnell geht uns die Luft nicht aus!“ und „Den Radverkehr ins Rollen bringen!“. Etwa 550 Bürger setzen sich bei einer Demo von der Alten Oper zum Römer dafür ein, dass Frankfurt fahrradfreundlicher gestaltet wird. Sie schieben ihre Räder durch die Stadt „aus Mangel an Radwegen“.

„In Frankfurt gab es letztes Jahr sechs tote Radfahrer und viele Schwerverletzte“, so Heiko Nickel vom Verkehrsclub Deutschland. „Seit sechs Monaten liegen Oberbürgermeister Feldmann die 40 000 Unterschriften vor. Keine einzige E-Mail von uns wurde beantwortet, nicht einmal den Eingang haben wir schriftlich bestätigt bekommen und das, obwohl für einen Bürgerbescheid 15 000 Stimmen  genügen“, sagt er.

Radentscheid: Amsterdam und Kopenhagen als Vorbild

Nickel wünscht sich, „dass Frankfurt endlich im 21. Jahrhundert  ankommt.“ Er benennt Kopenhagen und Amsterdam als Städte, „in denen jeder zwischen acht und 88 Jahren sicher Fahrrad fahren kann. In Frankfurt dagegen bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, damit sie nicht von Autos überfahren werden. Das kann es nicht sein“, wettert Nickel.

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Die Demonstranten sind mit Renn-, Lasten- und Cityrädern gekommen. Darunter auch viele Kinder. Klaas (7) hat eine Kuhglocke ans Lenkrad gebunden und bimmelt ununterbrochen. „Die hat mir ein Bauer geschenkt. Damit kann mich jeder hören“, erzählt er stolz. Xenia (7) und Amelie (8) haben Plakate gemalt. Darauf steht „Farad Frankfurt jedtz gez los!! Fom Sofa und raus!!!“ An der Rechtschreibung hapert es noch, aber die Mädchen wissen, wofür sie sich einsetzen. „Fahrradfahren mag ich ganz doll, aber es geht nicht immer“, sagt Xenia. Amelie wäre auch gerne mit dem Rad zur Demo gekommen, „aber das weite Fahren wäre zu gefährlich für uns gewesen.“ Auf dem Weg zum Römer wird im strömenden Regen geklingelt und gerufen: „Wir Bürger wollen viel mehr Rad. Wer gar nichts tut: der Magistrat“.

Demonstration: Bürger wettern gegen Magistrat

Vor dem Römer wettert ein Redner: „Der Magistrat erklärt unsere 40 000 Stimmen für unzulässig. Das ist blanker Hohn. Der Magistrat hält offensichtlich nichts von ehrenamtlichem Engagement. Wir können nur dazu aufrufen, dass die Stadtverordnetenversammlung für die Anerkennung des Radentscheids  stimmt, einmal über ihren Schatten springt und so die Stadt vor dem Verkehrskollaps rettet.“

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Ein Mann mit Hut, auf dessen Krempe der Römer abgebildet ist, trägt eine Amtskette aus Pappe. Mattes Müller (66) ist eigentlich Mediziner, schlüpft heute für den Radentscheid in die Rolle des Oberbürgermeisters Peter Feldmann. „Ich als Oberbürgermeister wurde doch gar nicht gefragt“, sagt er ironisch. „Das Rechtsamt hat einen Kommafehler entdeckt. Ich trage Tag und Nacht die rechtliche Verantwortung und die Amtskette. Ich danke Ihnen allen für Ihr Engagement, aber es ist leider umsonst, denn das Wahl- und Verkehrsdezernat konnten sich nicht einigen. Und weil es keine Vorlage gibt, kann auch nicht abgestimmt werden“, so Müller alias Feldmann. Die Demonstranten applaudieren und buhen im Wechsel. „Wir werden weiterkämpfen, bis wir sichere Radwege für alle haben.“

von SABINE SCHRAMEK

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