Diese Maus mit dem Käsefestschmaus ist eine Fotomontage, aber es stimmt: Die Nager finden Supermärkte paradiesisch. Foto: Fotolia / Montage: FNP-Design
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Diese Maus mit dem Käsefestschmaus ist eine Fotomontage, aber es stimmt: Die Nager finden Supermärkte paradiesisch. Foto: Fotolia / Montage: FNP-Design

Lebensmittelkontrollen

Ratten und Mäuse lieben Frankfurts Supermärkte

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Angeknabberte Packungen, angebissene Backwaren: Lebensmittelläden sind ein Paradies für Mäuse, da lassen sie sich nicht leicht vertreiben.

Keiner mag sie, aber sie sind überall: Wo Menschen essen, fressen Mäuse und Ratten mit. In Restaurants und Supermärkten bekämpft man sie, stellt Fallen auf. Aber die Nager kommen trotzdem. 203 Mal fanden Kontrolleure des Veterinäramts im vergangenen Jahr Schädlinge in Lebensmittelgeschäften.

Der Filialleiter eines Penny-Marktes räumt gerade Joghurt ins Kühlregal, als ihm ein Mann eine Tüte „Knusperflocken“ reicht, einige Tage vorher hier gekauft. An einer Ecke ist die Tüte angeknabbert. Die Spur von Mäusen. „Oh, das tut mir leid“, sagt der Filialleiter und ist sofort bemüht, den Kunden zu besänftigen. „Sie können es umtauschen, oder ich gebe Ihnen das Geld zurück, oder Sie suchen etwas anderes aus.“ Er versichert, er habe keine Mäuse in seiner Filiale. „Aber Sie wissen ja, wo Lebensmittel sind, da sind auch Schädlinge“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „So etwas kann immer passieren.“

Wahrscheinlich sei die Tüte schon so aus dem Lager gekommen, oder die Tiere hätten bereits beim Lieferanten zugeschlagen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei uns geschehen ist. Wir haben momentan keine Probleme damit“, versichert der Verkäufer.

Ob es Mäuse waren oder vielleicht Ratten, ist an dem kleinen Loch in der Tüte nur schwer zu erkennen. Klar ist: Bei den regelmäßigen Kontrollen im Lebensmitteleinzelhandel sind Mäuse, Ratten und Kakerlaken die Hauptgegner der Hygiene. „Es gibt keinen eindeutigen Trend“, sagt Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamts. „Die Zahlen schwanken über die Jahre stark auf hohem Niveau.“ Die 203 Falle im Jahr 2017 waren Rekord, davor zählt die Statistik 136 Beanstandungen auf, für 2015 waren es 193, davor 145 und lediglich 97 im Jahr 2013. Die Gesamtzahl der Kontrollen mit Beanstandungen in der Hygiene ist über die Jahre leicht gestiegen von 2459 (2013) auf 3393 (2017). Hier sind auch Restaurants, Imbisse und eben Geschäfte mit eingerechnet.

„Schädlingsbefall ist ein Problem, das natürlich auch durch Menschenhand entsteht“, sagt Jenisch. So lasse der Umgang mit Lebensmitteln sowie das Verständnis für die Problematik „Schädlinge“ in manchem Lebensmittelladen zu wünschen übrig. Die Stadt kontrolliert und mahnt die Sünder an. Daneben räumt die Kommune notfalls vermüllte Grundstücke, wenn dort Ratten beobachtet werden, kontrolliert in Gaststätten, ob der Fettabscheider funktioniert und somit keine Lebensmittel in den Kanal gelangen und appelliert an die Vernunft der Bürger.

Dass es jahreszeitliche Schwankungen beim Mäusebefall gibt, weiß Robert Grimm. Der Schädlingsbekämpfer aus Niddatal, der auch in Frankfurt unterwegs ist, hält die Jahreszeit und die Wetterlage für entscheidend. „Der Winter war bislang warm, viele Ratten und Mäuse haben überlebt.“ Sie fänden jedoch derzeit weniger Futter, weil auf der Straße weniger gegessen wird. Deshalb ziehen sie durch offene oder schlecht schließende Türen um in die Häuser und Geschäfte – im Winter häufiger als im Sommer.

Trotzdem, versichert Andreas Krämer, seien Mäuse im Supermarkt die absolute Ausnahme. Krämer ist Sprecher der Rewe-Gruppe in Köln, zu der auch die Penny-Discounter gehören. Vorbeugend schule man die Mitarbeiter der Lager und der Märkte regelmäßig in Hygienefragen. „Dazu gehört auch die Prävention vor Nagern. Geschlossene Türen, Sauberkeit der Böden, keine unmittelbare Lagerung von Lebensmitteln auf dem Boden, regelmäßige Sichtkontrollen (etwa auf Kot), präventives Aufstellen von Fallen an neuralgischen Punkten wie der Warenanlieferungsschleuse oder die umgehende Entsorgung beschädigter Verpackungen sind einige Aspekte“, sagt Krämer. Sollte doch eine Maus in den Markt gelangen, würden umgehend Fachleute bestellt. Bissspuren oder Verschmutzung an der Ware führe dazu, dass diese umgehend entsorgt werde.

Lecker für alle Schädlinge sind offene Lebensmittel wie Backwaren. Gerhard Eifler, Chef der gleichnamigen Großbäckerei sagt: „Eine Garantie gibt es nicht. Aber wir tun das Mögliche.“ Dazu gehöre, täglich die Großbäckerei in Fechenheim und die 69 Filialen zu reinigen. Einmal wöchentlich kommt ein Schädlingsbekämpfer in die Zentrale und prüft, ob die ausgelegten Giftköder angebissen sind. In den Filialen prüft er monatlich. Den Transport von der Zentrale in die Läden hält Eifler für unproblematisch: „Die Ware kommt in den Laster, die Tür geht zu, und vor der Filiale geht sie wieder auf.“ Da spiele es keine Rolle, ob die Verkaufsstelle ein Supermarkt ist oder – wie bei Eifler – eigene Geschäfte.

Doch trotz aller Prävention: Die Mäuse sind unter uns. Und das war auch schon immer so.

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