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9. Oktober 2017: Polizisten am Tatort in der Linkstraße. Die Opfer waren in ihrem Wohnhaus von vier Männern überfallen worden.

Prozess

Raubmord: Trio steht vor Gericht

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Der brutale Raubüberfall auf ein Juwelierspaar aus der Linkstraße in Griesheim erschütterte am 9. Oktober den Stadtteil. Seit vorgestern wird die Tat verhandelt. Vor dem Landgericht müssen sich drei 19, 21 und 26 Jahre alte Männer verantworten – unter anderem wegen gemeinschaftlichen Mordes und Mordversuchs.

Schon als die Eheleute am Nachmittag ihren Schmuckladen in der Alte Falterstraße verließen und ihrem Privathaus einige Straßen weiter zustrebten, wurden sie von den späteren Tätern beobachtet. Nach ihrer Ankunft in der Linkstraße ging alles ganz schnell. Die Eheleute, beide 78 Jahre alt, wurden überrumpelt und ins Haus gedrängt. Schläge und Tritte brachten sie rasch zu Boden, die Frau wurde am Ende auch noch gefesselt.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Schreie der Opfer von besorgten Anwohnern bereits bemerkt worden, die Polizei rückte an. Von den vier Räubern gelang nur einem die Flucht durch die Haustüre. Die drei Angeklagten wollten über den ersten Stock auf benachbarte Hausdächer fliehen. Doch das Anwesen der offenbar furchtsamen Eheleute war komplett vergittert, die Räuber saßen mit einem Bündel voller Geld, das sie zuvor dem Mann abgenommen hatten, in der Falle. Minuten später klickten die Handschellen. Am Tag darauf verstarb der Juwelier an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Der Prozessauftakt gestaltete sich am Mittwochvormittag unspektakulär. Terminliche Schwierigkeiten bei einem Verteidiger sowie einer Dolmetscherin hatten dazu geführt, dass von Anfang an nur die Verlesung der Anklageschrift geplant war.

Nach einer guten halben Stunde war der Rummel mit Fernsehteams, Reportern und neugierigen Zuschauern auch schon wieder vorbei. Immerhin soll am kommenden Dienstag der 26 Jahre alte Angeklagte eine Erklärung abgeben. Der Bauarbeiter, der in Deutschland in Behelfseinrichtungen gewohnt und auf den „Arbeitsstrich“ gegangen sein soll, gilt als Ideengeber für die Tat. Als einziger der Angeklagten wird er voraussichtlich vor der Jugendstrafkammer als Erwachsener behandelt. Sollte er tatsächlich der Mittäterschaft überführt werden, droht ihm die „volle Ladung“, nämlich lebenslange Haft mit besonderer Schuldschwere. Gestützt hat die Staatsanwaltschaft ihren Vorwurf auf gleich zwei Mordmerkmale: Habgier und die Ermöglichung einer Straftat (den Raub).

Am äußeren Geschehen können die Angeklagten nicht viel deuteln. Fraglich ist nur, wer von ihnen in dem Haus was gemacht hatte. Setzten tatsächlich alle drei Männer die entscheidenden Schläge und Tritte? Oder geriet vielleicht nur einer oder zwei aus dem Ruder? Die mit schweren Verletzungen überlebende Ehefrau hatte bereits kurz nach dem Überfall eine ausführliche Darstellung abgegeben. Im Prozess nimmt sie die Doppelrolle als Hauptbelastungszeugin und Nebenklägerin ein. Sie wird voraussichtlich am übernächsten Verhandlungstag im Zeugenstand erscheinen.

Kurz nach dem Überfall war in Griesheim über mögliche Hintergründe spekuliert worden. Man mutmaßte, dass die Täter im Kreise jener osteuropäischen Männer zu finden seien, an die der getötete Ehemann für teuer Geld einfachste Behausungen vermietet hatte. Dem Vernehmen nach aber hatten die Immobiliengeschäfte des Mannes nichts mit der Tat zu tun.

Vielmehr soll es der einfache Versuch gewesen sein, in kurzer Zeit an möglichst viel Geld zu kommen. Weil die Eheleute tags darauf in die Schweiz wollten, hatte sich der Mann bereits mit einem Bündel Franken eingedeckt. Darüber hinaus wurden ihm auch noch mehrere Tausend Euro Bargeld abgenommen, als er röchelnd am Boden lag. An der Banderole stellte die Polizei die Fingerabdrücke des 21 Jahre alten Mitangeklagten fest.

In der kommenden Woche soll der Prozess dann richtig starten. Es wird allgemein mit einem klassischen Indizienprozess gerechnet. Aus diesem Grund wurde bereits großzügig terminiert. Die zehn Verhandlungstage reichen bis Mitte August.

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