Der Mensch wird klein vor der Leistung und dem Ambiente eines Rechenzentrums.
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Der Mensch wird klein vor der Leistung und dem Ambiente eines Rechenzentrums.

Internetknoten

Frankfurt wird zur digitalen Metropole: Rechenzentren stellen reichlich Rekorde auf

In Frankfurt werden immer mehr Flächen für die digitale Struktur benötigt. Die Daten, die in den Rechenzentren verarbeitet und übertragen werden, brechen Rekorde.

Frankfurt - Die Betreiber von Rechenzentren haben ihre Investitionen in Frankfurt im vorigen Jahr massiv erhöht. Darauf weist die Stadtregierung in ihrem jährlichen Bericht zur Situation der Stadt als digitale Metropole hin. Die Investitionssumme lag bei mehr als einer Milliarde Euro - und wurde von einem Faktor ganz besonders angetrieben.

Gleich mehrfach fielen die Rekorde: Noch nie wurden im weltgrößten Internetknoten in Frankfurt so viele Daten übertragen wie im vorigen Jahr. Und noch nie haben die Unternehmen, die ihre IT in den Rechenzentren haben, so viele Daten verarbeitet. Die Stadt sei der größte Wachstumsmarkt beim Datenaustausch in ganz Europa, hatte Branchenprimus Equinix gegen Ende 2020 ermittelt: In Frankfurt nimmt der Datenaustausch laut "Global Interconnection Index" aktuell um jährlich rund 50 Prozent zu.

Rechenzentren in Frankfurt stellen Rekorde auf: Corona-Pandemie als Treiber

Treiber ist die Corona-Pandemie. Mit dem ersten Lockdown im März 2020 wechselten Millionen Menschen in Heimarbeit - und brauchten dafür die digitale Infrastruktur. Die gibt es in großem Maß zentral für Deutschland in Frankfurt. "Die digitale Infrastruktur in der Stadt hat während der Krise der vergangenen 15 Monate die technische Funktionalität von Millionen Arbeitsplätzen ermöglicht", erklärt der Magistrat in seinem alljährlichen Bericht zum Stand des Digitalstandorts. Der wurde jüngst veröffentlicht.

Die Homeoffice-Arbeitsplätze liegen nicht alle in der Stadt Frankfurt, haben aber dennoch einen lokalen Nutzen: "So weist der hohe Grad an hiesigen Dienstleistungsunternehmen darauf hin, dass Frankfurt als Stadt und Frankfurter Unternehmen in hohem Maße von dieser Infrastruktur profitieren."

Nicht nur Dienstleister, auch Handwerker und Baufirmen profitieren. Im vorigen Jahr "haben sich die Investitionen in digitale Infrastrukturen erneut massiv erhöht", bilanziert der Magistrat. Waren es bislang 400 bis 500 Millionen Euro pro Jahr, geht die Regierung davon aus, dass inzwischen mehr als eine Milliarde in Data-Center investiert wird. Viel davon fließt aus dem Ausland.

Solche Zahlen ließen Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) bereits Ende vorigen Jahres frohlocken: Der Beitrag der Rechenzentren zum Gewerbesteueraufkommen sei "ein wirtschaftlich positiver Aspekt".

Frankfurt: Weitere gigantische Investitionen geplant

In der Pandemie habe sich Frankfurts digitale Infrastruktur bewährt, und sie "stellt die maßgebliche Stütze in den Arbeitsprozessen der modernen digitalen Gesellschaft dar", erklärt der Magistrat. Er rechnet auch nicht mit einem Ende des Booms und weiterhin mit mobiler Arbeit in hohem Maße. Deshalb bauten die Anbieter die digitale Infrastruktur "intensiviert" aus - überall dort, wo die schnellen Glasfaser-Datenleitungen sowie Stromkabel verlaufen. Das ist etwa entlang der Wilhelm-Fay-Straße in Sossenheim oder der Hanauer Landstraße im Ostend sichtbar. Equinix hat eine Investition von rund einer Milliarde Euro in nur wenigen Jahren angekündigt, vor allem am Standort in der Friesstraße in Seckbach. Dort laufen Bauarbeiten längst auf Hochtouren, ebenso in der Lärchenstraße in Griesheim.

Mitbewerber Interxion investiert 90 Millionen Euro bis 2023 in ein weiteres Rechenzentrum in der Weismüllerstraße im Ostend. Östlich davon will das Unternehmen auf dem alten Gelände des Neckermann-Versands bis Ende des Jahrzehnts ebenfalls bis zu einer Milliarde Euro investieren.

Die US-Firma Cisco will dieses Jahr wegen des Booms der Videokonferenzen ein Data-Center in Frankfurt bauen. In den Markt einsteigen wollen auch die lokalen Energieversorger. Die Süwag plant den Bau eines Data-Centers an der A66 in Hofheim. Ähnliche Pläne der Mainova sind bislang hingegen noch nicht konkret.

Boom von Rechenzentren in Frankfurt: Weitere bereits in Planung

100 Rechenzentren von 35 Betreibern hatte die Stadt Frankfurt Ende 2020 gezählt, 16 seien in Bau oder Planung. Angesichts des Booms mahnt der Magistrat an: Die Politik müsse einen Rahmen geben, damit die Rechenzentren in Clustern wachsen und aufgrund ihrer Finanzstärke nicht andere Firmen verdrängen. Ein Konzept dafür hat Planungsdezernent Mike Josef (SPD) bereits angekündigt.

Um den Ausbau zu begleiten, bedürfe es eines "kontinuierlichen Dialogs zwischen allen Beteiligten", ebenso brauche es ein "Bekenntnis der Stadt zu der Branche" sowie genug Flächen und Energiekapazitäten, sagt der Magistrat. Die Rechenzentren seien das Rückgrat "der dezentral und mobil arbeitenden modernen Wirtschaftssysteme weit über die Stadtgrenzen von Frankfurt hinaus", erinnert die Regierung im Römer. "Sie verhelfen der Stadt zu einer führenden Position in der weltweiten Digitalwirtschaft." (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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