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Eintracht Frankfurt

Rebic macht den Unterschied

Die Eintracht bricht den Bann und gewinnt erstmals in dieser Fußball-Saison ein Bundesliga-Heimspiel – und das überzeugend mit 4:1 gegen Hannover 96.

Wer sein erstes Bundesligator erzielt, ein sehr wichtiges zudem, weil es die Führung bedeutete, noch dazu als 19-Jähriger vor mehr als 46 000 Zuschauern im eigenen Stadion, dem dürften die Worte hinterher nur so von den Lippen sprudeln. Nicht so bei Evan Ndicka, dem französischen Verteidiger in Diensten von Eintracht Frankfurt. Gefragt nach seinen Eindrücken, empfand der hochgewachsene, aber zurückhaltende Teenager lediglich „ein komisches Gefühl“. Das mag daran gelegen haben, dass er dieses Gefühl, ein Tor zu erzielen, „nicht gewohnt ist“; zuletzt hat er in der Jugend bei AJ Auxerre mal getroffen. Der Treffer am Sonntagnachmittag nach 36 Minuten, als er eine Kopfballvorlage von Sebastien Haller mit der linken Innenseite sehr souverän im Hannoveraner Tor unterbrachte, war sein erster im Profibereich. „Ich bin happy“, sagte Ndicka dann noch, immerhin.

Der blutjunge Franzose brachte mit seinem Tor die Hessen auf die Siegerstraße, sein Treffer löste die Verkrampfung, wirkte belebend und trug maßgeblich zu einem nie gefährdeten und auch in der Höhe verdienten 4:1 (2:0)-Erfolg der Frankfurter gegen Hannover 96 bei. „Das war ein Befreiungsschlag“, sagte der Frankfurter Trainer Adi Hütter hinterher. Die Eintracht sortiert sich nach dem sechsten Spieltag auf Rang elf ein, sieben Punkte, ausgeglichene Tordifferenz, punkt- und torgleich mit dem nächsten Gegner TSG Hoffenheim, und damit kann man fürs Erste leben. Dennoch war die Erleichterung, endlich den ersten Heimsieg errungen zu haben, allenthalben groß.

„Mir hat sehr gut gefallen, wie die Mannschaft um den Sieg gefightet hat“, lobte Hütter das Frankfurter Ensemble, dem man von Anfang an anmerkte, die Wende zum Besseren schaffen zu wollen. Frankfurter agierten, Hannoveraner reagierten. „Es war der unbedingte Willen zu spüren, die Gier war da, das Tor zu machen“, sagte Marco Russ, der anstelle des an den Adduktoren lädierten David Abraham in die Innenverteidigung rückte und die Mannschaft in seinem 300. Bundesligaspiel als Kapitän auf den Platz führte.

Auch der Hannoveraner Trainer André Breitenreiter hob „Körpersprache und Aggressivität“ der Eintracht im Unterschied zu seinen Spielern hervor. „Auch Frankfurt war verunsichert, aber sie wollten mit aller Macht diesen Sieg.“ Seiner Mannschaft attestierte der Trainer, aktuell „nicht gut genug für die Bundesliga“ zu sein. Und Pirmin Schwegler, lange Zeit in Frankfurt unter Vertrag, deutete gar tiefergehende Gründe für die Misere der 96er an: „Das ist eine beschissene Situation. Jeder muss vor seiner eigenen Haustüre kehren, da liegt genug Schutt.“

Tatsächlich hat Eintracht Frankfurt im genau richtigen Moment Stärke gezeigt. Als es darauf ankam, war sie da. Die Eintracht hatte das Spiel, bis auf zehn, 15 Minuten nach der Pause, komplett unter Kontrolle. „4:1 ist ein tolles Ergebnis. Und ich freue mich, dass die Mannschaft nach der Gladbach-Niederlage die richtige Antwort gegeben hat“, lobte Hütter. Es gab nie Zweifel, wer Herr im Hause war, wer die Begegnung gewinnen würde. Die Gastgeber gaben 15 Torschüsse ab, die 96er, wohlwollend gezählt, ganze vier. Außer dem Treffer von Florent Muslija zum 1:3 (86.) kam nichts, aber auch gar nichts Gefährliches auf das von Kevin Trapp gehütete Tor. Aber selbst in diesem einseitigen Spiel schafften die Frankfurter kein zu Null. Hannover, einzige Mannschaft in der Liga noch ohne Sieg und mittlerweile Tabellenletzter, trat erschreckend harmlos auf. „Das hat heute nicht gereicht“, wusste auch Breitenreiter.

Frankfurts Trainer Hütter hatte in den letzten Tagen die Mannschaft in die Pflicht genommen, hatte offensiv von Druck gesprochen, dem man sich stellen müsse. „Ich halte nichts vom Schönreden“ hatte der Trainer gesagt, seinem Team eine Fünferkette (mit Flip Kostic als Linksverteidiger) angelegt und es auf nicht weniger als fünf Positionen verändert. Ohne Abraham, Mijat Gacinovic, Nicolai Müller, Jetro Willems und Gelson Fernandes, die noch in Gladbach in der Startelf standen, ging die Eintracht diese wegweisende Partie an. Überraschendster Schachzug: Allan Souza, der junger Brasilianer, spielte im offensiven Mittelfeld. Er machte seine Sache ordentlich, 25 seiner Pässe kamen an. Zuletzt hatte der Fußballlehrer fehlende spielerische Qualität moniert, die sollte Allan, der sich bereits „im Training aufgedrängt“ (Hütter) hatte, ins Spiel bringen. Und er lief viel, solange, „bis ihm die Zunge heraushing“, wie Hütter sagte. Die meisten Kilometer (11,9) spulte der 21-Jährige aus Porto Alegre auch noch herunter.

Entscheidender Mann und bester Spieler dieses Nachmittags war aber ein anderer: Ante Rebic, der kroatische Vize-Weltmeister, der mal wieder den Unterschied ausmachte. Rebic, erstmals von Anfang an eingesetzt, erzielte nicht nur das 2:0 (45.) selbst, sondern bereitete auch das 3:0 (59.) von Jonathan de Guzman, ebenfalls neu in die Startelf beordert, mustergültig und uneigennützig vor. „Die Hälfte des Tores gehört Ante“, sagte der Niederländer; er brauchte die Kugel nur noch ins leere Tor zu schieben. Damit war die Partie entschieden. Den Schlusspunkt setzte der Frankfurter Edeljoker Luka Jovic, der einen feinen Pass von de Guzman (89.) im Tor unterbrachte.

„Wir brauchten diese Punkte“, fasste de Guzman die 90 Minuten zusammen. Dieser Sieg bringt den Frankfurtern ein wenig Ruhe, gerade vor dem Europa-League-Spiel gegen Lazio Rom am Donnerstag (21 Uhr). „Es ist immer gut, mit einem Sieg in den Europacup zu gehen“, richtete Routinier Russ den Blick nach vorne. So schnell geht es: Die Pflicht ist erledigt, vier Tage bleiben den Frankfurtern zur Regeneration, dann kommt die Kür auf europäischer Ebene. Mit einem Sieg über Lazio Rom könnte sich Eintracht Frankfurt bereits in eine sehr komfortable Lage manövrieren. Der Bann zu Hause ist ja gebrochen.

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