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Rainer Wendt sagt: ?Man muss alles sagen dürfen, solange es nicht gegen das Strafgesetz verstößt.?

Interview

Rainer Wendt: "Das wird eine seltsame Diskussion"

Rainer Wendt polarisiert: Die einen werfen dem Polizeigewerkschafter rechtes Gedankengut und Ausländerfeindlichkeit vor, die anderen feiern ihn als denjenigen, der endlich sagt, was ist. Der 61-Jährige hätte im vergangenen Oktober einen zuwanderungskritischen Vortrag an der Goethe-Uni halten sollen, doch er wurde kurzfristig wieder ausgeladen. Am kommenden Freitag wird an der Hochschule diskutiert, ob man ihn nicht doch hätte einladen sollen – und er ist wieder nicht eingeladen. Redakteurin Sarah Bernhard hat mit ihm darüber gesprochen.

Rainer Wendt polarisiert: Die einen werfen dem Polizeigewerkschafter rechtes Gedankengut und Ausländerfeindlichkeit vor, die anderen feiern ihn als denjenigen, der endlich sagt, was ist. Der 61-Jährige hätte im vergangenen Oktober einen zuwanderungskritischen Vortrag an der Goethe-Uni halten sollen, doch er wurde kurzfristig wieder ausgeladen. Am kommenden Freitag wird an der Hochschule diskutiert, ob man ihn nicht doch hätte einladen sollen – und er ist wieder nicht eingeladen. Redakteurin Sarah Bernhard hat mit ihm darüber gesprochen.

Herr Wendt, am Freitag findet an der Goethe-Uni eine Bürgeruniversität zum Thema „Meinungsfreiheit auf dem Campus“ statt – ohne Sie. Was sagen Sie dazu?

RAINER WENDT: Ich könnte sagen: Am Freitag kann ich sowieso nicht. Aber im Ernst, ich denke, das wird eine seltsame Diskussion über einen Sachverhalt, den man eigentlich mit Andersdenkenden diskutieren müsste. Wenn man nur noch diskutiert ob man links, halblinks oder ganz links ist, ist das kein richtiger Diskurs, sondern man schmort im eigenen Saft.

Hatten Sie denn mit der Ausladung im Oktober gerechnet?

WENDT: Nein, das kam für mich überraschend. Aber ich hatte Verständnis und war der Veranstalterin auch nicht böse. Sie hatte die Verantwortung, und wenn man der Meinung ist, es besteht eine Gefahr, die man nicht kalkulieren kann, dann muss man reagieren. Aber natürlich ist es schlimm, dass Meinungsvielfalt und Austausch gerade an der Uni, wo sie ja eigentlich hingehören, mit Gewalt unterdrückt werden. Und wenn Wissenschaftler Fake-News produzieren und Lügen verbreiten, wird mir Angst und Bange um diejenigen, die später da rauskommen.

Sie meinen den offenen Brief von 60 Uni-Mitarbeitern, in dem Ihnen unter anderem vorgeworfen wurde, das sogenannte Racial Profiling zu befürworten, also Personenkontrollen aufgrund des Aussehens.

WENDT: Genau. Dabei habe ich immer gesagt, Polizisten orientieren sich an mehreren Faktoren. Aber man sieht, wie Lügen sich verbreiten. Irgendwann steht das dann bei Wikipedia. Und ich werde aufgefordert, es zu ändern.

Na ja, keiner will doch Lügen über sich im Netz lesen, oder?

WENDT: Mittlerweile ärgert mich das nicht mehr. Das Internet ist eine segensreiche Einrichtung, aber auch ein großer Müllhaufen.

Kurze Zeit später sprachen Sie zum gleichen Thema an der Uni Köln – mit Polizeischutz und Security.

WENDT: Ja, das war bedrückend. Am Anfang habe ich noch gedacht: Wow, ich habe Bodyguards, aber ich habe mich dann doch sehr eingeengt gefühlt. Die Security hat uns später sogar zum Restaurant und zum Hotel begleitet – und das war notwendig. Dabei war es nicht das Bahnhofsviertel oder vor dem Stadion, wo Fußballrandale ist, sondern in einer deutschen Universität.

Woher kommt diese Ablehnung?

WENDT: Diese sogenannte Antifa, das sind keine kritischen Geister, sondern Schreihälse. Und es sind solche Professoren, wie die mit ihrem offenen Brief, die die Stimmung noch anheizen.

Haben Sie in Anbetracht dessen schon einmal ans Aufhören gedacht?

WENDT: Keine Sekunde, das würde gar nicht zu mir passen.

Kommt es denn öfter vor, dass Sie ausgeladen werden?

WENDT: Nein, insbesondere nicht von Unis. Vor einigen Jahren habe ich sogar mal zusammen mit Amnesty International eine Reihe gemacht, bei der wir an verschiedenen Universitäten sehr engagiert diskutiert haben. Da waren wir zum Beispiel mit der FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in Tübingen, da ging es so richtig zur Sache. Das war gut!

Sie diskutieren gerne.

WENDT: Ja, leidenschaftlich gerne, auch kontrovers. Wenn ich zum Beispiel an Schulen zu Gast bin, stellen die Schüler oft kritische Fragen. Das ist toll.

Kritiker werfen Ihnen vor, politisch sehr weit rechts zu stehen.

WENDT: Man muss alles sagen dürfen, solange es nicht gegen das Strafgesetz verstößt. Aber in Deutschland ist man ja schon fast ein Nazi, wenn man auf das Vorhandensein der deutschen Staatsgrenze hinweist. Oder darauf, dass die Polizei laut der europäischen Verträge die Pflicht hat, Menschen an der Grenze zurückzuschicken, die illegal einreisen wollen. In diesem inflationären Gebrauch des Begriffes rechtsradikal steckt die eigentliche Gefahr, weil man die wirklichen Rechtsextremisten nicht mehr erkennt.

Vielleicht würde es helfen, wenn Sie sachlich argumentieren würden und nicht immer nur polemisch zuspitzen.

WENDT: Polemik ist in der politischen Auseinandersetzung ein zulässiges Stilmittel. Das hat es schon im griechischen Senat gegeben, es gehört auf die politische Bühne.

Was wollen Sie mit dieser Polemik denn erreichen?

WENDT: Mir geht es um die Zukunft unserer Kinder. Mein Enkel geht in eine Nachmittagsbetreuung mit einem Schlüssel von 4,5 Betreuern auf 75 Kinder. Und dann war ich mal in einer Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, in der drei Betreuer für vier Flüchtlinge zuständig waren. So etwas geht gegen das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen. Deshalb protestieren sie, aber nicht mit Plakaten, sondern an der Wahlurne. Wenn man das verhindern will, muss man die Zustände ändern und man muss sie klar und deutlich ansprechen, sonst wird man nicht gehört.

Wenn die Uni Sie doch noch einladen würde, würden Sie dann kommen?

WENDT: Selbstverständlich. Ich muss auch nicht dieses Format haben. Wenn das Ganze eine Nummer kleiner und mit weniger Öffentlichkeit wäre, so dass die Antifa es verschläft, bin ich nicht traurig und komme natürlich.

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