Am Mainufer

Radler fährt Mädchen (8) an – und beschimpft deren Eltern

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
    schließen

Ein acht Jahre altes Mädchen wurde am Mainufer von einem Radfahrer umgefahren. Dem Mädchen ist nichts passiert. Die Mutter ist über das Verhalten des Radlers entsetzt.

Der Schock sitzt Tanja Kaspar noch in den Knochen. Vor wenigen Tagen stand sie mit ihrem Mann und ihrer achtjährigen Tochter an der Schiffsanlegestelle nahe der Gerbermühle, um eine Rundfahrt mit der Primus-Linie nach Griesheim und wieder zurück zu machen. „Wir wollten das herrliche Wetter auf dem Schiff genießen und einen schönen Familienausflug machen“, erzählt Kaspar. Doch der Familienausflug wurde überschattet. Während die Familie auf dem schmalen Weg vor der Schiffsanlegestelle auf den Ausflugsdampfer wartete, fuhr ein Fahrradfahrer ungebremst die Tochter um.

„Keine Zivilcourage“

„Mein Kind ist umgefallen und hat vor Schreck angefangen zu weinen“, erzählt die 44-jährige Mutter weiter. „Ich habe sie sofort aufgehoben und geschaut, ob sie verletzt ist.“ Doch anstatt sich zu entschuldigen, sei der Fahrradfahrer – ein Mann zwischen 50 und 60 Jahren – böse geworden, habe die Familie beschimpft. Es sei zu einem riesigen Streit gekommen, schildert sie die Situation. „Er hat uns die Schuld an dem Unfall gegeben, immerhin habe er geklingelt“, sagt Kaspar. „Das haben wir aber nicht gehört. Und das ist ja auch noch lange kein Grund, ein Mädchen umzufahren.“ Über das Verhalten sei sie noch immer fassungslos. „In was für einer Welt leben wir eigentlich“, fragt sich Kaspar. Sie habe sich allein und ohnmächtig gefühlt. „Um uns herum standen ganz viele Zeiten. Bei dem schönen Wetter gab es viel Betrieb am Mainufer. Sie waren auch alle erschrocken, das habe ich gemerkt“, erzählt sie.

Doch als der Mann anfing, die Familie zu beschimpfen, hätte sich niemand eingemischt. „Alle haben sich wieder umgedreht und sind weggegangen. Niemand hat Zivilcourage gezeigt“, ärgert sie sich. Das sei auch der Grund, warum sie sich an diese Zeitung gewandt habe. „Ich möchte an die Vernunft der Zeugen appellieren, in vergleichbaren Situationen einzuschreiten.“

Keine Anzeige

Dem Mädchen ist bei dem Unfall nichts passiert. Die Familie hat auch keine Anzeige bei der Polizei erstattet. „Das Schiff kam dann und wir sind eingestiegen.“ Aber auch noch Tage nach dem Unfall, geht der Frau der Vorfall nicht aus dem Kopf. „Dieser kleine Trampelpfad, der von Spaziergängern und Radfahrern genutzt wird, ist eine gefährliche Stelle. Da muss unbedingt etwas passieren, damit solch ein Unfall nicht noch mal geschieht.“

Das für diesen Weg zuständige Umweltdezernat war gestern nicht zu erreichen.

(jlo)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare