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In dieses Gebäude gegenüber dem Hauptbahnhof muss der Ermittlungsdienst der Bundespolizei aus Platzgründen umziehen.

Wache am Hauptbahnhof

Raumnot bei der Bundespolizei

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Die Bundespolizei am Hauptbahnhof leidet unter Platzmangel. Der Ermittlungsdienst der dortigen Inspektion soll deshalb im März in ein externes Bürogebäude ziehen. Die Gewerkschaft der Polizei macht sich außerdem für die Erweiterung der Wache an Gleis 24 stark.

Eng ist’s in der Wache der Bundespolizei-Inspektion am Frankfurter Hauptbahnhof. So eng, dass einige Beamte den länglichen Flur vor der Wachtheke nur „den Schlauch“ nennen. Ein Foto, das die Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Jahr 2014 machte, zeigt neun Flüchtlinge, die sich auf dem Boden des Flurs ausruhen. Weil es so nicht weitergehen konnte, funktionierten die Bundespolizisten zunächst einen Konferenzraum der Inspektion zum Aufenthaltszimmer für Flüchtlinge um und schufen dann eine Bearbeitungsstelle zur Registrierung von Asylbewerbern am Frankfurter Berg. Die provisorischen Maßnahmen konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bundespolizeiwache am Gleis 24 zu wenig Platz bietet und bei der Ankunft größerer Gruppen schnell an ihre Grenzen gerät.

Der GdP-Kreisgruppenvorsitzende Helmut Seibert macht sich angesichts des Platzmangels für die Erweiterung der Wache stark. Konkret schlägt er vor, zwei direkt benachbarte Räume – Gesamtfläche: gut 50 Quadratmeter – mit zwei Durchbrüchen an die bestehende Wache anzubinden. Die vorgeschlagenen Räume dienten Mitarbeitern der Deutschen Bahn (DB) derzeit zum Aufenthalt, sagt der Polizeioberkommissar und betont: „Der Aufwand für die Bauarbeiten wäre relativ gering.“

Seibert verweist darauf, dass in die Bundespolizeiwache am Hauptbahnhof täglich etwa 120 Menschen kommen. Wegen der Enge könnten Wartende mithören, wenn am Arbeitsplatz gleich hinter der Theke Anzeige erstattet wird. Wenn festgenommene oder betrunkene Personen in der Wache herumbrüllten, sei ein konzentriertes Arbeiten kaum noch möglich. „Wir hatten schon Fälle, in denen Menschen, die eigentlich Anzeige erstatten wollten, wieder gingen, weil sie in der Wache die nötige Ruhe vermissten“, sagt Seibert. Ein ehemaliger Staatssekretär, der einen Diebstahl anzeigen wollte, habe sich nach dem Besuch der Wache sogar an das Bundesinnenministerium gewandt, um auf die zu engen Verhältnisse hinzuweisen.

Die Raumnot in der Bundespolizei-Inspektion am Hauptbahnhof mit insgesamt etwa 300 Mitarbeitern ist schon länger ein Thema. Schon in der Vergangenheit wies Gewerkschafter Seibert darauf hin, dass der Platz hinten und vorne nicht ausreicht. Er bemängelte, dass in den Büros manchmal mehr Kollegen sitzen als Computerarbeitsplätze vorhanden sind. Dass Bundespolizisten samt ihren Unterlagen von Büro zu Büro zogen, um einen freien PC zu finden, war mitunter an der Tagesordnung (wir berichteten).

Zumindest dieses Problem wird sich bald erledigt haben: Der Ermittlungsdienst der Inspektion wird nach Seiberts Angaben voraussichtlich im März in den dritten Stock eines Bürogebäudes in der Nachbarschaft des Hauptbahnhofs ziehen. Für die 30 Bundespolizisten seien dort Räume mit einer Fläche von 300 Quadratmetern angemietet worden.

Was die Erweiterung der Wache betrifft, lassen gute Nachrichten noch auf sich warten: Ein Gespräch mit der Deutschen Bahn vor ein paar Tagen verlief dem Vernehmen nach eher zäh. Die Nachbarräume der Wache will das Unternehmen derzeit nicht der Bundespolizei überlassen. Bei der gestrigen Verabschiedung des langjährigen Inspektionsleiters Rainer Willbrand äußerte dieser denn auch den Wunsch, die Bahn möge die „bürgerfreundliche Gestaltung der Wache“ in ihre Pläne für den Hauptbahnhof einbeziehen.

Das hält Seibert schon deshalb für geboten, weil die Zahl der Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Inspektion Hauptbahnhof zuletzt stark gestiegen ist. Vom Jahr 2013 auf 2014 schoss sie von knapp 14 500 auf gut 18 100 in die Höhe. Für 2015 rechnet die GdP damit, dass die Marke von 32 000 Straftaten deutlich überschritten wird. Künftig werden vielleicht also noch mehr Menschen die Wache besuchen.

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