1. Startseite
  2. Frankfurt

Rätselraten um Meistervilla in Frankfurt: Jetzt kursieren Gerüchte

Erstellt:

Von: Michael Forst

Kommentare

Die mächtige Kastanienallee und die Gründerzeit-Villa waren schon Film- und Fernseh-Schauplätze. Unter anderem in "Der Schattenmann" von Dieter Wedel. foTO: Reuß
Die mächtige Kastanienallee und die Gründerzeit-Villa waren schon Film- und Fernseh-Schauplätze. Unter anderem in "Der Schattenmann" von Dieter Wedel. © Maik Reuß

Was wird aus der Meistervilla in Frankfurt? Der Eigentümer sagt, dass die Stadt das Areal in Sindlingen kaufen will.

Frankfurt – Mehr als zwei Jahre nach dem Kauf der Villa Meister und des zwei Hektar große Grundstücks an der Weinbergstraße steckt die Cairos-Gruppe, die das Anwesen damals von den Erben mutmaßlich für einen zweistelligen Millionenbetrag übernommen hatte, mit ihren ehrgeizigen Pläne in der Warteschleife. Sie hatte angekündigt, auf dem Gelände und in der Villa selbst exklusive Wohnungen zu bauen, um damit die Sanierung des Ensembles nach den Richtlinien des Denkmalschutzes gegenzufinanzieren.

Nach Auskunft von Simone Zapke, Leiterin der Frankfurter Bauaufsicht, sei die Cairos-Gruppe noch in Abstimmung mit dem Denkmalamt „zur fachgerechten Instandsetzung der Villa Meister“. Lorena Pethig, Mitarbeiterin des Denkmalamts, bestätigt das, betont aber auch, „dass sich die Planung nicht wegen denkmalpflegerischer Vorgaben in die Länge ziehen“. Fakt ist: Es gibt noch keinen Bauantrag

Gerüchte um Meistervilla: Ist das Bauvorhaben in Frankfurt gescheitert?

In Sindlingen kursieren derweil Gerüchte, wonach das Bauvorhaben der Immobiliengruppe womöglich gescheitert sei. Dem widerspricht Marc Gellert vom Dezernat Planen und Wohnen: „Dass es Gerüchte gibt, gerade bei diesem Thema, ist nicht verwunderlich“, räumt ein. Doch die Stadt befinde sich weiterhin im Gespräch mit dem Eigentümer. Allerdings: „Die und wir sind noch nicht so weit.“ Dass sich das Projekt so lange hinziehe, sei keinesfalls ungewöhnlich: „In Frankfurt gibt‘s keine einfachen Flächen mehr, wo man mal einfach so 50 Wohneinheiten drauf bauen kann“, sagt Gellert.

Marc Biermann, Schriftführer des Reitervereins Sindlingen, berichtet, dass Gerüchte von einem gescheiterten Deal den Club erreicht hätten. „Dass das Projektentwicklungsvorhaben Meisterpark gestoppt ist und wir wieder vielleicht an unser angestammtes Ziel in der Allesinastraße zurückkehren könnten, haben wir gerüchteweise gehört“, sagt er. Doch selbst wenn da etwas dran sei: Ein neuerlicher Umzug sei aktuell „außer jeder Diskussion“. Denn hinter dem Verein liegen bereits zwei Umzüge. Nachdem der Club im Februar seinen Reitstall auf dem Meister-Anwesen räumen musste, war er auf dem Sonnenhof im benachbarten Okriftel untergekommen; seine Geschäftsstelle wurde an den Turnverein Sindlingen (TVS) angegliedert, damit er auch weiter als Sindlinger Verein zählen kann.

Frankfurt: Reiterverein ist froh über die neue Bleibe

Dann machte gerade erst der Verkauf des Sonnenhofs einen erneuten Umzug notwendig - der Reiterverein ist jetzt mit seinen Pferden auf der Heath-Ranch in Liederbach. „Wir vermissen den Meisterpark zwar sehr“, sagt er. Doch sei man „extrem dankbar, dass wir auf der Heath-Ranch so problemlos und professionell unterkommen konnten.“ Im übrigen könne er über den Umgang der Cairos-Gruppe mit dem Sindlinger Reiterverein nur Positives sagen: „Die waren immer freundlich und kulant, haben uns drei Monate länger auf dem Gelände gelassen, als sie mussten.“

Der Sindlinger SPD-Stadtverordnete Sieghard Pawlik hatte sich ebenso wie die Initiative „Rettet den Herbert-von-Meister-Park“ dafür stark gemacht, dass die Stadt die Villa und den Park in ihren Besitz nehmen möge - auch um sicherzustellen, dass das Anwesen für die Allgemeinheit zugänglich bleibt. „Dort 50 Wohnungen hinzusetzen, ist für mich ein Bruch mit dem Denkmalschutz“, betont Pawlik seine Position. Er sieht weitere Hindernisse auf die Cairos-Gruppe zukommen: Zum einen sei die Pflege und der Erhalt des Areals und seiner historischen Bauten „ein immenser Kostenaufwand“. Zum anderen glaubt er, dass „sich einige Anrainer vorbehalten, gegen eine Bebauung vor Gericht zu ziehen.“

Würde sich der Eigentümer aber tatsächlich von dem Objekt trennen, sähe er das als Chance. „Denn das könnte eine zusätzliche Chance eröffnen, auf dem Gelände in attraktive Angebote in Richtung Denkmalschutz und Öffnung für die Bevölkerung zu machen.“

Meistervilla in Frankfurt: Kopfschütteln über die Gerüchte

Marcus Bube, Geschäftsführer der Cairos-Gruppe, kann nach eigenem Bekunden über die Gerüchte nur den Kopf schütteln. Allerdings, räumt er ein, „haben wir in unseren Bemühungen einen Gang rausgenommen - denn die Stadt hat bei uns Interesse angemeldet, das Areal von uns zu kaufen.“

Diesem Ansinnen gegenüber sei man offen und warte nun auf konkrete Angebote. Dass ein Erwerb für die Stadt nicht eben günstig werden könnte, deuten seine Worte an: Die Stadt wisse, was die familiengeführte Unternehmensgruppe „bezahlt und in das Areal in den letzten zwei Jahren alles investiert“ habe.

Für die Proteste der Bewohner habe er im Übrigen wenig Verständnis: „Selbst zu Zeiten Herbert von Meisters befanden sich im vorderen Bereich des Parks Wirtschaftsgärten - da war nie nur Parkfläche“. Und er fügt hinzu: „Wenn da nicht gebaut werden könnte, bleibt der Park für die nächsten Jahre zu.“ Dann behalte man das Grundstück - und gucke, „wie sich die politische Situation in den nächsten Jahren ändere“, so Marcus Bube. Doch eine Schließung des Parks können wohl kaum im Sinne der Anrainer sein. (Michael Forst)

Auch interessant

Kommentare