Beschluss im Stadtparlament

Das Rebstockbad wird für 86 Millionen Euro neu gebaut

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In Frankfurt sollen keine Bäder geschlossen werden. Ganz im Gegenteil: Es wird viel Geld in die Schwimmstätten investiert. Das Stadtparlament hat gestern beschlossen, das Rebstockbad abzureißen und durch eine 86 Millionen Euro teuren Neubau zu ersetzen. Die Linke warnt vor einer Erhöhung der Eintrittspreise.

Rund die Hälfte der Schulkinder kann nicht schwimmen. Für Sportdezernent Markus Frank (CDU) ist das ein Warnsignal. Die Stadt Frankfurt dürfe ihre Bäder nicht vernachlässigen, sagte er gestern im Stadtparlament und plädierte für Investitionen in Neubauten. Vor der Sommerpause hat das Stadtparlament bereits dem Abriss des Panoramabads in Bornheim und einen 28 Millionen Euro teuren Neubau neben der Eissporthalle beschlossen.

Gestern votierte das Stadtparlament fast einstimmig für ein noch größeres Projekt: Für voraussichtlich 86 Millionen Euro soll das 35 Jahre alte Rebstockbad durch ein neues Erlebnisbad ersetzt werden. Gutachten hätten ergeben, dass sich eine Sanierung nicht mehr lohnt. Außerdem sei die Schwimmstätte nicht mehr zeitgemäß. „Heute würden wir so ein Bad zu 100 Prozent anders bauen.“ Frank nannte unter anderem die stärkere Trennung der verschiedenen Nutzungsarten. „Wer dort Ruhe und Erholung sucht, dem ist es heute einfach zu laut.“

Schwierige Finanzierung

Mit dem Neubau von Panorama- und Rebstockbad ist die Wunschliste des Sportdezernenten längst noch nicht abgearbeitet: Er hält auch ein Schwimmsportzentrum für nötig, das zusammen mit der Goethe-Uni gebaut werden soll. „Das könnte auch ein Ort für Wettkämpfe sein“, so Frank. 40 Millionen Euro werden dafür veranschlagt, Uni und Land sollen sich beteiligen. Allerdings betonte Frank auch: „Es ist eine Vision, keine beschlossene Sache.“ Sportdezernent Markus Frank hat derweil bei Facebook eine mögliche neue große Attraktion - einen Rutschenpark -vorgestellt.

  Die Pläne stoßen zwar auf breite Zustimmung, doch angesichts der Summen, die im Raum stehen, haben einige Stadtverordnete doch Bedenken. Sybill Meister (CDU) sprach von einer „finanziellen Herausforderung, die ihresgleichen sucht“. Michael Bross (FDP) wies darauf hin, dass das Eigenkapital der Stadtwerke-Holding, zu der die Bäderbetriebe gehören, in den kommenden Jahren wegen der hohen Investitionen auf ein Viertel des heutigen Bestands abschmelzen wird. Er plädiert deshalb dafür, sich über andere Finanzierungsmodelle Gedanken zu machen. Ein Hotel oder ein medizinisches Zentrum könnten an das Erlebnisbad angeschlossen und zusätzliche Einnahmen bringen. Tatsächlich wurden solche Vorschläge auch in der Machbarkeitsstudie zum Neubau des Rebstockbads untersucht, aber verworfen.

Sorge um Eintrittspreise

Eine andere Sorge hat die Linke: Sie fürchtet, dass der Neubau zu einer Erhöhung der Eintrittspreise führe. „Für viele Frankfurter sind die Bäder aber schon heute zu teuer“, sagte Michael Müller. 17 Euro für drei Stunden Rebstockbad plus Fahrtkosten könnten sich Familien nicht leisten. Auch Jan Klingelhöfer (SPD) plädierte dafür, die Eintrittspreise moderat zu halten, um allen den Badespaß zu ermöglichen. Taylan Burcu (Grüne) hingegen vertrat die Auffassung, Frankfurt könne nicht nur stolz sein auf die insgesamt 13 Schwimmbäder, sondern auch auf die „relativ günstigen Eintrittspreise“.

Michael Müller stellte außerdem die Frage, „ob es nachhaltig ist, ein Schwimmbad nach nur 35 Jahren abzureißen“. Das Flaggschiff der Frankfurter Bäderlandschaft habe möglicherweise Schiffbruch erlitten, weil es falsch gebaut wurde.

Als „völlig daneben“ bezeichnete Manfred Zieran (Ökolinx) die Neubauten. Auf der einen Seite spare die Stadt bei kleinen sozialen Projekten, auf der anderen Seite gebe sie das Geld mit vollen Händen aus. Wichtiger als ein Erlebnisbad wäre es seiner Ansicht nach, mehr Schwimmbäder in den Stadtteilen zu bauen.

Sybill Meister hingegen betonte, dass das neue Rebstockbad eine Attraktion für die ganze Region werde. Nach der Eröffnung im Jahr 2023 oder 2024 sei mit 650 000 Besuchern jährlich zu rechnen.

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